Commerzbank zahlt Boni an Mitarbeiter: Kritik

Commerzbank-Chef Blessing

Frankfurt/Main - Die teilverstaatlichte Commerzbank steht wegen der geplanten Bonus-Zahlungen an Mitarbeiter in der Kritik.

Die Politik habe kein Verständnis für Commerzbank-Chef Martin Blessing, “wenn sein Vorstand Millionen an Boni oder Prämien oder wie auch immer er es nennt, an seine Leute ausschüttet“, sagte der Grünen-Finanzexperte Alexander Bonde der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Die Commerzbank existiere nur noch, weil der Steuerzahler sie gestützt habe. “Da verfängt auch nicht das Argument, dass anderswo in der Branche besser gezahlt wird.“

Dagegen verteidigte Commerzbank-Vorstandsmitglied Ulrich Sieber die Bonus-Zahlungen für das Geschäftsjahr 2010. Mit Blick auf Erfolge bei der Integration der Dresdner Bank sowie “außergewöhnliche Leistungen“ sei das Institut als Arbeitgeber verpflichtet, Mitarbeiter “leistungsbezogen und fair zu vergüten“, sagte Sieber der “Wirtschaftswoche“.

Der Gesamtwert der Boni liege im unteren dreistelligen Millionenbereich, berichtete das Blatt unter Berufung auf Insider. Die Zahlungen seien nach Angaben aus Regierungskreisen mit der Bundesregierung abgesprochen. Das Magazin “Focus“ berichtete, die Bank habe sich die dafür nötigen Finanzmittel vom Staat genehmigen lassen. Innerhalb des Geldinstituts werde aber befürchtet, dass sich Politiker im Wahljahr 2011 nicht an ihre Zusage halten könnten. Die Sorge sei, dass Politiker die von der Commerzbank beabsichtigte variable Vergütung als Chance zu einem populistischen Rundumschlag gegen die vermeintlichen “Bonus-Banker“ nutzen könnten.

“Quer durch die Parteien wächst der Unmut“

Die Bundesregierung hatte sich während der Finanzkrise mit einem zweistelligen Milliardenbetrag an der Commerzbank beteiligt, um das Institut zu stützen und die Übernahme der Dresdner Bank nicht zu gefährden. Aktuell beträgt die stille Einlage des Bundes noch 16,2 Milliarden Euro. Grünen-Politiker Bonde betonte: “Quer durch die Parteien wächst der Unmut, dass die Commerzbank die stille Einlage nicht bedient. Das Klima zwischen Politik und Bank ist spürbar rauer geworden. Herr Blessing hat dem Steuerzahler in Interviews ein gutes Geschäft versprochen: neun Prozent Zins. Davon ist bisher kein Cent geflossen.“

Der FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler sagte der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, die Commerzbank habe “auch unter Herrn Blessing kein richtiges Geschäftsmodell gefunden“. Die Bank müsse die stille Einlage des Staates bedienen: “Es ist zumindest grenzwertig, wenn nicht skandalös, dass die Commerzbank trotz Milliarden-Gewinns nichts bezahlt wegen der Verluste nach HGB. Es ist naiv zu glauben, da hätte der Vorstand keinen Bewertungsspielraum. Das nehme ich Herrn Blessing und seinen Managern nicht ab“, betonte Schäffler.

Laut “Focus“ will die Commerzbank noch im ersten Halbjahr einen möglichst großen Teil der Staatshilfen zurückzahlen. Optimisten innerhalb der Bank hofften sogar auf einen Termin Mitte April: “Die Eier werden vielleicht schon Ostern gelegt“, hieß es dem Magazin zufolge in Bankenkreisen. Realistischer erscheine den Verantwortlichen jedoch eine Rückzahlung bis zum Sommer. Grund sind offenbar die zeitlichen Hürden, bis auch Bundesregierung und EU-Kommission dem Paket zugestimmt haben.

dapd

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