Papst lockert absolutes Verbot von Kondomen

Rom - Papst Benedikt XVI. hat das Verbot von Kondomen etwas gelockert. In einem neuen Buch schreibt das Kirchenoberhaupt, in manchen Fällen könne die Benutzung von Präservativen gerechtfertigt sein.

Das geht  aus Auszügen hervor, die eine Vatikanzeitung am Samstag veröffentlichte. Als Beispiel für akzeptable Ausnahmefälle führt Benedikt männliche Prostituierte an, die die Ausbreitung von HIV verhindern wollten.

Die Verwendung von Kondomen sei natürlich keine wirklich und moralische Lösung, sagte der Papst. Doch ihr Gebrauch durch Prostituierte sei "ein erster Schritt zu einer Moralisierung" und könne helfen ein Bewusstsein zu entwickeln, "dass nicht alles gestattet ist und man nicht alles tun kann, was man will."

Auch an anderen Stellen im Buch betont Benedict die bisherige ablehnende Haltung der Kirche zu Verhütung und Abtreibung. So stellte er die Frage, wie viele Kinder getötet worden seien, die eines Tages vielleicht Genies geworden wären oder ein neuer Mozart. Der einzig sicher Weg eine HIV-Infektion zu vermeiden sei Abstinenz und eheliche Treue.

Die Aussagen des Papstes sind Bestandteil des neuen Interview-Buchs des deutschen Journalisten Peter Seewald. Das Werk wird kommende Woche unter dem Titel "Licht der Welt: Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit" erscheinen.

Reaktionen durchweg positiv

UNAIDS-Direktor Michel Sidibe sprach von einem “bedeutenden und positiven Schritt des Vatikans“. Der Papst erkenne damit an, dass ein verantwortungsvolles Sexualverhalten und der Gebrauch von Kondomen eine wichtige Rolle bei der Aids-Prävention spielten.

Ein UNAIDS-Sprecher erklärte in Genf, 80 Prozent aller HIV-Infektionen gingen auf ungeschützten Geschlechtsverkehr zurück, jedoch nur vier Prozent auf gleichgeschlechtlichen Sex zwischen Männern. Es gebe keine verlässlichen Statistiken darüber, wie viele Ansteckungen verhindert werden könnten, wenn alle männlichen Prostituierten Kondome verwenden würden. Dennoch sei auch diese vom Papst genannte Ausnahme vom Kondom-Verbot ein Schritt in die richtige Richtung, sagte Sprecher Mahesh Mahalingam: “Wir begrüßen dies als Ausgangspunkt für Diskussionen.“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, sagte am Sonntag der Nachrichtenagentur dapd in Rom: “Wenn es eine Öffnung ist zum Kondomgebrauch, kann ich das nur begrüßen.“ Allerdings kenne er den Text noch nicht. Den Gebrauch von Kondomen zu verbieten, habe er noch nie für richtig gehalten, schon allein wegen der Aids-Problematik, betonte Schneider.

Der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, Johannes Friedrich, sagte, er wäre “froh“, wenn sich jetzt die Meinung durchgesetzt hätte, dass die Verwendung von Kondomen zur Vorbeugung von Aids in bestimmten Fällen angebracht ist. “Weil das Menschen das Leben retten könnte“, argumentierte Friedrich.

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sagte auf dapd-Anfrage, die Verlautbarung des Papstes sei von vielen Menschen freudig aufgenommen worden. Sie hoffe auf weitere Verlautbarungen dieser Art, “das ist positiv für alle Menschen dieser Welt“.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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