300 neue Hinweise im Mordfall Dennis

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Das Polizei-Foto zeigt verschwommen einen Mann am Steuer eines Autos, den ein Zeuge beschrieben hat.

Verden/Bremen - Der Mörder des kleinen Dennis - die Polizei vermutet, dass der Mann ein Serientäter ist. Nach einer Pressekonferenz zu einer neuen Spur gingen rund 300 neue Hinweise ein. Bringen sie den Täter nun hinter Gitter?

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Jeder noch so kleine Hinweis gibt dem Mörder ein Gesicht. Fünf Jungen getötet, 40 missbraucht - es ist eine Chronologie des Grauens. Seit fast 20 Jahren treibt einer der schlimmsten Serientäter in der Nachkriegsgeschichte sein Unwesen, da sind sich die Fahnder sicher. Überführen konnten sie den gefürchteten Unbekannten bislang jedoch nicht. Zu seinen Opfern gehört wohl auch der neunjährige Dennis.

Profiler haben über Jahre hinweg eine Bewegungsskizze erstellt, das Phantom nimmt Gestalt an. Brillenträger, Deutscher ohne Dialekt, groß und stämmig, mit guter Ortskenntnis in Bremen und Umgebung, der wahrscheinlich auch im Urlaub mordete. Ein Mann, den die Ermittler als “sozial angepasst“ beschreiben, möglicherweise der nette Nachbar von nebenan, der mit seinen Söhnen im Sandkasten spielt.

In einer Dokumentation von “Spiegel-TV“ auf dem Sender Vox sind die schockierenden Puzzleteile einer Kette von abscheulichen Verbrechen festgehalten. “Fälle wie die der Soko Dennis legt man nicht zu den Akten“, sagt Fallanalyst Alexander Horn vom Polizeipräsidium München. Der Fall des ermordeten neun Jahre alten Dennis aus dem niedersächsischen Osterholz-Scharmbeck bei Bremen im Jahr 2001 bringt die Zusammenhänge ans Licht. Der kleine Blondschopf, der seine Pokemon-Puppe und Fußball liebte, ist das vierte von fünf Todesopfern.

Während der Ausstrahlung standen die Telefone bei der Soko Dennis nicht still. “Alleine während der Dokumentation waren es mehr als 50 Hinweise“, sagte Jürgen Menzel, Sprecher der Polizei Verden, am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Insgesamt seien bislang mehr als 300 neue Hinweise eingegangen. Diese würden nun ausgewertet. Eine heiße Spur sei nicht dabei, sehr wohl aber einige interessante Beobachtungen.

Seit 1992 treibt der Maskenmann, da sind sich die Fahnder sicher, sein Unwesen. Er holt Opfer aus Schullandheimen, von Zeltplätzen oder bricht in Wohnungen ein. 2004 mordet er das letzte Mal, bislang. Dass er wieder zuschlägt, schließen die Ermittler nicht aus.

In der vergangenen Woche stellt die Polizei ein neue Spur vor. Die Hoffnung: Endlich den Mörder und Peiniger von kleinen Jungen zu überführen. “Die Hoffnung stirbt ja nie“, sagen die Eltern eines der Todesopfer in der Fernsehdokumentation. “Wir müssen wissen, was passiert ist. Wir wollen Antworten.“

“Er roch nach Aftershave“, sagt eines der missbrauchten Opfer. Das Phantom schlich ins Haus und verging sich an dem Jungen in seinem Bett. “Wie lang das ging, weiß ich nicht mehr.“ Er habe ihn im Schritt gestreichelt und eine Pistole vor das Gesicht gehalten. Die Schwester des Opfers verpasst den Peiniger nur knapp, als sie von einer Feier heimkommt. Der Bruder von einem Unbekannten missbraucht im eigenen Bett, in der vermeintlichen Sicherheit der eigenen vier Wände.

Die Soko Dennis arbeitet seit 2001 ununterbrochen an dem Fall. Wie viele Fahnder im Einsatz sind, geben die Ermittler nicht preis. Seit am Donnerstag die neue Spur zum Auto des Phantoms publik gemacht wurde, stehen die Telefone der Ermittler nicht mehr still. Zahlreiche neue Hinweise sind eingegangen. Sie werden möglicherweise dabei helfen, dem Maskenmann ein Gesicht zu geben. Vielleicht ist der Hinweis auf das Auto endlich die entscheidende Spur.

dpa

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