Urteil: Viereinhalb Jahre für "Feuerteufel" von Sylt

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Der als "Feuerteufel von Sylt" bekannt gewordene Angeklagte (Archivfoto)

Flensburg - Am Ende machte das Landgericht Flensburg kurzen Prozess: Nur eine knappe Viertelstunde brauchte es am Donnerstag, um das Urteil gegen den sogenannten Feuerteufel von Sylt zu verkünden und zu begründen.

Dabei ging es um eine Brandserie ganz besonderen Ausmaßes, wie auch der Staatsanwalt im Verlauf des Prozesses mehrfach betont hatte. Eine Brandserie, wie sie Sylt, die Insel der Reichen und Schönen, so wohl noch nicht erlebt hatte - bis zum August 2010, als es in zehn Tagen 17 Mal brannte. Vier Jahre und sechs Monate Gesamtfreiheitsstrafe verhängte das Gericht für den 46-jährigen Westerländer. Außerdem ordnete es die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an.

Mit dem Strafmaß lag das Gericht genau zwischen den Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung, die fünf beziehungsweise vier Jahre Freiheitsstrafe beantragt hatten. Beide hatten auch für die psychiatrische Unterbringung plädiert. Das Gericht sagte in seiner Urteilsbegründung, auch der 46-Jährige sei mit einer weiteren Unterbringung einverstanden. Er befindet sich bereits in einer entsprechenden Einrichtung.

Positiv wertete das Gericht die relative Unbescholtenheit des Mannes und sein umfassendes Geständnis. Er habe in der nichtöffentlichen Anhörung ausgesagt und sich auch gegenüber dem Sachverständigen kooperativ gezeigt. Negativ schlug dagegen der entstandene hohe Sachschaden zu Buche - allein an der “Akademie am Meer“ (Klappholttal) in Höhe von mindestens einer Million Euro - sowie die notwendig gewordenen Evakuierungen, bei denen insgesamt mehrere hundert Menschen aus brennenden Gebäuden in Sicherheit gebracht werden mussten. Auch Verletzte hatte es gegeben. Ein Zeuge hatte vor Gericht geschildert, wie er nachts in einem brennenden Bett erwachte und sich bei Löschversuchen Brandverletzungen zweiten Grades und eine Rauchgasvergiftung zuzog.

“In welchen Maß hat er sich schuldig gemacht?“, sei in Bezug auf den Brandstifter die zu klärende Frage gewesen, so das Gericht. Immerhin hatte der Sachverständige dem 46-Jährigen eine “erhebliche multiple Persönlichkeitsstörung“ attestiert, die zu einer verminderten Schuldfähigkeit führte. Zudem habe der Mann unter langwierigen depressiven Störungen gelitten.

Auch im Sommer 2010 befand er sich demnach in einer depressiven Verfassung - “am unteren Ende einer Spirale“ hatte es die Verteidigerin in ihrem Plädoyer genannt. Der Westerländer, so das Gericht, habe geglaubt, ohne eigenes Zutun in eine schwierige Lebenssituation geraten zu sein, was zu “Ohnmachtsempfindungen und aggressiven Regungen“ geführt habe. Die Wechselwirkung von Persönlichkeitsstörungen und Alkoholmissbrauch hätte dann den Ausschlag gegeben. “Für die Allgemeinheit gefährlich“ sei der Mann, hatte der Sachverständige festgestellt.

Nun soll erst einmal die bereits begonnene Therapie helfen. Die Störungen seien laut Sachverständigem behandlungsfähig, hatte die Verteidigerin gesagt. Der Mann selbst gab dieser Hoffnung vergangenen Donnerstag in seinem Schlusswort Ausdruck: “Ich hoffe, dass alles wieder gut wird.“

dpa

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