Cover des "Titanic"-Magazins

Papst-Titelbild löst Beschwerdewelle aus

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Das Papst-Titelbild des Satiremagazins "Titanic" hat eine Bescherdewelle ausgelöst.

Berlin - Die meisten Beschwerden beim Deutschen Presserat haben in diesem Jahr das „Titanic“-Titelbild mit einer befleckten Papst-Soutane und die „Bild“-Kolumne über die Homo-Ehe hervorgerufen.

Nächste Woche befassen sich die Beschwerdeausschüsse des Presserats damit, wie dieser am Dienstag auf seiner Jahrespressekonferenz in Berlin mitteilte. Die Gesamtzahl der Beschwerden steigt tendenziell seit Jahren. 2011 waren es 1.323, und 2012 sind es bislang 1.118, erwartet wird eine leichte Zunahme. Drei aktuelle Eingaben von Lesern betreffen die Berichterstattung über Bettina Wulff, die Ehefrau des früheren Bundespräsidenten.

Gegen das Papst-Bild der Frankfurter Satirezeitschrift „Titanic“ gingen 182 Beschwerden ein. Sie sollen am nächsten Dienstag behandelt werden. Die 2010 eingereichten rund 200 Beschwerden gegen ein Titelbild der „Titanic“ mit einem in Schritthöhe vor Jesus am Kreuz knieenden katholischen Geistlichen - ein Kommentar zu den Missbrauchsfällen - waren allesamt als unbegründet zurückgewiesen worden.

70 Leser protestierten 2012 gegen den Kommentar des „Bild“-Autors Franz Josef Wagner, in dem es hieß, Homosexuelle bekämen „biologisch“ keine Kinder und seien früher in Deutschland zu Gefängnis verurteilt worden.

Zunehmend erhält das Selbstkontrollgremium der Presse auch Beschwerden wegen der Veröffentlichung von Privatfotos aus Netzwerken wie Facebook. Die Sprecherin des Presserats, Ursula Ernst, betonte, Journalisten dürften die sozialen Netzwerke nicht als Selbstbedienungsladen missbrauchen. Eine nicht öffentliche Rüge erhielt eine Tageszeitung, die ein bei Facebook heruntergeladenes Foto eines tödlich verunglückten Autofahrers gedruckt hatte. Dagegen beanstandeten die Pressewächter nicht, dass ein Blatt aus dem Facebook-Eintrag der Schwester eines Kellners der havarierten „Costa Concordia“ berichtete. In diesem Fall überwog demnach das öffentliche Interesse.

Die Presse recherchiert und nutzt Beiträge in sozialen Netzwerken deutlich stärker als früher, wie der Presserats-Geschäftsführer Lutz Tillmanns sagte. Eine Erweiterung der Verhaltensgrundsätze im Pressekodex hält er aber nicht für erforderlich.

Eigene Opferschutz-Richtlinie soll in den Pressekodex

Allerdings soll die Ziffer 8 im Pressekodex „konkretisiert“ werden, wie Ernst erklärte. Diese betrifft die Persönlichkeitsrechte. Künftig soll eine eigene Opferschutz-Richtlinie aufgenommen werden.

2011 betrafen 155 Beschwerden die Persönlichkeitsrechte. Sie sind damit der zweithäufigste Grund für Eingaben. Am häufigsten mit 279 Beschwerden ging es um die Sorgfaltspflicht der Presse. 2011 sprach der Presserat 13 öffentliche Rügen aus, sieben nicht öffentliche sowie 65 Missbilligungen. Als unbegründet abgewiesen wurden 209 Eingaben.

Die Gesamtzahl der Beschwerden an den Presserat ging im Vergleich zu 2010 um 338 zurück, aber das Rekordjahr 2010 mit 1.661 Fällen ist ein Ausreißer wegen Massenbeschwerden zum Loveparade-Unglüc und zu „Titanic“. 2011 gab es nur einen solchen Aufreger: Rund 50 Leser kritisierten Bildberichte zum Tod des libyschen Diktators Gaddafi.

„Nur“ 17 Beschwerden betrafen laut Ernst Berichte über die rechtsextreme Zwickauer Terrorzelle. Mit diesem Thema sei die Presse sehr verantwortlich umgegangen, hieß es. Weder die Bezeichnung „Döner-Morde“ noch der Abdruck privater Fotos der Täter wurde beanstandet. Tillmanns erklärte, es spreche auch nichts gegen die Zitierung kurzer Sequenzen des „Islam-Videos“, das derzeit für Unruhen sorgt.

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dpa/dapd

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