BP beruhigt Investoren: Krise wird gelöst

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BP kündigt Lösung der Krise im Golf von Mexiko bis August an.

London/Washington - Der britische Ölkonzern BP ist bemüht, die Menschen am Golf von Mexiko und seine Investoren zu beruhigen. Es kann aber noch einige Zeit dauern, bis der Ölmulti die Lage im Griff hat.

Die sprudelnde Ölquelle werde bis spätestens August definitiv unter Kontrolle gebracht. Das Unternehmen sei außerdem stark genug, um durch die Krise nicht finanziell zu kollabieren, sagte BP-Chef Tony Hayward am Freitag in einer Telefonkonferenz mit Investoren.

Wahrscheinlich am Sonntagnachmittag werde klar sein, ob das derzeitige Verfahren zum Ableiten des Öls erfolgreich sei. Sollte das der Fall sein, werde man Anfang Juli ein längerfristiges System installieren, sagte Hayward.

Am Freitag konnte BP einen Teilerfolg im Kampf gegen die Ölpest vor der US-Küste verbuchen. Ingenieuren des Konzerns gelang es in einem erneuten Anlauf, einen Behälter auf das Leck in 1500 Meter Tiefe zu setzen. Allerdings strömte zunächst weiterhin Öl ins Meer, lediglich ein kleiner Teil konnte kontrolliert zu einem Schiff abgeleitet werden. BP zeigte sich dennoch vorsichtig optimistisch, dass die Operation “Top Cap“ (Kappe) die schlimmste Ölpest in der US- Geschichte zumindest eindämmen kann.

BP hatte die Telefonkonferenz mit den Investoren eilig angesetzt, nachdem der Druck auf den Konzern zunehmend stärker wurde: Die US- Regierung wird immer ungehaltener, die Angst vor einer gerichtlichen Untersuchung geht um, gleichzeitig ziehen sich die Investoren besorgt zurück. Der Konzern hat seit der Explosion auf der Ölplattform “Deepwater Horizon“ am 20. April mit elf Toten deutlich an Wert verloren. Die BP-Aktie brach von ihrem damaligen Kurs von 655,40 Pence um ein Drittel auf rund 449 Pence ein.

Die Talfahrt der Aktie beschleunigte sich in dieser Woche, nachdem die “Top Kill“ genannte Aktion zum Stopfen der sprudelnden Ölquelle am vergangenen Wochenende gescheitert war. Die US-Ratingagenturen Fitch und Moody's haben bereits die Kreditwürdigkeit des Unternehmens herabgestuft. Beide Agenturen halten eine weitere Rückstufung angesichts drohender Milliardenkosten für möglich. Durch die Herabstufung wird es für BP schwieriger und teurer, sich Geld zu leihen. Der Ölmulti ist eines der weltweit profitabelsten Unternehmen. Er machte in den vergangenen Jahren Milliardengewinne.

Im ersten Quartal 2010 steigerte BP seinen Überschuss um 138 Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar (rund 4,6 Mrd Euro). “Die finanziellen Konsequenzen dieses Ereignisses werden zweifellos sehr ernst sein, aber BP ist ein starkes Unternehmen und hat schon viele Stürme durchschifft“, sagte Hayward. Allerdings gab Hayward zu, dass die geplanten Öl-Fördermengen, die im März bekanntgegeben worden waren, eventuell zurückgefahren werden müssten. Genaue Zahlen könne er zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht nennen.

Bisher habe der Kampf gegen das Öl BP rund eine Milliarde Dollar gekostet. Wie sich die Kosten auf die Dividende der Anleger auswirken, könne ebenfalls noch nicht beziffert werden. Mehr Details sollen BP zufolge am 27. Juli bei der Vorstellung der Bilanz für das 2. Quartal feststehen. Dann wird auch die Höhe der nächsten Dividenden bekanntgegeben. Außerdem soll am 22. Juni eine Ausschüttung stattfinden. Wie viel BP für den Schaden letztlich zahlen muss, weiß derzeit niemand genau. Analysten der Schweizer Bank Credit Suisse rechnen mit Gesamtkosten von bis zu 37 Milliarden Dollar. So viel Gewinn machte der Konzern insgesamt in den vergangenen beiden Jahren.

US-Präsident Barack Obama reiste derweil erneut in das Krisengebiet. Die US-Regierung schickte BP eine erste Rechnung über 69 Millionen Dollar (rund 57 Millionen Euro) für die Reinigung der mit Öl verschmutzen Strände. In der Fernseh-Talkshow “Larry King“ sagte Obama: “Ich bin über diese ganze Situation wütend. Hier hat jemand die Konsequenzen seines Handels nicht zu Ende gedacht.“

Hayward kündigte eine Neuausrichtung der Öl-Förderindustrie an. Die Kosten der Förderung in tiefen Gewässern würden infolge stärkerer Sicherungsmaßnahmen steigen. Dabei werde die Förderung aber profitabel bleiben. “Der Bedarf für Öl auf der Welt wächst weiter. Die Welt braucht die Förderung aus tieferen Regionen“, unterstrich Hayward. Spekulationen, er könne sich nicht mehr lange auf dem Chefsessel halten, trat er entgegen. Er werde so lange da sein, bis die Krise gelöst sei.

dpa

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