Terrorprozess: "Ja, ich war bei Al-Kaida"

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Der Islamist Rami M. war ein Jahr Mitglied bei Al-Kaida.

Frankfurt - Der Islamist Rami M. war ein Jahr Mitglied bei Al-Kaida. Das gestand er am Donnerstag vor Gericht. Da ihm die pakistanischen Berge zu anstrengend gewesen seien, habe er sich zurück nach Deutschland gesehnt.

Mit einem Geständnis hat am Donnerstag in Frankfurt der Prozess gegen den Islamisten Rami M. begonnen, der als Mitglied des Terrornetzwerkes Al-Kaida angeklagt ist. Der 25 Jahre alte Deutsch-Syrer berichtete dem Oberlandesgericht ausführlich von seiner militärischen Ausbildung in einem Terrorcamp und von Kämpfen mit der pakistanischen Armee. Im März 2009 sei er nach Pakistan gereist und gut ein Jahr bei der Organisation geblieben. Der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel kündigte an, dass sich das Geständnis von Rami M. strafmildernd auswirken werde.

Mit maximal fünf Jahren Haft könne der Angeklagte rechnen. Die Haft nach seiner Festnahme in Pakistan könne möglicherweise - neben der deutschen Untersuchungshaft - auf die Strafe angerechnet werden. In Pakistan wurde Rami M. nach eigener Darstellung in einem Bergcamp von Al-Kaida militärisch und ideologisch ausgebildet. “Es gab auch Schießübungen“, sagte der aus Frankfurt stammende Deutsch-Syrer. Ende 2009 sei es dann zu Kämpfen mit der pakistanischen Armee gekommen. Er selbst habe sich nicht direkt an den Gefechten beteiligt. “Wir waren nur auf Aussichtsposten.“ Er sei jedoch mit der Führung zunehmend unzufrieden gewesen. “Ich durfte nicht in Deutschland bei meiner Familie anrufen“, beklagte er sich über die Vorschriften vor Ort.

Seit Anfang 2010 habe er daher über eine Rückreise nach Deutschland nachgedacht. Ausführlich schilderte der Sohn einer Deutschen und eines Syrers zunächst, wie er sich für den Islam zu interessieren begann. Polizisten hätten ihn in Frankfurt belästigt, weil er einen Koran bei sich hatte. Außerdem hätten sie über seine Mutter gelacht. “Dadurch habe ich mich von der Gesellschaft losgesagt“, sagte er. Über das Internet habe er noch in Deutschland Videos des inzwischen getöteten Terroristenführers Osama bin Laden gesehen und regelmäßig die Moschee besucht. Später habe er sich entschlossen Deutschland zu verlassen, “um in einem islamischen Land zu leben“.

Unklar blieben am Donnerstag die Gründe für die geplante Rückkehr von Rami M. nach Deutschland. Laut Anklage war der Islamist auf eigene Initiative von einem hochrangigen Al-Kaida-Mitglied Anfang Juni 2010 von weiteren Kampfeinsätzen freigestellt worden. Rami M. sollte in Deutschland für ein europäisches Netzwerk der terroristischen Vereinigung arbeiten. Es sei Aufgabe von Rami M. gewesen, Spenden einzutreiben und Kontaktstelle zu sein. Der 25-Jährige bestätigte, dass er sich für das Spendensammeln in Deutschland gemeldet habe. Das habe er jedoch nur getan, um wieder nach Deutschland zu Frau und Tochter zurückkehren zu können. Die Zeit in Pakistan sei sehr anstrengend gewesen. “Ich komme aus Frankfurt. Ich bin ein Stadtmensch.“ Er habe sich deutschen Behörden stellen wollen.

Doch beim Bundeskriminalamt habe man ihm nicht geholfen. Pakistanische Sicherheitsbehörden nahmen ihn im Juli 2010 fest. Er hatte sich zuvor in Islamabad mit der deutschen Botschaft in Verbindung gesetzt, um Formalitäten für seine Rückreise nach Deutschland zu erledigen. Am 25. August wurde der Angeklagte nach Deutschland überstellt und am Frankfurter Flughafen festgenommen. Seit August 2009 saß er in Untersuchungshaft. Nach seiner Festnahme soll Rami M. Kronzeuge für die deutschen Ermittler gewesen sein. Seine Angaben über geplante Anschläge hätten unter anderem dazu geführt, dass der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) im vergangenen November die Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland drastisch verschärft hatte. Der Minister hatte dies mit der erhöhten Gefahr von Terroranschlägen auf Ziele in Deutschland begründet.

dpa

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