Börsenampeln springen wieder auf Grün - Aber Risiken

Frankfurt/Main - Es geht wieder aufwärts: Drei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben in Japan stehen nach Ansicht von Marktexperten die Börsenampeln in Deutschland wieder auf Grün.

Weil sich die Unternehmen hierzulande prächtig entwickeln und zum Beispiel gut am Geschäft mit den Schwellenländern verdienen, wird der Dax nach Meinung der meisten Marktstrategen in den kommenden Monaten weiter zulegen.

Die optimistischen Prognosen der Experten aber stehen auf wackligen Füßen: Falls sich nämlich die Lage im Atomreaktor Fukushima deutlich verschlimmern sollte und zum Beispiel der Großraum Tokio evakuiert wird, muss neu gerechnet werden. Darin sind sich die Dax-Analysten einig.

Auch ohne eine Verschärfung der Lage in Japan gehen manche Experten davon aus, dass sich die Schaukelbörse der vergangenen drei Monate erst einmal fortsetzen dürfte. Im ersten Quartal legte der Dax bei großen Ausschlägen unter dem Strich knapp zwei Prozent zu und baute damit die deutlichen Kursgewinne der Jahre 2009 und 2010 leicht aus. So rechnen zum Beispiel die Chefanalysten der öffentlichen Banken wie BayernLB, Helaba, NordLB und WestLB damit, dass es in den kommenden Monaten weiter starke Ausschläge geben wird.

In einer Aktienmarktprognose des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) gehen sie davon aus, dass die vielen Krisenherde die Märkte weiter in Atem halten werden. Neben der Atomkatastrophe in Japan und den Unruhen in der arabischen Welt mit einem in der Folge steigenden Ölpreis werden ihrer Meinung nach wohl auch die anhaltende EU-Staatsschuldenkrise und die anstehende Leitzinserhöhung in der Eurozone den Dax weiterhin kräftig schwanken lassen.

Nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami in Japan waren die Ausschläge am Markt so hoch wie seit rund einem Jahr nicht mehr, als die Schuldenkrise einiger Eurozonenstaaten an den Nerven der Investoren zehrten. Doch nach Einschätzung der DZ Bank sollten die Anleger Ruhe bewahren und auf die anhaltend positive Nachrichtenlage der Unternehmen setzen. "Die Gewinne der 30 im Leitindex enthaltenen Unternehmen dürften 2012 auf ein Rekordniveau steigen", sagte DZ-Bank-Analyst Falko Block. "Die Firmen profitieren dabei von zusätzlichen Sparmaßnahmen und von dem weiteren Anziehen der Exporte."

Die DZ Bank sieht den Dax deshalb in einem Jahr bei 7700 Punkten und damit fast zehn Prozent höher als aktuell. Sollte es so kommen, hätte sich der Leitindex seit dem Tief Anfang 2009 damit fast verdoppelt. Noch optimistischer sind die Strategen der Commerzbank, die weiterhin mit einem Endstand des Dax in diesem Jahr von 8200 Punkten rechnen. Ihr Argument: Deutsche Aktien sind derzeit günstig zu haben. Ähnlich sehen dies die Experten von Silvia Quandt Research. Sie senkten zwar wegen der vielen Krisenherde ihr Jahresziel für den DAX - rechnen aber immer noch mit einem Stand von 8600 Punkten am Jahresende.

Die VÖB-Experten sind da skeptischer. Sie trauen dem Börsenbarometer in naher Zukunft keine großen Gewinne mehr zu. So sehen sie den deutschen Leitindex in einem halben Jahr bei 7200 Punkten - das wäre immer noch ein Plus, aber ein deutlich geringeres als das von der Commerzbank, DZ Bank und Silvia Quandt Research erwartete.

Dirk Gojny, der bei der HSH Nordbank die Analyseabteilung leitet, tritt ebenfalls etwas auf die Euphoriebremse: "Die Schwellenländer werden das weltweite Wachstum weiter antreiben, und der Aufschwung in Kerneuropa erweist sich als robust." Doch auch er räumt ein, dass die Katastrophe in Japan und die Unruhen in Arabien das weltwirtschaftliche Wachstum etwas abbremsen dürften.

Von Lutz Alexander, dpa

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