Arm oder reich: US-Kids wünschen sich teure Geschenke

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Viele US-Kids wünschen sich zu Weihnachten ein iPad.

New York - Rund 44 Prozent der jungen US-Amerikaner hätten gern einen iPad unterm Tannenbaum. Dabei leben in den USA 46,2 Millionen Menschen in Armut. Die Schere geht auseinander.

Den Weihnachtsmann höchstpersönlich treffen - das ist schon etwas ganz besonderes. In New York City allerdings kein Problem. Vier Santas sitzen seit dem 25. November täglich von früh morgens bis spät abends im Kaufhaus Macy's und fragen die kleinen Besucher nach ihren Weihnachtswünschen. Eine Antwort auf die Frage ist schnell gefunden, schließlich mussten zuvor alle acht Etagen des Mega-Kaufhauses durchwandert werden.

Wer auf Nummer sicher gehen will, der schreibt dem Weihnachtsmann noch einen Brief. Der angebliche „Nordpol-Briefkasten“ steht - wie sollte es auch anders sein - natürlich auch bei Macy's. Die neunjährige Jasmine Morrobel hat einen ganz bestimmten Wunsch. Sie schreibt: „Lieber Weihnachtsmann, ich glaube an Dich und wünsche mir zu Weihnachten einen iPad. Deine Jasmine aus New York City.“

Ein Satz, den der Weihnachtsmann in diesem Jahr des öfteren zu hören bekam. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Nielsen wünschen sich 44 Prozent der US-amerikanischen Kinder im Alter zwischen sechs und 14 Jahren einen iPad. Die billigste Version kostet allein schon 500 Dollar (etwa 370 Euro). Ein iPod steht bei 30 Prozent ganz oben auf dem Wunschzettel und ein iPhone wünschen sich 27 Prozent unterm Tannenbaum.

Die Tochter der Schauspieler Katie Holmes und Tom Cruise machte in dieser Woche mit noch ganz anderen Wünschen Schlagzeilen. Das US-Magazin „In Touch“ zitierte aus einem Wunschzettel, den angeblich Suri Cruise geschrieben haben soll. Pony, Diamantohrringe und maßgeschneiderte Prinzessinnenkleider gehören zu den Top 3 der Fünfjährigen. Insgesamt belaufen sich ihre Wünsche auf rund 100 000 Euro. Das Pferd sollen ihre Eltern bereits gekauft haben. Ein Freund der Familie berichtet in der US-Ausgabe: „Tom und Katie tun alles, um Weihnachten für Suri so magisch wie möglich zu machen. Sie kaufen ihr alles, was sie sich wünscht.“

Nicht alle US-amerikanischen Familien können ihre Kinder mit iPads und Co. beschenken: Laut einer Studie der dem Handelsministerium angegliederten Statistikbehörde U.S. Census Bureau lebten 2010 insgesamt 46,2 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten in Armut. Die Zahl stieg in den vergangenen vier Jahren kontinuierlich. Die Zahl jener Haushalte, die Beihilfen für die täglichen Lebensmittel bekommt, die sogenannten food stamps, stieg von 2007 bis 2010 um 16 Prozent auf 13,6 Millionen.

Was also antworten, wenn Kinder sich teure Geschenke zu Weihnachten wünschen, aber nicht einmal genügend Geld für den Festtagsbraten vorhanden ist?

An der „Santa Claus School“ im US-Bundesstaat Michigan wird seit dreißig Jahren die Antwort auf diese Frage trainiert. Thomas Valent (62) bildet dort angehende Weihnachtsmänner aus. Laut eigenen Angaben betreibt er die größe Weihnachtsmannschule der Welt. Bartträger lernen dort sich wie ein Weihnachtsmann zu verhalten. „Die oberste Regel lautet: Niemals irgendetwas versprechen“, sagt Valent und verrät seine Taktik, wenn Kinder teure Geschenken fordern: „Ich sage immer: 'Ich bringe Dir etwas ganz besonderes.' Meistens freuen sich die Kinder dann darauf und sie erleben keine Enttäuschung, wenn ihr Wunsch nicht in Erfüllung geht.“

Psychologin Svenja Lüthge rät: „Eltern sollten offen mit ihren Kindern darüber reden. Auf keinen Fall die Erwartungen bis Heiligabend schüren.“ Die Kielerin weiß: „Es wird nicht die einzige Enttäuschung im Leben des Kindes sein. Kinder sind stärker, als wir glauben.“

Die Weihnachtsmänner bei Macy's kennen bestimmt auch die Antwort auf die Frage. Der Nachrichtenagentur dpa allerdings dürfen sie diese nicht verraten. Die Geschäftsführung lässt schriftlich verkünden: „Macy's hat den einzig wahren Weihnachtsmann, daher müssen wir ihm auch keine Anweisungen geben.“

Jasmine aus dem New Yorker Stadtteil Bronx wird Heiligabend kein iPad bekommen. Eine Enttäuschung, die Jasmine wohl mit einer Vielzahl von US-Kindern teilt. Ihre Eltern schenken ihr etwas ganz anderes: Ein Weihnachtsfest im Kreis der Familie. Eine am Montag veröffentlichte Studie des Nationalen Zentrums für obdachlose Familien ergab: In den USA gelten 1,6 Millionen Kinder als obdachlos.

Weihnachten zu Hause - ein Geschenk, das Jasmine jetzt noch nicht zu würdigen weiß.

dpa

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