„Bitte, bitte schickt uns Hilfe“

Verzweifelte Hilferufe nach Taifun Haiyan

Manila - Taifun „Haiyan“ ist nach dem verheerenden Zerstörungszug über die Philippinen am Montag mit heftigem Wind und Dauerregen über die Küste Nordvietnams hereingebrochen.

Drei Tage nach dem verheerenden Taifun „Haiyan“ wächst die Verzweiflung unter den Überlebenden. Der Flughafen der zerstörten Stadt Tacloban wird nach Angaben von Augenzeugen von hunderten Menschen belagert, die dringend auf Trinkwasser und Nahrungsmittel hofften. Die ersten Flüge brachten Mediziner, die am Flughafen notdürftig eine Krankenstation einrichteten. Tausende Tonnen Hilfsgüter sind unterwegs, aber die Verteilung ist schwierig, weil in den Straßen meterhoch Schutt liegt.

Millionen Menschen sind betroffen, Hunderttausende brauchen Hilfe. Wie viele umgekommen sind, war weiter unklar. Mehr als 10 000, schätzte ein Polizeichef, aber die Regierung wollte sich auf solche Spekulationen nicht einlassen. „Wir wollen niemand alarmieren, der nach Verwandten sucht“, sagte Präsiden Benigno Aquino. „Unsere Priorität sind die Lebenden.“ Anwohner sprachen von unvorstellbarem Verwesungsgeruch in den Straßen. Die Lokalbehörden bereiteten Massengräber vor.

Hilferufe im Radio

„Wir haben nichts, hier kommt nichts an“, sagte Gilda Mainao am Montag aus Tacloban im Rundfunk. „Bitte, bitte schickt uns Hilfe.“ Reporter des Senders ANC erreichten inzwischen mit Mopeds erstmals den Ort Guiuan weiter östlich, wo der Taifun am Freitagmorgen über die Küste hereinbrach. Dort lebten vorher 50 000 Menschen.

Die Reporter zeigen Bilder unglaublicher Verwüstung: Der Rest eines Kirchturms ragt in die Luft. Tonnenschwere Gesteinsbrocken sind meterweit verstreut. Viele Häuser und Hütten sind zerstört. Noch kein Helfer hat den Ort erreicht. Panik scheint es nicht zu geben - vielmehr laufen die Menschen wie betäubt durch die Straßen. Einige suchen in den Trümmern, die kilometerlang die Küste bedecken, nach Brauchbarem.

Spur der Verwüstung nach Taifun Haiyan

Spur der Verwüstung nach Taifun Haiyan

Taifun „Haiyan“ verursachte meterhohe Sturmfluten. Die Wassermassen spülten Frachtschiffe hunderte Meter weit ins Land und rissen alles fort, was im Weg stand. Die Bilder erinnern an die Verwüstung nach dem Tsunami 2004 in Indonesien.

Nachdem schon am Sonntag in Tacloban mit einst 220 000 Einwohnern Chaos ausbrach und Geschäfte geplündert wurden, schickte die Polizei Verstärkung. Der Präsident erwäge den Ausnahmezustand und eine Ausgangssperre zu verhängen, berichteten Lokalmedien. „Die Leute sagen, die Situation zwingt die Menschen zu Verzweiflungstaten“, sagte Polizeisprecher Reuben Sindac im Fernsehen. „Wir haben Verständnis, aber wir können keine Anarchie akzeptieren.“

Im Hafen von Tacloban kam nach Angaben des Roten Kreuzes am Sonntagabend ein Versorgungsschiff mit 140 Tonnen Hilfsgütern an. Aus Frankfurt wurden am Sonntag 25 Tonnen Hilfsgüter nach Manila geflogen, darunter Decken, Zelte und Medizintechnik der Hilfsorganisationen World Vision und I.S.A.R Germany. Auch Experten des Technischen Hilfswerks THW waren auf dem Weg.

Taifun Haiyan wütet über den Philippinen

Taifun "Haiyan" wütet über den Philippinen

Am Montag traf der Taifun in Vietnam auf die Küste. Er hatte sich allerdings deutlich abgeschwächt. Dennoch wurden in der Provinz nördlich von Hanoi Bäume entwurzelt, teilte die Wetterbehörde mit. Auch die bei Touristen populäre Ha Long-Bucht war betroffen, aber es kam niemand zu Schaden, wie die Tourismusbehörde versicherte.

In der südchinesischen Provinz Hainan starben mindestens drei Menschen, als heftiger Sturm und sintflutartige Regenfälle am Montag auf die östlich von Nordvietnam gelegene Inselprovinz niedergingen, wie das Büro für Zivile Angelegenheiten der Region mitteilte.

Spendenkonten

Indes spendete Papst Franziskus 150.000 US-Dollar (112.000 Euro) für die Katastrophenhilfe nach dem Taifun „Haiyan“.

Wenn auch Sie helfen wollen: Hier finden Sie einen Überblick aller Spendenkonten für die Taifun-Opfer.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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