Gute Zeiten für Schulabgänger

Lehrstellenmarkt entspannt sich weiter

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Beim Lehrstellenangebot gibt es immer noch große regionale Unterschiede.

Nürnberg - Gute Zeiten für Schulabgänger: Nach Jahren der Lehrstellenknappheit gibt es rein statistisch inzwischen für fast jeden Bewerber einen Ausbildungsplatz. Aber nicht überall sind die Chancen gleich gut.

Ein halbes Jahr vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres zeichnet sich nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) eine weitere Entspannung auf dem Lehrstellenmarkt ab. Statistisch gesehen kommt auf jeden Bewerber fast eine Lehrstelle (0,99). Bundesweit hätten Ende März 405 500 Schulabgänger eine Lehrstelle gesucht; dies seien rund 1,1 Prozent weniger als vor einem Jahr. Dem hätten Ende März 402 300 gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber gestanden - 0,6 Prozent weniger als Ende März 2012. Das berichtete die Bundesagentur zum „Tag des Ausbildungsplatzes“ an diesem Mittwoch (17. April)

Lage in NRW besonders kritisch

Allerdings gebe es beim Lehrstellenangebot immer noch große regionale Unterschiede, räumte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker in einem Interview mit der „Welt“ (Dienstag) ein. Vor allem in Nordrhein-Westfalen sei die Lage wegen des doppelten Abiturjahrgangs in diesem Jahr kritisch. Dort kamen Ende März auf einen Lehrstellenbewerber im Schnitt nur 0,74 Ausbildungsplätze. Ähnlich schwierig sei die Lage in Berlin, wo auf einen Bewerber 0,77 Lehrstellen kommen. Weniger Ausbildungsplätze als Bewerber gab es bis Ende März außerdem in Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg.

Dagegen hätten Unternehmen in Hamburg, Bayern, Baden-Württemberg und in Mecklenburg wegen der gesunkenen Schulabgängerzahl inzwischen Probleme, genügend Auszubildende zu finden. So standen nach den BA-Zahlen Ende März allein in Mecklenburg-Vorpommern im Schnitt einem Bewerber 1,54 Lehrstellen gegenüber; in Hamburg seien es 1,51, in Bayern 1,25 und in Baden-Württemberg 1,21 gewesen.

Jugendliche sollen bei der Suche offen sein

Vor allem in Ballungsräumen haben jungen Menschen inzwischen die Auswahl bei der Lehrstellensuche. So kommen etwa in München 2,3 Lehrstellen auf einen Bewerber, 1,42 sind es in Stuttgart, 1,4 in Ulm und Nürnberg. Der Mangel an jungen Menschen hat inzwischen selbst im strukturschwachen Mecklenburg-Vorpommern zu einem Missverhältnis zwischen Bewerbern und Lehrstellen geführt: So kommen in Greifswald zwei Lehrstellen auf einen Bewerber, 1,69 sind es in Stralsund. Dagegen stellt sich die Lage für Schulangänger in einigen NRW-Großstädten derzeit schwierig dar: So kommen in Gelsenkirchen lediglich 0,4 Lehrstellen auf einen Bewerber, 0,54 in Hamm.

BA-Vorstandsmitglied Becker sieht daher trotz eines bundesweit weitgehend ausgeglichenen Ausbildungsmarktes sowohl Arbeitgeber als auch angehende Auszubildende weiterhin vor großen Herausforderungen. „Denn in manchen Regionen gibt es zwar ein rechnerisch günstiges Verhältnis zwischen der Bewerber- und der Stellenzahl. Allerdings stimmen dort die Berufswünsche oder die Qualifikationen der Jugendlichen nicht immer mit dem Ausbildungsangebot überein“, sagte Becker der „Welt“. Unternehmen sollten schon wegen des drohenden Fachkräftemangels weiter Lehrstellen anbieten. Jugendliche wiederum sollten für unterschiedliche Ausbildungsberufe offen sein.

dpa

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