Prozess um Tod von Anna wird neu aufgerollt

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Die Angeklagte Petra W. betritt im Landgericht in Bonn vor Beginn ihres Prozesses den Gerichtssaal.

Bonn - Der Prozess gegen die Pflegeeltern der gewaltsam getöteten neunjährigen Anna wird neu aufgerollt. Die 52-Jährige Pflegemutter muss nun auch mit einer Verurteilung wegen Totschlags rechnen.

Auf Antrag des Verteidigers der 52-jährigen Pflegemutter, die sich mit ihrem 51 Jahre alten Ehemann ursprünglich wegen Misshandlungen in 55 Fällen und Körperverletzung mit Todesfolge verantworten musste, beschloss das Bonner Schwurgericht am Montagnachmittag, das Verfahren auszusetzen. Zuvor gab das Gericht den rechtlichen Hinweis, dass die 52-Jährige auch mit einer Verurteilung wegen Totschlags rechnen müsse. Gemäß der Strafprozessordnung wird das Verfahren nun von vorne beginnen, damit sich die Verteidigung auf die neue rechtliche Situation einstellen kann.

In seinem Antrag hatte der Verteidiger erklärt, dass die 52-Jährige die “neu hinzu getretenen Umstände“ bestreite, sie habe das bewusstlose Kind mindestens drei Minuten unter Wasser gedrückt. In einer neuen Hauptverhandlung werde er den Beweis erbringen, dass die Pflegemutter “keine Tötungsabsicht“ hatte.

Die 52-Jährige, die seit Prozessbeginn Ende Januar zu den Vorwürfen schweigt, hatte gegenüber einem psychiatrischen Gutachter den Tod der Pflegetochter in der Badewanne als Unfall geschildert. Eine Notärztin und der rechtsmedizinische Gutachter gaben in dem Prozess jedoch an, keine “unfalltypischen“ Verletzungen des Mädchens entdeckt zu haben.

Neuer Prozess soll Anfang Mai beginnen

Die Staatsanwaltschaft will in dem am 2. Mai 2011 neu beginnenden Verfahren beantragen, dass auch ein Mord durch die Pflegeeltern in Frage komme. Das Gericht hatte den Antrag auf einen dem entsprechenden Hinweis am Montag zurückgewiesen. Aufgrund der bisherigen Beweislage sei von einer “Überforderungssituation“ der Pflegeeltern auszugehen. Diese bezeichnete Oberstaatsanwalt Robin Faßbender nach der Aussetzung des Verfahrens jedoch als “von den Pflegeeltern vorgeschoben“.

Anna war im Juli 2008 vom Jugendamt der Stadt Königswinter bei den Pflegeeltern in Bad Honnef bei Bonn untergebracht worden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Kind dort seit spätestens August 2009 auf das Übelste misshandelt wurde. Der 51-jährige Pflegevater hatte zu Prozessbeginn viele der den Pflegeeltern vorgeworfenen Taten gestanden und das Untertauchen des Mädchens in der Badewanne seiner Ehefrau zur Last gelegt.

dapd

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