Anbieterwechsel: Qualität wichtiger als ein paar Euro

Angebote locken fast an jeder Ecke: Mit großen Plakaten, bunten Anzeigen und gelegentlich auch an der Haustür werben Telefon- und Internetanbieter mit ständig neuen Angeboten.

Seit der Öffnung des Marktes haben sich zahlreiche Unternehmen etabliert, die sich einen scharfen Wettbewerb liefern. Der Kunde könnte profitieren, doch die Tarife sind schwer zu überschauen und der Teufel steckt oft im technischen Detail. Einige Antworten auf die wichtigsten Fragen beim Anbieterwechsel:

Auf was sollten wechselwillige Kunden grundsätzlich achten?

Am Anfang der Suche sollten sich Kunden laut Karin Thomas-Martin von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg fragen: „Was will ich überhaupt?“ Wer zum Beispiel darauf angewiesen sei, dass das Telefon hundertprozentig funktioniere, solle eher auf bewährte Telefontechnik setzen. Ladenbesitzern und Senioren rät sie, „bloß nicht zu einem Anbieter zu wechseln, bei dem der Anschluss auf der Basis von Breitbandtechnik funktioniert“. Die Technik benötige oft technischen Sachverstand zur Wartung.

Welche wichtigen Aspekte werden häufig vergessen?

Viele Kunden lassen sich nach Angaben der Verbraucherschützerin stark vom Preis beeinflussen, achten aber nicht so sehr auf Qualität und Verfügbarkeit der Hotline. Auch die Kündigungsfrist und Gebühren für Auslandsgespräche seien wichtig. So könnten zum Beispiel nur Kunden der Telekom die günstigen Tarife von Call-by-Call-Anbietern nutzen. Wichtig sei zudem die Vertragslaufzeit, die meist 24 Monate betrage. Selbst ein Umzug sei per se kein Grund für eine Sonderkündigung. Thomas-Martin empfiehlt deshalb zum Beispiel Studenten Verträge mit kürzerer Laufzeit.

Wie wichtig ist der Preis?

Die Verbraucherschützerin rät, eher auf ein paar Euro Ersparnis zu verzichten, als ein Angebot mit Abstrichen bei Qualität und Service zu wählen.

Was ist bei der Internet-Geschwindigkeit zu beachten?

Wer die an seinem Wohnort verfügbare Bandbreite auf der Homepage des Anbieters abfragt, sollte laut Thomas-Martin vorsichtig sein. Die Angaben seien oft unzuverlässig. Verbindlich sei nur, was in der Auftragsbestätigung stehe.

Was ist bei Sprachtelefonie zu beachten?

Wenn das Telefon nicht über eine klassische Verbindung funktioniert, sondern das Gespräch in Datenpakete zerlegt und über das Internet übertragen wird, sollten Anbieter auf eine ausreichende Qualität achten. Wenn es in der Leitung rauscht oder hallt, liegt das häufig an einer zu langsamen Datenverbindung. „Das sollte immer reklamiert werden“, sagt die Expertin.

Was sollten Kunden tun, wenn sie sich für einen Anbieterwechsel entschieden haben?

Damit bei der Mitnahme der Rufnummer alles klappt, sollten Verbraucher dem neuen Anbieter eine Vollmacht erteilen, die Nummer vom alten Anbieter zu übertragen. Geschieht das nicht, ist eine nachträgliche Portierung möglich; sie ist aber deutlich schwieriger. Wichtig ist es auch, dass der Inhaber des alten Anschlusses den Auftrag zur Übertragung gibt. Andernfalls kann es zu Problemen kommen, etwa wenn Paare zusammenziehen.

Wie viel Zeit sollten Kunden vor Ablauf der Kündigungsfrist einplanen?  

Der neue Anbieter sollte mindestens einen Monat vorher informiert werden, rät Thomas-Martin. „Wenn der sich aus irgendwelchen Gründen Zeit lässt, kann die Kündigungsfrist beim alten Anbieter schon abgelaufen sein.“

Sonderkündigung bei lahmem DSL

Ist die Geschwindigkeit der Internetverbindung geringer als vom Anbieter versprochen, können Kunden auf ein Sonderkündigungsrecht pochen. Ein Internetkunde aus Bayern hatte eine Sonderkündigung verlangt, weil an seinem Ort nicht die vereinbarte DSL-Geschwindigkeit verfügbar war. Weil der Provider dies ablehnte, zog der Kunde vor Gericht. Die Richter gaben dem Kläger recht. Zwar sei in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen festgelegt, dass der Kunde nur ein Recht auf die am jeweiligen Ort verfügbare Bandbreite habe. Doch dies sei eine erhebliche Pflichtverletzung, weshalb der Kunde nicht an einem auf 24 Monate angelegten Vertrag festhalten müsse. „Ob sich andere Amtsgerichte dieser richtigen Sichtweise anschließen werden, ist noch unklar, wäre aber durchaus begrüßenswert“, sagt Verbraucherschützer Boris Wita. Urteile zur DSL-Geschwindigkeit seien wegen des geringen Streitwerts nicht berufungsfähig. Deshalb gebe es keine Entscheidung einer höheren Instanz mit Präzedenzwirkung. Der Experte rät allen Kunden, die wegen der Geschwindigkeit vorzeitig kündigen wollen, sich auf das Urteil zu beziehen.

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