Odenwaldschule: Neuer Vorstand, alte Konflikte 

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In der Odenwaldschule hatten Lehrer vor allem in den Jahren 1965 bis 1985 mindestens 132 Schüler missbraucht.

Heppenheim - Die vom Missbrauchsskandal erschütterte Odenwaldschule hat einen neuen Vorstandsvorsitzenden - im Trägerverein schwelen aber immer noch die alten Querelen.

Am Samstag wurde der ehemalige Bürgermeister von Heppenheim, Gerhard Herbert, einstimmig an die Spitze des Trägervereins gewählt, wie die Schule in Südhessen mitteilte. Er will sich für eine bessere Kommunikation mit den Missbrauchsopfern einsetzen. „Das ist in der Vergangenheit nicht optimal gelaufen und hat für Verdruss gesorgt“, sagte Herbert am Sonntag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Neu in dem nun sechsköpfigen Vorstand sind außerdem der Unternehmer Carl Glauner und der Experte für Jugendfragen, Herman Rademacker. Mitglieder bleiben Philip von Gleichen, Rolf Bogus und Heike Salmon-Könnecke. In der Mitteilung der Schule heißt es, ein Dialog mit den Missbrauchsopfern und die Aufarbeitung seien die wichtigsten Ziele des Vorstandes.

Bei der Sitzung waren auch die Querelen ein Thema. Die beiden Vorstandsmitglieder von Gleichen und Bogus seien wegen „Unvermögens in der Kommunikation“ und der „Beleidigung von Betroffenen“ heftig kritisiert worden, berichtete Philipp Horstmann, Vorstandsmitglied des Fördervereins. Bogus sei nicht und von Gleichen nur knapp entlastet worden. Der Trägerverein mit seinen etwa 30 Mitgliedern spalte sich immer noch in zwei Lager.

Der Vorsitzende des Opferschutzvereins „Glasbrechen“, Adrian Koerfer, bezeichnete die Sitzung als „unsäglich“. Immer noch sei keine Rede von einer Entschädigung der Opfer, sagte er. Die vom Vorstandsmitglied von Gleichen im November hierfür angekündigte Summe von 500 000 Euro gebe es gar nicht. „Der Vorstand hätte zurücktreten und endlich die Verantwortung für das Scheitern der letzten zwei Jahre übernehmen müssen.“

Auch Horstmann vom Förderverein ist mit dem Verlauf der Sitzung alles andere als glücklich. Seiner Meinung nach kann sich der Trägerverein nicht mehr selbst reformieren. „Ich kann mir schwer vorstellen, dass der neue Vorsitzende das Ruder noch herumreißt“, sagte er.

Die Auseinandersetzungen um das Internat waren in letzter Zeit wieder schärfer geworden. So hatten Mitglieder des Trägervereins der Schule vorgeworfen, in einer Mitteilung über Vorstandswahlen nicht mit offenen Karten gespielt zu haben. Streit gab es auch weiter über den Umgang mit den Missbrauchsfällen und um die Entschädigung der Opfer.

In der Schule hatten Lehrer vor allem in den Jahren 1965 bis 1985 mindestens 132 Schüler missbraucht. Die Odenwaldschule gilt als eine der bedeutendsten deutschen Reformschulen.

dpa

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