Eurovision Song Contest: Musiker protestieren

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Mit einem alternativen Konzert zum Eurovision Song Contest wollte die Menschenrechtsinitiative "Sing For Democracy" am Sonntagabend in Baku versuchen, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf Demokratiedefizite in Aserbaidschan zu richten.

Baku - Rentenkürzungen, Zwangsenteignungen und willkürliche Verhaftungen - gegen diese Menschenrechtsverletzungen haben Musiker in Aserbaidschan protestiert. Der deutsche Hip-Hopper Thaomas D spricht sich jedoch gegen eine zwanghafte Politisierung des Eurovision Song Contest aus.

Am Rande des Eurovision Song Contest (ESC) in Baku haben junge aserbaidschanische Musiker mit einem Konzert gegen Menschenrechtsverstöße und staatliche Willkür protestiert.

Bei dem Konzert des Bürgerrechtsprojekts “Sing for Democracy“ (Singen für Demokratie) traten am Sonntagabend mehrere Bands in dem Lokal Marshalls im Stadtzentrum auf. Unter den einigen Dutzend Gästen war auch der deutsche Botschafter Herbert Quelle.

Baku: Eurovision Song Contest Hauptstadt 2012

Baku: Eurovision Song Contest Hauptstadt 2012 

Rasul Jafarow (r.), Koordinator der Kampagne "Sing for Democracy" und Emin Huseynow, Direktor des Institute for Reporters Freedom and Safety (IRFS), stehen am Sonntag in einem Club in Baku auf der Buehne.

Ungeachtet des ESC gebe es weiter Festnahmen von Regierungskritikern, sagte die prominente Bürgerrechtlerin Lejla Junus am Rande des Konzerts.

“Ich habe bisher gedacht, dass der Druck sich nach dem ESC verschärft, aber unsere Machthaber verhalten sich so feindlich gegen die Gesellschaft, dass die Repressionen nun ständig laufen“, sagte die Leiterin des Instituts für Frieden und Demokratie (Institute for Peace and Democracy). So seien etwa zwei Organisatoren von “Sing for Democracy“ von der Universität ausgeschlossen worden.

“Der ESC ist für die Mehrheit der Bürger in Aserbaidschan kein Glück“, sagte Junus. Sie warf dem autoritären Präsidenten Ilcham Alijew Methoden eines “mafiösen Clans“ vor.

Senioren seien die Renten gekürzt worden mit der Begründung, es werde mehr Geld für den Eurovision gebraucht, sagte Junus. Dutzende Menschen seien unter Polizeigewalt zwangsenteignet worden, um Platz für Neubauten für den ESC zu schaffen. Und Schuldirektoren würden als Staatsbedienstete etwa gezwungen, Tickets für die ESC-Show in der neuen Crystal Hall zu kaufen, um den Absatz anzukurbeln.

Zu diesen Protesten äußerte sich auch der deutsche Hip-Hopper Thomas D. Er begleitet den Sänger Roman Lob (21), der beim ESC-Finale an diesem Samstag (26. Mai) mit der Ballade “Standing Still“ auf Startnummer 20 von 26 antritt.

In Baku sagte Thomas D über die Proteste, dass das Streben nach Demokratie nach rund 70-jähriger kommunistischer Herrschaft Zeit brauche und weiter gehen müsse. Die Südkaukasusrepublik erlangte erst nach dem Zerfall der Sowjetunion vor gut 20 Jahren ihre Unabhängigkeit. “Es gibt hier Religionsfreiheit und Gleichberechtigung für Frauen“, sagte Thomas D angesichts der Menschenrechtsprobleme in Aserbaidschans Nachbarland Iran.

“Musik verbindet uns alle. Die Verbindung von Musik und dem Wunsch nach Freiheit und dem Bestreben, die Freiheit voranzubringen, ist eine sehr gute Kombination“, sagte der Musiker. “Wenn man aber anfängt, Musik politisch zu instrumentalisieren, da hört dann der Spaß bei mir ein bisschen auf.“

dpa

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