EU bremst Piëchs MAN-Pläne

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Von der EU erstmal ausgebremst: Ferdinand Piëch.

München - Schon viele wollten Ferdinand Piëch stoppen. Nicht die Aktionärskritik macht den Personalplan für MAN zunichte, sondern die EU. Aber auch diese Niederlage dürfte ihn nicht von seinem Weg abbringen.

Es ist ein Dämpfer für Ferdinand Piëch. Doch die Niederlage beim Versuch, die ganze Macht im MAN-Aufsichtsrat im Handstreich zu übernehmen, dürfte das Ziel des Autopatriarchen kaum gefährden: Eine Allianz der Volkswagen-Tochter Scania mit dem Münchner Lastwagenbauer - unter dem Dach von Volkswagen. Trotzdem hatten sich die Wolfsburger die Eigentümerversammlung am Montag in München anders vorgestellt: Die Kritik der Kleinaktionäre abwettern, die das Ende ihres 253-jährigen Traditionskonzerns fürchten, und dann mit eigener Mehrheit die eigenen Vorschläge durchsetzen. Ganz nach dem Motto “Kommen, sehen und siegen“.

Nach dem VW-Übernahmeangebot im Mai wollte Piëch auf der MAN-Hauptversammlung vor allem auch die Machtübernahme im Aufsichtsrat der Münchner perfekt machen - und mit VW-Chef Martin Winterkorn, Nutzfahrzeugvorstand Jochem Heizmann und Finanzchef Hans Dieter Pötsch gleich drei VW-Vorstände in das Gremium schicken, die auch bei Scania als Aufseher arbeiten. Doch daraus wurde nichts. Es ist die EU, die den Plan mit einer schallenden Ohrfeige für die forschen Ambitionen erst einmal stoppt.

Die Bombe lässt Piëch kurz nach Beginn der Sitzung platzen. Völlig ungerührt verliest er eine Erklärung, wonach die EU-Kommission wegen “kartellrechtlicher Bedenken“ die Wahl der drei nicht für angemessen halte. Die Herren, sagt Piëch, hätten ihm daher mitgeteilt, dass sie für eine Aufsichtsratstätigkeit bei der MAN SE nicht mehr zur Verfügung stünden. Doch so ungelegen Piëch das Bremsmanöver der EU kommen dürfte, so beruhigend wirkt die Nachricht auf die Aktionäre. Viele wollten gegen die Wahl der VW-Manager massiv protestieren. Doch auch daraus wurde nichts.

Gleichwohl wiederholen viele Redner ihre grundsätzlichen Bedenken gegen Piëchs Politik. Der 74-Jährige ist nicht nur Chefaufseher bei MAN und VW. Er ist auch vier Jahre älter als die Richtlinien für gute Unternehmensführung, der Corporate Governance Kodex, vorsehen. Um diese Grundsätze, monieren viele, schere sich Piëch nicht.

“Wen vertreten Sie hier eigentlich? Die Interessen der VW-Aktionäre oder die der MAN-Aktionäre?“, fragt mehr als ein Redner. Piëch wischt solche Bedenken beiseite. Er vertrete die Interessen von MAN, deren Aktionären, Kunden und Mitarbeitern. Doch seine Doppelrolle bleibt hochumstritten. Das bekommt Piëch auch bei der Wiederwahl in den Aufsichtsrat zu spüren: Mit 74 Prozent fährt er das schlechteste aller Ergebnisse ein.

Kräftigen Gegenwind ist Piëch gewöhnt - er lässt sich davon bislang nicht bremsen. Die Einwände der EU wiegen allerdings schwer und kommen für die Wolfsburger offenkundig überraschend, denn immerhin reisen etwa Winterkorn und Pötsch nach München, nur um dann unverrichteter Dinge wieder von dannen zu ziehen. Die EU-Kommission wird das Fusionsvorhaben von Volkswagen genau prüfen. Wohl auch deshalb wollte VW nicht schon vor dem Verfahren die höflichen Hinweise aus Brüssel ignorieren, denn an weiteren Verzögerungen ist Volkswagen beim zähen Dauerthema Lkw-Allianz kaum interessiert.

Doch bei aller Personalpolitik: Daran, dass die Zusammenarbeit von Scania und MAN kommt, hat kaum jemand Zweifel. “Wir haben nichts gegen eine Kooperation von Scania und MAN unter dem großen Dach des VW-Konzerns“, sagt Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Allerdings dürfe MAN nicht untergebuttert werden. Das will auch MAN nicht, Konzernchef Georg Pachta-Reyhofen hat wenig Bedenken, dass es so kommen wird. Er verteidigt die Pläne energisch. Zu den Personalrochaden seiner Mehrheitsaktionäre aber schweigt der Österreicher.

dpa

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