Umstrittener Vorschlag der US-Waffenlobby

NRA will bewaffnete Cops in jeder Schule

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"NRA, an euren Händen klebt Blut" steht auf einem Plakat, das eine Demonstrantin während der Pressekonferenz der US-Waffenlobby hochhält

New York - Die mächtige US-Waffenlobby (NRA) hat sich eine Woche nach dem verheerenden Amoklauf von Newtown dafür ausgesprochen, bewaffnete Polizisten an jeder amerikanischen Schule zu postieren.

Auf diese Weise könne man Killer aufhalten. „Das Einzige, das einen bösen Typen mit einer Waffe stoppt, ist ein guter Typ mit einer Waffe“, erklärte NRA-Geschäftsführer Wayne LaPierre am Freitag bei einer Pressekonferenz in Washington.

LaPierre wandte sich bei seinem Presseauftritt gegen strengere Gesetze zum Erwerb von Schusswaffen in den USA. Solche Gesetze würden nichts bringen. Doch Waffen an Schulen dürften nicht länger ein Tabu sein. Das Weiße Haus, Sportstadien und öffentliche Gebäude würden mit Waffen geschützt. „Doch unsere geliebten, unschuldigen und verletzbaren Kinder... lassen wir jeden Tag furchtbar schutzlos.“ Die NRA, die nach eigenen Angaben vier Millionen Mitglieder zählt, gilt als einer der mächtigsten Lobbys in den USA.

"Medien, Filme und Videospiele für Gewalt verantwortlich"

Waffenlobbyist LaPierre rief zu einem nationalen Programm zum Schutz der Kinder an Schulen auf. Die NRA sei bereit, dabei etwa mit Trainingsprogrammen zu helfen. Doch die Medien würden die NRA hassen und ihre Ziele verunglimpfen, klagte LaPierre, und machte Medien, Videospiele, Filme und Musikvideos für die Gewalt in der Gesellschaft verantwortlich. „In einer Abwärtsspirale wetteifern Konzerne darum, zu schockieren und jeden Standard der zivilisierten Gesellschaft zu verletzen“, sagte der NRA-Chef. Manche hätten versucht, politisches Kapital aus dem Massaker zu schlagen. Deshalb habe die NRA zunächst „respektvoll geschwiegen“.

„Die NRA tötet unsere Kinder“

Zugleich kam es bei dem Presseauftritt, wo Journalisten keine Fragen stellen durften, zu einem Zwischenfall. Ein Mann hielt ein Spruchband mit den Worten „Die NRA tötet unsere Kinder“ vor den Sprecher. Andere Demonstranten riefen: „Die NRA hat Blut an den Händen... Stoppt jetzt den Verkauf von Sturmgewehren.“

Der 20-jährige Amokläufer Adam Lanza hatte vor eine Woche eine solche Waffe benutzt, mit der man ohne Nachladen innerhalb kürzester Zeit Hunderte Schüsse abgeben kann. Obama fordert das Verbot solcher Waffen. Er tritt für entschlossenes Handeln im Kampf für schärfere Waffengesetze ein. Der große Bundesstaat Ohio lockerte unterdessen seine Vorschriften zum Tragen von Schusswaffen. Zugleich gedachten Amerikaner im ganzen Land der Toten. Auch Präsident Barack Obama hielt im Weißen Haus eine Schweigeminute.

dapd/dpa

Trauerfeier für Opfer in Newtown

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