Wegen flexibler Arbeitszeitmodellen

Gut bezahlte Ferienjobs sind weniger geworden

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Es gibt immer weniger Ferienjobs.

München - Viele Schüler und Studenten bemühen sich vergeblich um einen Ferienjob. Zeitarbeitsfirmen und flexible Arbeitszeitmodelle haben die gut bezahlten Angebote ausgedünnt.

Lukrative Ferienjobs bei großen Produktionsbetrieben sind immer schwieriger zu finden. Die bayerischen Autobauer kommen wegen flexibler Arbeitszeitmodelle in der Urlaubszeit kaum noch in Personalnot. Das Angebot ist aber auch kleiner geworden, weil Zeitarbeitsfirmen Schülern und Studenten Konkurrenz machen. Dies ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Ferienjobs sind im Internet zum Beispiel in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit (BA) zu finden. Allerdings längst nicht mehr so zahlreich wie noch vor einigen Jahren. „Durch Zeitarbeitsfirmen sind vor allem die früher begehrten Jobs in der Produktion weniger geworden“, sagte eine BA-Sprecherin. Personaldienstleister könnten in der Urlaubszeit oder bei Produktionsspitzen schneller Personal anbieten. Dieses sei dann in der Regel besser qualifiziert als Schüler.

Laut Anette Meyer-Pleus vom Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) gehört die Bereitstellung von Personal für Urlaubsvertretungen „zum Kerngeschäft der Personaldienstleister“. Regelmäßig im Sommer steige die Zahl der Zeitarbeitnehmer auf Höchststände.

Der weltgrößte Autozulieferer Bosch, der unter anderem Werke in Bamberg und Ansbach hat, setzt dagegen nach wie vor in großer Zahl auf Aushilfen in der Urlaubszeit: „Wir suchen an den deutschen Standorten auch in diesem Jahr wieder mehrere Tausend Ferienjobber“, sagte Personalsprecher Sven Kahn. Einsatzorte seien überwiegend die Fertigung sowie der fertigungsnahe Bereich. „Die Ferienjobs sind dabei weder Ersatz für Vollzeitstellen noch eine Alternative zu Zeitarbeitsverträgen.“

Beim Autobauer BMW ist die Zahl der Ferienjobber überschaubar. „Flexible Arbeitszeitmodelle haben die klassischen Werksferien abgelöst“, erklärte die Sprecherin Martina Hatzel. Die verbliebenen Ferienjobs werden bei BMW größtenteils an ehemalige Auszubildende oder Studenten vergeben, die das Unternehmen bereits kennen.

Ähnlich handhabt es Konkurrent Audi. Zwar benötigt das Unternehmen rund 900 Ferienbeschäftigte am Standort Ingolstadt. Wie Sprecherin Michaela Schnellhardt betonte, wird dieser Bedarf aber vorrangig durch Audi-Mitarbeiter in Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahme mit Wiedereinstellungszusage gedeckt.

Bessere Chancen haben Schüler und Studenten beim Wälzlagerhersteller Schaeffler. Der genaue Bedarf an den einzelnen Standorten variiere, hieß es. Für den Standort Herzogenaurach seien die Einstellungen bereits abgeschlossen. Dort standen rund 260 Ferienjob-Plätze zur Verfügung, für die es eine enorm hohe Nachfrage gegeben habe.

Besonders schnell lassen sich Ferienjobs im Gastgewerbe finden: Weil Biergärten stark wetterabhängig sind, werden vor allem dort gerne flexible Arbeitskräfte eingesetzt. Schlechte Karten haben aber Schüler, die noch nicht 18 Jahre alt sind: „In der Gastronomie wird bis nachts gearbeitet, deshalb muss man volljährig sein“, betonte Frank-Ulrich John vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga).

Diese Voraussetzung gilt ebenso bei der Deutschen Post, die in diesem Jahr in Bayern rund 300 Ferienjobber einsetzen will. „Außerdem müssen die Bewerber einen Führerschein besitzen“, sagte Post-Sprecher Erwin Nier. Denn die Aushilfen würden flexibel mit Auto oder Fahrrad eingesetzt. Sportliche Bewerber sind klar im Vorteil: Ein Bezirk, der mit dem Rad bedient wird, umfasst laut Nier eine Strecke von 10 bis 14 Kilometern. Im Schnitt wiege die zuzustellende Post 40 Kilo.

dpa

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