Nach Löwentötung

Neuer Shitstorm gegen Kopenhagener Zoo

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Vier Löwen mussten im Kopenhagener Zoo sterben.

Kopenhagen - Der Tod von vier Löwen im Kopenhagener Zoo hat nach der Aufregung um die geschlachtete Giraffe Marius einen zweiten Wutsturm im Internet ausgelöst.

Trotz der heftigen Proteste gegen den Tod der Giraffe Marius hatte der Kopenhagener Zoo am Montag vier Löwen getötet, um Platz für eine neue Generation zu machen, wie der Zoo am Dienstag berichtete. „Der Generationswechsel war schon lange geplant, weil die beiden Zuchtlöwen des Zoos sehr alt waren“, hieß es.

Mehr als 54.000 Menschen unterschrieben bis Mittwochmittag eine Online-Petition mit dem Titel „Sagt dem Kopenhagener Zoo, dass er aufhören soll, gesunde Tiere zu töten!!“. Sie fordern die Schließung des Tierparks ebenso wie die über 34.000 Mitglieder einer Facebook-Gruppe. Medien weltweit berichteten über das Schicksal der Raubtiere.

Die dänischen Medien gehen derweil ganz anders mit der Aufregung um. Einen eigenen Facebook-Link zum Artikel über die Löwen-Petition kommentiert die Zeitung „Politiken“ am Mittwoch mit: „Und 103 haben auf derselben Seite unterzeichnet, dass der Krieg in Syrien gestoppt werden muss... Seit Mai letzten Jahres“.

"Was wir machen, ist wissenschaftlich begründbar"

Das Schicksal der Giraffe Marius hatte dem Zoo in der dänischen Hauptstadt im Februar ungewollt weltweite Aufmerksamkeit beschert. Eine Welle der Empörung war hochgeschwappt, nachdem das Junge getötet und vor Kinderaugen obduziert worden war. Marius' Fleisch wurde teilweise an Raubtiere verfüttert. Eine Online-Petition hatte das Aus für den Zoos gefordert. Der Direktor erhielt sogar Morddrohungen.

Die Kopenhagener scheuen die Konfrontation nicht: „Wir freuen uns darauf, mit Menschen darüber zu sprechen, wieso.“ Der Kopenhagener Zoo tötet jedes Jahr etwa 20 bis 30 Tiere, zum Beispiel weil nach seinen Angaben Inzucht droht. Dieses Vorgehen ist auch in anderen europäischen Tierparks üblich - doch mit der Tötung des Giraffenjungen hatten die Dänen offensichtlich einen Nerv bei Tierschützern getroffen. Man wolle sich der Kritik „offen und ehrlich“ stellen und habe keine Angst vor einem neuen internationalen Aufschrei, sagte Stræde dpa.

„Es ist eine unserer Hauptaufgaben als Zoo, offen und ehrlich darüber Auskunft zu geben, was wir tun“, sagte der Direktor. Auch im Fall Marius habe der Zoo sein Bestes getan zu erklären, wieso die Giraffe getötet wurde. „Was wir machen, ist wissenschaftlich begründbar.“

Löwen werden nicht öffentlich verfüttert

Das 16 Jahre alte Löwenmännchen und seine 14-jährige Partnerin wurden zuerst betäubt und dann mit einer Spritze getötet. Auf diese Weise starben auch zwei zehn Monate alte Löwenjunge, die dem Zoo zufolge noch nicht allein zurecht gekommen wären.

So habe bei dem alten Löwen die Gefahr bestanden, dass er sich mit seinen beiden Töchtern paare, die auch im Zoo leben. Das soll nun ein junges Männchen übernehmen, das schon in den Tierpark eingezogen ist.

„Wir versuchen immer unser Bestes, ein neues Zuhause für unsere Tiere zu finden“, sagte der Zoo-Verwaltungsdirektor Steffen Stræde der Nachrichtenagentur dpa in Kopenhagen. „Leider gab es niemanden, der sie nehmen konnte.“

Öffentlich obduziert wie Marius wurden die Löwen nicht - und ihr Fleisch wird auch nicht verfüttert: Ein Teil ihrer Kadaver werde zu Forschungszwecken genutzt, der Rest entsorgt, sagte Stræde.

dpa

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