Teure Geste

Rentner zeigt Corona-Gegnern Mittelfinger und wird zu 250 Euro Strafe verdonnert

Ein Mann hebt seine Hand in die Luft und zeigt den Mittelfinger.
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Es ist eine einfache Geste, die für viel Ärger sorgen kann: der gestreckte Mittelfinger.

Es ist eine einfache Geste, die einem Stuttgarter nun zum Verhängnis wird: Er zeigte Corona-Gegnern den erhobenen Mittelfinger und muss dafür ein hohes Bußgeld zahlen.

Stuttgart - Die Querdenken-Demo in Stuttgart* (*BW24 berichtete) am Karsamstag ist einigen Menschen nach wie vor im Gedächtnis geblieben. Schon alleine, weil sich die Teilnehmer des Aufmarschs nicht an die Hygiene- und Abstandsregeln gehalten hatten und die Demo deswegen im Nachhinein zu einem Superspreading-Event* werden könnte. Viele der Teilnehmer wurden aufgrund des Verstoßes gegen die Masken- und Abstandspflicht von der Polizei Stuttgart* belangt und müssen Strafe zahlen. Bei solchen Veranstaltungen trifft die Hand des Gesetztes jedoch nicht nur die Corona-Gegner.

Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, war ein Rentner aus Stuttgart bei einer Querdenker-Demonstration am 20. Dezember vergangenen Jahres dabei. Jedoch verfolgte er nicht die Absicht, wie die meisten der Teilnehmer, gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg* und dem Rest von Deutschland zu protestieren. Er war eher zufällig vor Ort: Mit seinem Fahrrad war der 71-Jährige am Eckensee, dem künstlich angelegten See im oberen Schlossgarten der Landeshauptstadt Stuttgart*, unterwegs, als er auf die Demonstranten traf. Viele der Maskenverweigerer machten sich zu genau diesem Zeitpunkt für den Marsch bereit, als er sich dazu entschied, seinem Missfallen Ausdruck zu verleihen.

Mittelfinger gegen Corona-Gegner: Rentner stellte sich der Demonstration in Stuttgart in den Weg

In der Anzeige gegen den Rentner heißt es, er habe im Vorbeifahren „willkürlich der Versammlungsmenge den Mittelfinger“ gezeigt, schreibt die Stuttgarter Zeitung. Die Menge zeigte sich unbeeindruckt von der Geste. Weil sich der Rentner danach der Menge jedoch in den Weg gestellt haben soll, habe man ihm die Rote Karte gezeigt: Platzverweis für die gesamte Marschroute des Corona-Lindwurms, die auch am Polizeirevier in der Rotebühlstraße vorbeiführte. Dort sahen Beamte den Rentner 46 Minuten später „auffällig langsam“ und mit „dauerhaft auf die Versammlung gerichtetem“ Blick vorbeiradeln. Seine Ausrede, er habe einen Termin in der Nähe gehabt und könne nichts dafür, „dass diese Idioten auf meinem Heimweg entlanglaufen“ waren umsonst: Er erhielt einen Bußgeldbescheid in Höhe von 250 Euro plus 28,50 Euro Gebühren.

Streng genommen muss der Rentner das Bußgeld also nicht für den ausgestreckten Mittelfinger bezahlen, sondern, „weil er an einem Ort angetroffen wurde, obwohl er von der Polizei von diesem verwiesen wurde“. Der Polizei Stuttgart wäre er jedoch nicht aufgefallen, wenn er den Querdenkern zuvor nicht den Finger gezeigt hätte.

Erhobener Mittelfinger: Es hätte auch eine Freiheitsstrafe für den Rentner geben können

Hätte sich ein Teilnehmer der Querdenken-Demonstration in Stuttgart von Rentner Joachim Schlegel beleidigt gefühlt, wäre es für den Radfahrer noch teurer geworden: Dann wäre nicht nur eine hohe Geldstrafe möglich gewesen, es hätte sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr für den 71-Jährigen geben können. Auch wenn es nicht so weit gekommen ist, Schlegel hat gegen das Bußgeld in Höhe von 250 Euro Einspruch eingelegt. Ob er damit Erfolg hat, wird sich zeigen. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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