Morde an Christen: Ägypter böse auf Papst

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Nach den Christenmorden jetzt der diplomatische Streit: Die ägyptische Regierung ist verärgert über Aussagen von Papst Benedikt XVI. zur Lage der orientalischen Christen.

Kairo - Nach dem Anschlag auf koptische Christen in Alexandria bahnt sich ein Konflikt zwischen dem Vatikan und der ägyptischen Regierung an.

Aus Verärgerung über Ermahnungen von Papst Benedikt XVI. berief das Außenministerium in Kairo am Dienstag seine Botschafterin beim Vatikan zu “Konsultationen“ zurück. Ein Sprecher sagte, die Bemerkungen des Papstes über die Situation der Christen in Ägypten stellten eine “inakzeptable Einmischung in die inneren Angelegenheiten“ des Landes dar.

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Der Papst hatte am Montag während einer Audienz für Diplomaten in Rom gesagt, die Attentate und Drangsalierungen, denen Christen unter anderem im Irak und in Ägypten ausgesetzt seien, hätten ihn “zutiefst betrübt“. Bei einem Selbstmordattentat vor einer koptisch-orthodoxen Kirche in Alexandria waren in der Silvesternacht 23 Menschen ums Leben gekommen.

In einem Zug in der oberägyptischen Provinz Minia erschoss ein Polizist am Dienstag einen 71 Jahre alten Christen. Die Ehefrau des Christen, seine beiden Töchter und zwei männliche Familienmitglieder wurden verletzt, als der Polizist blindwütig um sich schoss. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Tat habe keinen terroristischen Hintergrund. Zwischen der Familie und dem muslimischen Polizisten sei es zum Streit gekommen, nachdem dieser den Zug von Assiut nach Kairo bestiegen habe.

Wie schon in seiner in Ägypten ebenfalls kritisierten Neujahrsansprache appellierte der Papst auch am Montag wieder an die Regierungen in Kairo und Bagdad, “sich dafür einzusetzen, dass ihre christlichen Mitbürger in Frieden leben“. Diesmal richtete der Papst seinen Appell zusätzlich an die islamischen Religionsführer in diesen Ländern.

Auf die Worte Benedikts XVI. antwortete deshalb am Dienstag auch Ahmed al-Tajjib, der Scheich des einflussreichen Al-Azhar Islam- Institutes in Kairo. Der Islam-Gelehrte erklärte, es sei richtig, die Regierungen der Staaten des Nahen Ostens an ihre Verpflichtung zum Schutz der christlichen Minderheit zu erinnern. “Dies darf jedoch nicht mit irgendeiner Form von Einmischung in die inneren Angelegenheiten der arabischen islamischen Staaten einhergehen, unter welchem Vorwand auch immer“, fügte er hinzu. Vertreter der koptischen Kirche in Ägypten versuchten, die Wogen zu glätten. Sie sagten, die Äußerungen des Papstes seien nicht einwandfrei übersetzt worden.

Bundespräsident Christian Wulff rief die internationale Staatengemeinschaft derweil zum Kampf für Religionsfreiheit auf. “Gewalt gegen Religionsgemeinschaften, wie wir sie in der jüngsten Zeit leider vermehrt erleben mussten, hat hier keinen Raum“, sagte Wulff bei dem traditionellen Neujahrsempfang für das Diplomatische Corps in Berlin. “Wir müssen ihr entschieden entgegentreten.“

dpa

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