EU besorgt über Ölpreisanstieg wegen Libyen-Krise

Brüssel - Die blutigen Unruhen in Libyen haben am Donnerstag die Preise für Öl, Gold und Silber in die Höhe getrieben. Die EU-Kommission zeigte sich besorgt über die steigenden Ölpreise.

Deutsche Getreidehändler stellten sich auf massive Beeinträchtigungen des Handels mit Weizen ein. Unterdessen zogen weitere deutsche Unternehmen ihre Mitarbeiter aus dem Land ab.

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Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent stieg in der Spitze auf 119,79 Dollar, so hoch wie seit Ende August 2008 nicht mehr. Am Donnerstagmittag fiel er auf 114,52 Dollar, das waren noch 3,27 Dollar mehr als am Vortag. Ein Barrel der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) kostete im Mittagshandel 100,51 Dollar, 2,41 Dollar mehr als am Vortag. “Es gibt keinen Zweifel: Steigende Energiepreise beeinflussen die Inflation negativ“, sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel. “Wir beobachten das sehr genau.“

Öl-Händler befürchteten, nicht nur Produktionsausfälle in Libyen, sondern auch ein Übergreifen der Unruhen aus dem ölreichen nordafrikanischen Land auf andere Öl-Förderstaaten. Der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz warnte vor möglichen negativen Auswirkungen der steigenden Ölpreise auf die Konjunktur. “Ein steigender Rohölpreis bedeutet einen Kaufkraftentzug und Gewinnreduktionen“, sagte der Chef des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Handelsblatt Online. “Inwieweit der konjunkturelle Aufschwung behindert wird, hängt davon ab, wie hoch die Preissteigerungen sind, inwieweit sie permanent sind und wie sich der Wechselkurs des Euros im Vergleich zum Dollar entwickelt. “

Nach Angaben von Händlern liegt die aktuelle Ausfallquote in dem nordafrikanischen Land bei 400 000 Barrel pro Tag, was einem Viertel der libyschen Ölproduktion entspreche. Im schlimmsten Fall könne der Produktionsausfall auf bis zu eine Million Barrel am Tag steigen. Auch der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) stieg den dritten Tag in Folge deutlich. Die Sorgen der Händler schließen auch Saudi-Arabien ein, den wichtigsten Ölproduzenten im Nahen Osten. Wegen der für den 11. März im Königreich Saudi-Arabien angekündigten Proteste dürften die Ölpreise zunächst noch weiter anziehen, schrieb die Commerzbank in einer Studie.

Eine Feinunze (31,1 Gramm) Gold kostete in der Spitze 1 415,47 Dollar. Das waren 3,95 Dollar mehr als am Vortag. Der Silberpreis kletterte in der Spitze auf 33,74 Dollar. Damit kostet Gold soviel wie zuletzt Anfang des Jahres und Silber soviel wie zuletzt 1980. In Zeiten der Unsicherheit griffen Anleger wieder vermehrt zu Edelmetallen, hieß es in Händlerkreisen.

Die deutschen Getreidehändler rechneten mit Beeinträchtigungen des Weizenhandels, teilte die Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI) in Bonn mit. Das nordafrikanische Land sei im vergangenen halben Jahr der drittwichtigste Weizenkunde Deutschlands gewesen, sagte Martin Schraa, Bereichsleiter Pflanzenbau. Bei Gerste belege Libyen auf der deutschen Ausfuhrliste den sechsten Platz. “Im Moment ist faktisch kein Handel möglich“, sagte Schraa mit Blick auf die Unruhen im Land. “Da können Sie kein Schiff hinschicken.“

Der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen, Anton Börner, sprach sich gegen Sanktionen gegen Libyen aus. Die Nachrichtenlage sei derzeit noch viel zu unübersichtlich. “Mit blindem, unüberlegtem Aktionismus ist jedenfalls niemanden gedient, auch nicht den Demonstrierenden“, sagte Börner Handelsblatt Online. “Es besteht die Gefahr, dass man gerade diejenigen schwächt, die man stärken möchte.“ Für die Unternehmen stehe jetzt die Fürsorge und der Schutz der Mitarbeiter vor Ort im Mittelpunkt.

Weitere Unternehmen zogen ihre Mitarbeiter aus dem Land ab. So hat der Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger Berger nach Angaben vom Donnerstag die meisten seiner Mitarbeiter und deren Angehörige nach Deutschland zurückgeholt. Auch die Öl- und Gastochter des Ludwigshafener Chemiekonzerns BASF, Wintershall, erklärte, ein Großteil der internationalen Mitarbeiter und Angehörigen sei jetzt außer Landes.

dpa

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