Tausende Hochwasser-Opfer dürfen nach Hause

Stendal - Noch steht das Wasser vielerorts, doch im Landkreis Stendal können viele Menschen wieder in ihre Heimatorte zurück. Wegen der Hochwassergefahr werden mancherorts Umsiedlungen erwogen.

Das Ausmaß der Hochwasser-Katastrophe wird Wochen nach deren Beginn immer deutlicher: Im besonders schwer betroffenen Elbe-Havel-Winkel in Sachsen-Anhalt hat der Kreis Stendal viele Evakuierungen aufgehoben. Das Wasser sinkt. Tausende Bewohner dürfen seit Donnerstag in ihre Häuser zurück - und beginnen nun mit dem Aufräumen. In Brandenburg beschädigten heftige Unwetter die Elbdeiche an zwei Stellen, was jedoch laut Behörden keine neue Gefahr ist. In Sachsen erwägt der Oberbürgermeister von Grimma, Menschen zum Schutz vor weiteren Fluten umzusiedeln. Auch Thüringen will sein Hochwasserschutzsystem verbessern.

In Sachsen-Anhalt betonten die Behörden trotz aufgehobener Evakuierungen, viele Zufahrtsstraßen seien noch überschwemmt, zudem sei noch nicht überall die Abwasser- und Stromversorgung wieder intakt. Während des Elbe-Hochwassers waren im Kreis Stendal 8400 Menschen aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen.

Weiter südlich entspannt sich die Hochwasserlage entlang der Elbe weiter. Das Pretziener Wehr wurde wieder geschlossen. Die Hochwasserschutzanlage war am 3. Juni geöffnet worden, um Magdeburg und weitere Orte zu schützen. Das Wehr sorgt dafür, dass ein Drittel des Elbewassers in einem 21 Kilometer langen Kanal umgeleitet wird.

In Thüringen soll als Konsequenz aus den Fluten, die 18 der 23 Landkreise und kreisfreien Städte trafen, das Hochwasserschutzsystem verbessert werden. Das erklärten Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) und Vertreter der fünf Fraktionen bei einer Debatte im Landtag. Das Hochwasser hat nach Einschätzung von Lieberknecht Schäden im dreistelligen Millionenbereich hinterlassen. Eine komplette Schadensbilanz soll am 10. Juli vorliegen.

Der Oberbürgermeister des sächsischen Grimma, Matthias Berger (parteilos), erwägt Umsiedlungen aus der Muldeaue, um dem Fluss mehr Raum zu geben. Man wolle Vorreiter für einen neuen Hochwasserschutz werden, sagte Berger der „Leipziger Volkszeitung“. „Wir sind in einer Situation, in der es keine Denkverbote geben darf.“

In Niedersachsen dürfte das Elbe-Hochwasser Biber und Bodenbrüter schwer getroffen haben. „Wir müssen davon ausgehen, dass ein Großteil des diesjährigen Bibernachwuchses nicht überlebt hat“, sagte Johannes Prüter, Leiter des Biosphärenreservates Niedersächsische Elbtalaue. Bei den Vögeln gelte das gleiche für die Bodenbrüter.

Am Rande der Karlsruher Flussgebietstage sagte Peter Heininger von der Bundesanstalt für Gewässerkunde, eine Flut wie jetzt an der Elbe hole giftige Altlasten - vor allem Schwermetalle - aus den Tiefen des Flussbettes, die sich dort in Jahrzehnten abgesetzt haben. Diese Fracht werde flussabwärts getragen und bedrohe Weideland und die Meeresumwelt. An der Elbe und ihren Zuflüssen sei das Problem besonders ausgeprägt: Als Gründe nannte der Chemiker die Bergbautradition im Erzgebirge sowie Industriebrachen und schlechte oder fehlende Kläranlagen zu DDR-Zeiten. Die Altlasten-Beseitigung wäre teuer, dennoch müsse das Problem auf der Tagesordnung bleiben.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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