„Ein Paukenschlag“

Neue Vorwürfe gegen VW: Abgasskandal weitet sich aus - weitere Autos womöglich manipuliert

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Neue Vorwürfe gegen VW: Der Konzern könnte noch mehr Kunden getäuscht haben.

Der Abgasskandal bei VW könnte sich ausweiten. Laut einem internen Bericht sind auch neuere Diesel-6-Motoren mit einer Schummelsoftware ausgestattet.

Wolfsburg - Der Abgasskandal rund um Volkswagen (VW) scheint in die nächste Runde zu gehen. Nach internen Dokumenten, die dem SWR vorliegen, soll das Unternehmen auch bei Diesel-Motoren mit Euro-6-Abgasnorm eine Schummelsoftware eingebaut haben. Dieselbe Software stand während des Dieselskandals bereits groß in den Schlagzeilen - denn sie erkennt, ob ein Fahrzeug sich gerade einem Abgastest stellen muss und den Ausstoß infolgedessen anpasst. Der Konzern dementiert, doch laut Experten scheint die Sachlage klar.

Abgasskandal: Neuere VW-Modelle betroffen?

„Nutzung und Erkennung des […] NEFZ, um die Umschaltung der Rohemissionsbedatung streckengesteuert auszulösen.“ Dieser für Laien kryptisch anmutende Satz steht in den internen Dokumenten, die dem SWR vorliegen. Dahinter verbirgt sich laut Axel Friedrich, der den ersten Diesel-Skandal aufgeklärt hat und den Bundestag bei der Aufklärung unterstützte, genau die Abschalteinrichtung die beim vorhergehenden Abgasskandal im Mittelpunkt stand.

„Das Fahrzeug erkennt, ob es auf einem Prüfstand steht - nur dann wird ausreichend AdBlue eingespritzt. Dagegen wird im normalen Fahrbetrieb auf der Straße viel weniger AdBlue verwendet“, erklärt Friedrich laut SWR. In den internen Unterlagen aus dem Jahr 2015 wird diese Zykluserkennung beschrieben - wenn das Fahrzeug auf dem Prüfstand steht wird mehr Harnstoff eingespritzt, das eine Abgasreinigung zur Folge hat. Wegen genau dieser Software ermittelt die EU-Kommission gegen VW, Daimler und BMW. Laut dem aktuellen Stand scheinen sich die Konzerne in Sachen Abgasreinigung abgesprochen zu haben.

Unzählige Verfahren laufen gerade gegen VW und andere Konzerne. „Diese Dokumente sind ein Paukenschlag und sie heben den Skandal auf ein ganz neues Level. Es bedeutet für uns, dass Volkswagen auch beim Nachfolgemodell die Kunden getäuscht hat“, erklärt der Jurist Andreas Baier. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnten sich die Chancen für klagende Kunden gegen VW verbessern.

Abgasskandal: Nachfolge-Motor mit Diesel-6-Norm manipuliert

Mittelpunkt des ersten Diesel-Skandals war der Motor EA 189, nun scheint auch der Nachfolgemotor EA 288 betroffen zu sein. Dieser wird seit 2012 verbaut und fand seinen Weg in über hunderttausende Diesel-Fahrzeuge des Konzerns. So sind nicht nur vielzählige VWs betroffen, sondern gegebenenfalls auch Fahrzeuge von Audi, Skoda und Seat. 

Während das Kraftfahrtbundesamt und das Verkehrsministerium nach aktuellem Stand noch kein Statement abgegeben haben, streitet VW die Vorwürfe ab. „Fahrzeuge mit dem Dieselmotor EA288, nach dem heute gültigen Abgasstandard EU6 in EU 28, enthalten keine Zykluserkennung“, heißt es in einem Statement des Konzerns. Das widerspricht laut SWR allerdings den internen Dokumenten, die von einer solchen Software sprechen. Damit könnte der Konzern noch weit mehr Kunden getäuscht haben, als bisher angenommen.

Bei Angela Merkels Besuch der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) wurde nicht über den Dieselskandal gesprochen, dafür gab es aber eine Aktion von von Greenpeace.

Video: Vollelektrisch aus der Krise? VW präsentiert Kleinwagen ID.3

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