Verspätungen noch und nöcher

Rekord bei Beschwerden über die Bahn

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Schaulustige begutachten im Hauptbahnhof in Stuttgart einen verspäteten Zug aus Paris.

Berlin - Die Zahl der Beschwerden über die Bahn hat 2013 um 50 Prozent zugenommen. Das meldet die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr. Die Bahn hat dafür mehrere Ausreden.

Nie zuvor haben sich so viele Menschen über das Bahnfahren beschwert wie im zu Ende gehenden Jahr. Bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) beklagten sich gut 50 Prozent mehr Fahrgäste mehr als im vergangenen Jahr, wie die "Süddeutsche Zeitung" am Montag berichtete. Bahn-Vorstand Ulrich Homburg machte Unwetter, Hochwasser und auch Kabelklau verantwortlich für die vielen Ausfälle und Verspätungen.

Bis zum 20. Dezember gingen 3257 Schlichtungsanträge von Bahnreisenden bei der SÖP ein, berichtete die Zeitung. Im vergangenen Jahr waren es 2112 Beschwerden. In knapp der Hälfte der Fälle hätten Kunden sich darüber geärgert, dass ein Zug verspätet oder sogar komplett ausgefallen war. In rund jedem dritten Beschwerdefall habe es Probleme mit dem Ticket gegeben. Jede vierte Beschwerde betraf den Service, etwa weil der Erste-Klasse-Wagen fehlte oder weil es an Hilfe für Menschen mit Gehbehinderung mangelte.

Auch die Bahn selbst verzeichnet eine starke Steigerung der Klagen

In mehr als acht von zehn Fällen habe die Schlichtungsstelle eine einvernehmliche Lösung erarbeiten können, sagte SÖP-Geschäftsführer Heinz Klewe der Zeitung. Die privatrechtlich organisierte SÖP schlichtet bundesweit außergerichtlich Streitigkeiten zwischen Reisenden und Bahn-, Bus-, Luftfahrt- und Schiffsunternehmen sowie U- und S-Bahn-Betreibern. An sie können Bahn-Reisende sich wenden, die sich vorher schon vergeblich um eine Einigung mit dem Unternehmen bemüht haben.

Auch die Bahn selbst verzeichnet eine starke Steigerung der Klagen: Nach Angaben eines Sprechers wird der Konzern 2013 voraussichtlich 1,25 Millionen Beschwerden bearbeiten; im vergangenen Jahr waren es 900.000 gewesen. Knapp 90 Prozent der Fälle würden aber im Sinne des Kunden entschieden, betonte der Sprecher.

Bahnjahr war geprägt von Unwettern und anderen Katastrophen

Bahn-Vorstand Homburg, zuständig für Personenverkehr, erklärte in Berlin, es sei kein Wunder, dass die Beschwerden der Kunden 2013 zugenommen hätten: "Das Bahnjahr war geprägt von vielen heftigen Unwettern, von hochwasserbedingten Streckensperrungen über fünf Monate, von unpassierbaren Strecken im Ruhrgebiet aufgrund nicht gesicherter alter Bergwerksstollen und durch die notorischen kriminellen Eingriffe in den Bahnverkehr wie Kabelklau."

Mit der Pünktlichkeitsentwicklung 2013 sei die Bahn nicht zufrieden. "Der erfreuliche Aufwärtstrend der letzten Jahre fand keine Fortsetzung, und das wurmt uns." Die Bahn werde 2014 ihre "auch bislang schon großen Anstrengungen" fortsetzen, den Bahnverkehr noch zuverlässiger zu machen. Ziel im Fernverkehr ist demnach ein Pünktlichkeitswert von über 80 Prozent und im gesamten Personenverkehr von über 93 Prozent. Pünktlich heißt bei der Bahn, dass ein Zug weniger als fünf Minuten Verspätung hat.

2012 waren laut Unternehmen 94,6 Prozent aller Personenzüge pünktlich und 79,1 Prozent der Fernzüge. Die Bahn veröffentlicht seit September 2011 im Internet die jeweiligen Monatswerte zur Pünktlichkeit im Personenverkehr.

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AFP

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