Todesfahrt in der Altstadt

Tote und Verletzte in Münster: Was wir wissen - und was nicht

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Menschen stehen vor einem der Lokale am Kiepenkerl, kurz nachdem ein Fahrzeug in das Straßencafe gefahren war.

In Münster ist ein Kleintransporter in eine Menschenansammlung gerast. Der Fahrer tötete dabei zwei Menschen und anschließend sich selbst. Es gab zahlreiche Verletzte.

Münster - Über die aktuellen Entwicklungen halten wir Sie in unserem News-Ticker auf dem Laufenden.

WAS WIR WISSEN

DIE OPFER: Die Polizei identifizierte die beiden Todesopfer. Es handelt sich um eine 51-jährige Frau aus dem Kreis Lüneburg und einen 65-jährigen Mann aus dem Kreis Borken. Es gab rund 20 Verletzte und Schwerverletzte. Zuvor hatte das Bundesinnenministerium von insgesamt vier Toten gesprochen. Einige der Verletzten mussten in der Nacht notoperiert werden und schweben noch in Lebensgefahr.

DER TATORT: Die Opfer sitzen den ersten Erkenntnissen zufolge vor einer historischen Gaststätte beim „Kiepenkerl“ in der Altstadt, als das Auto in die Gruppe fährt. Der „Kiepenkerl“ ist ein Standbild eines reisenden Händlers aus dem Münsterland im Herzen der historischen Innenstadt von Münster. Er ist ein Wahrzeichen der gut 300 000 Einwohner zählenden Stadt. Die beiden Restaurants „Großer Kiepenkerl“ und „Kleiner Kiepenkerl“ sind bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen beliebt.

DER TÄTER: Der mutmaßliche Täter von Münster war der Polizei bereits wegen kleinerer Delikte bekannt. Es habe drei Verfahren in Münster gegeben und eines in Arnsberg, sagte die Leitende Oberstaatsanwältin von Münster, Elke Adomeit, am Sonntag. Die Verfahren stammten demnach aus den Jahren 2015 und 2016 und seien alle eingestellt worden. Es ging damals um eine Bedrohung, Sachbeschädigung, eine Verkehrsunfallflucht und Betrug. Man müsse den Sachverhalt der Verfahren noch aufklären. „Aber auf den ersten Blick haben wir hier keine Anhaltspunkte auf eine stärkere kriminelle Intensität, die wir bei dem Täter feststellen konnten“, sagte Adomeit. Es gebe weiterhin keine Hinweise auf einen politisch motivierten Hintergrund oder weitere Täter. Alle Infos zum Täter finden Sie hier.

HERKUNFT: Nach den bisherigen Erkenntnissen stammte der Mann aus dem Sauerland und war Deutscher. Er soll 48 Jahre alt gewesen sein und schon länger in Münster gewohnt haben. Der Mann hatte laut Polizei vier Wohnungen - zwei in Ostdeutschland und zwei in Münster.

HINTERGRUND: Schon am Samstag hieß es, dass die Tat nach ersten Erkenntnissen keinen terroristischen oder islamistischen Hintergrund habe. Ermittler und Politiker bekräftigten das am Sonntag.

PSYCHE: Nach dpa-Informationen war der Täter womöglich psychisch labil. Die Ermittler gehen davon aus, „dass die Motive und Ursachen in dem Täter selber liegen“. Was genau sie damit meinen, sagten sie zunächst nicht.

WAFFEN: Der Fahrer des Autos hat sich nach Angaben der Ermittler nach der Tat noch in seinem Wagen selbst erschossen. In dem Campingbus fanden Polizisten später diese Waffe, eine Schreckschusswaffe und rund ein Dutzend Feuerwerkskörper. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Amokfahrers fand die Polizei eine nicht brauchbare Maschinenpistole vom Typ AK47, wie es hieß.

WAS WIR NICHT WISSEN

WEITERE VERDÄCHTIGE: Die Polizei sucht nach der Amokfahrt von Münster nicht nach weiteren Tätern. Es gebe keine Hinweise, dass noch weitere Verdächtige an dem Verbrechen beteiligt waren - man gehe von der Tat eines Einzeltäters aus, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag. Die Polizei war zunächst Zeugenaussagen nachgegangen, wonach noch zwei Menschen aus dem Auto gesprungen und geflüchtet sein sollten.

DAS MOTIV: Die wohl meistgestellte Frage ist auch am Sonntag noch: Was trieb den Täter an? Die Ermittler sagen zunächst nur, dass die Tag nach ersten Erkenntnissen keinen politischen Hintergrund hatte. „Wir haben seit gestern Nachmittag in der ganzen Nacht die Wohnungen des Täters durchsucht“, sagte Polizeipräsident von Münster, Hajo Kuhlisch. „Die erste, doch schon etwas intensivere Durchsicht hat keinerlei Hinweise auf einen politischen Hintergrund ergeben.“

dpa

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