Prozess um Geiselnahme bei H&M

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Der Angeklagte im Prozess um die Geiselnahme in einer Leipziger H&M-Filiale will unerkannt bleiben.

Leipzig - Er bedroht 19 Menschen in einer H & M-Filiale. Sein Ziel: Öffentlichkeit für angeblichen Ärztepfusch. Die Geiselnahme endet glimpflich. Verhandelt wird nun unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Für eine Geiselnahme in einer H & M-Filiale in Leipzig muss sich seit Dienstag ein 41-Jähriger vor Gericht verantworten - unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Vorsitzende Richter am Landgericht Leipzig, Berthold Pfuhl, begründete dies damit, dass in der Verhandlung schutzwürdige Interessen des Angeklagten zur Sprache kämen. Dem Mann wird zudem unerlaubter Waffenbesitz vorgeworfen. Der nun Angeklagte hatte am 15. Juni 19 Kunden und Angestellte der Modekette in seine Gewalt gebracht und stundenlang bedroht. Er wollte auf angeblichen Ärztepfusch aufmerksam machen und forderte ein Gespräch mit den Medien.

Als ihm die Polizei ein Telefonat ermöglicht hatte, gab er nach dreieinhalb Stunden auf. Verletzt wurde niemand. Laut Anklage versetzte der Geiselnehmer seine Opfer mit seiner halbautomatischen Waffe in Angst und Schrecken. “Runter, runter oder ich schieße“, habe er gebrüllt. Dass die Pistole geladen ist, habe er immer wieder betont. Er ist wegen eines Waffendeliktes vorbestraft. Ein vorläufiges Gutachten legt allerdings nahe, dass der Mann zum Tatzeitpunkt nicht schuldfähig gewesen sein könnte. Ihm droht die Einweisung in die Psychiatrie. Sein Anwalt Stefan Lorenz will einen Freispruch erreichen.

Sein Mandant habe unter einer “wahnhaften Psychose“ gelitten, die jetzt abgeklungen sei, erklärte er. Der Mann leide an schweren körperlichen Erkrankungen und sei immer wieder im Krankenhaus gewesen. Dabei sei er Ärzten begegnet, “welche in barscher und für ihn als demütigend empfundener Weise ihre ärztliche beziehungsweise pflegerische Tätigkeit ausübten.“ Deshalb habe er sich in die Psychose hineingesteigert. Das Urteil soll voraussichtlich am 6. Januar 2011 gesprochen werden. Dazu soll die Öffentlichkeit dann wieder zugelassen werden.

dpa

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