EU-Parlament muss noch zustimmen

Sie soll den Bankern auf die Finger sehen

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Danièle Nouy

Brüssel - Jetzt ist es amtlich: Die 63 Jahre alte Französin Danièle Nouy wurde von der Europäischen Zentralbank (EZB) für den Chefposten der neuen europäischen Bankenaufsicht benannt.

Bereits am kommenden Mittwoch soll sie nach Angaben der EZB im Europaparlament dem zuständigen Wirtschaftsausschuss Rede und Antwort stehen. Denn um ihr Amt wie geplant im Januar antreten zu können, benötigt die Französin die Zustimmung des Europaparlaments.

Die Anhörung vor dem Ausschuss scheint allerdings vor allem eine Formsache - denn an der Fachkompetenz der Bankerin zweifelt in der EU kaum jemand. Die mit einem Versicherungsmakler verheiratete Mutter zweier erwachsender Töchter kann eine beeindruckende Karriere vorweisen. Den größten Teil davon verbrachte sie bei der französischen Notenbank Banque de France, wo sie seit 2007 die Abteilung für Banken- und Versicherungsaufsicht leitet. Doch auch im internationalen Finanzgeschäft kennt Nouy sich aus: 1985 wurde sie für ein Jahr als Vertreterin der Banque de France bei der US-Notenbank FED nach New York gesandt, von 1998 bis 2003 war sie Generalsekretärin des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, von 2006 bis 2008 vertrat sie Frankreich im Europäischen Bankenausschuss der EU.

Zudem kann die 63-Jährige mit der Rückendeckung des Parlaments rechnen, weil sie noch einen anderen Trumpf in der Hand hat - sie ist eine Frau. Vor einem Jahr hatte das Straßburger Parlament, allen voran die britische Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses Sharon Bowles, dagegen protestiert, dass im sechsköpfigen Direktorium der EZB keine einzige Frau sitzt. Vorübergehend blockierten die Abgeordneten sogar die Ernennung des Luxemburgers Yves Mersch in das Gremium. Mit der Nominierung der Französin dürfte die EZB auch auf diese Kritik reagiert haben.

Bei der neuen Bankenaufsicht, die bei der EZB in Frankfurt angesiedelt wird, wartet auf Nouy viel Arbeit. Es geht darum, zunächst die 130 größten Banken in der Eurozone zu kontrollieren. Andere könnten hinzukommen, denn auch die EU-Staaten ohne Einheitswährung können sich dem Kontrollmechanismus anschließen. Einsatzbereit soll die Bankenaufsicht im November 2014 sein.

Bis dahin will die EZB rund Tausend neue Mitarbeiter rekrutieren. Geplant ist auch eine Bestandsaufnahme der betroffenen Banken, die zudem Stresstests unterzogen werden sollen. Deren Resultate werden im Oktober kommenden Jahres erwartet. Eine Mammutaufgabe, für die Nouy Insidern zufolge bestens gewappnet ist. Ihre europäischen Kollegen beschreiben die blonde Französin, die nur selten lächelt, nicht nur als überzeugte Europäerin, sondern auch als charakterstark, streng, anspruchsvoll und wenig nachgiebig.

"Die Banker kuschen vor ihr, und das ist in diesen Zeiten eher positiv", zitierte die Pariser Zeitung "Le Monde" im Januar einen europäischen Finanzexperten. "Sie ist überzeugt von der Notwendigkeit, die Banken zu regulieren - jeder hat Angst vor ihr", vertraute ein französischer Insider der gleichen Zeitung an. Andere berichteten voller Respekt, Nouy habe bereits lange vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers vor den Gefahren "exotischer" Anlageprodukte gewarnt.

Die in der Bretagne geborene Französin hat in Paris Politikwissenschaft und Jura studiert. 1974 bekam sie ihre erste Anstellung bei der Banque de France. Das Gespür für Finanzen wurde Nouy sozusagen in die Wiege gelegt - auch ihr Vater hatte bei der Pariser Notenbank gearbeitet.

afp

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