Es geht um die EU

Wort des Jahres steht fest

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Das Wort des Jahres 2012 ist "Rettungsroutine"

Wiesbaden - Das Wort des Jahres 2012 steht fest. Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) gab es am Freitag in Wiesbaden bekannt.

„Rettungsroutine“ ist zum Wort des Jahres 2012 gekürt worden. Der Begriff habe die öffentliche Diskussion dieses Jahres am meisten geprägt, gab die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Freitag in Wiesbaden bekannt. „Rettungsroutine“ spiegele nicht nur das seit Jahren aktuelle Thema der instabilen europäischen Wirtschaftslage wider, sondern beschreibe die zahlreichen und wiederkehrenden Maßnahmen, die bisher zur Stabilisierung unternommen wurden, begründete der Vorsitzende der Gesellschaft, Armin Burkhardt.

Sprachlich interessant sei die Widersprüchlichkeit des Begriffs: Während Rettung im eigentlichen Sinne etwas Akutes sei, beinhalte Routine eine auf Dauer angelegte Entwicklung, erläuterte Burkhardt. Insgesamt bringe das Wort die Doppeldeutigkeit der Euro-Rettung und der Finanzkrise zum Ausdruck. Im vergangenen Jahr hatte sich „Stresstest“ durchgesetzt. „Ich glaube, wir haben einen würdigen Nachfolger gefunden“, war sich Burkhardt sicher. Auf den zweiten Platz kam „Kanzlerpräsidentin“, gefolgt von „Bildungsabwendungsprämie“.

Ähnlich doppeldeutig wie „Rettungsroutine“ sei auch „Kanzlerpräsidentin“, sagte Burkhardt. Die Gesellschaft für deutsche Sprache ist der Meinung, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lege ab und an die neutralen und zurückhaltenden Eigenschaften eines Bundespräsidenten an den Tag. Dabei seien Kanzler und Präsident zwei gleichwertige Wortbestandteile. Entweder sei Merkel „beides oder keins von beiden so richtig“, sagte Burkhardt. Der Begriff „Bildungsabwendungsprämie“ dagegen habe die Gemüter der Parteien erhitzt. Laut GfdS ist dies ein „gelungener Kampfbegriff“ der Gegner des Betreuungsgeldes.

„Schlecker-Frauen“ verpassen Sprung auf Treppchen

Den Sprung auf das Podest verpassten die „Schlecker-Frauen“ nur knapp. „Dem Mut der Schlecker-Frauen soll sprachlich auf Platz vier ein Denkmal gesetzt werden“ betonte Burkhardt. Auf Platz fünf wurde das Verb „wulffen“ gewählt. Es stehe nicht nur für wütende Anrufe und illegitime Vorteilnahme, sondern zeige, dass mit der Wahrheit oftmals nur scheibchenweise herausgerückt werde, sagte Burkhardt.

Ebenfalls unter die Top Ten ist „Netzhetze“, das für Internetattacken wie Shitstorm stehe, gefolgt von „Gottesteilchen“ auf Platz sieben. Das sogenannte Higgs-Teilchen wurde erstmals nachgewiesen. In Anlehnung an die Proteste der Punkband Pussy Riot gegen die russische Regierung kam „Punk-Gebet“ auf Platz acht. „Verflucht scheint das Projekt des Berliner Flughafens Willy Brandt zu sein“, meinte Burkhardt. Daher habe die GfdS ihm das Wort „Fluch-Hafen“ gewidmet. Auf Platz zehn landete die Phrase „ziemlich beste“, die nach dem Erfolg der französischen Komödie „Ziemlich beste Freunde“ aufgekommen sei.

Ausgewählt wurden die Wörter des Jahres aus 2.200 Belegen, berichtete Burkhardt. Acht Jurymitglieder bestimmten die Top Ten, die den öffentlichen Diskurs 2012 im Wesentlichen prägten. Die seit 1971 gekürten Wörter des Jahres stehen für wichtige Themen und sind laut der Gesellschaft für deutsche Sprache charakteristisch für das jeweilige Jahr. 2012 wurden sie zum 37. Mal bekannt gegeben.

Die Wörter der vergangenen 10 Jahre

2012: Rettungsroutine

2011: Stresstest

2010: Wutbürger

2009: Abwrackprämie

2008: Finanzkrise

2007: Klimakatastrophe

2006: Fanmeile

2005: Bundeskanzlerin

2004: Hartz IV

2003: das alte Europa

2002: Teuro

dapd/dpa

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