Deutsche Bank will 4,5 Milliarden Euro sparen

Frankfurt/Main - Die neue Führung tritt auf die Kostenbremse. Die Deutsche Bank will ihre jährlichen Kosten bis 2015 um 4,5 Milliarden Euro senken.

Anshu Jain und Jürgen Fitschen wollen aber nicht nur Ausgaben drücken, sondern Deutschlands größter Bank ein neues Image verschaffen. Bei ihrer ersten gemeinsamen Pressekonferenz nach dem Amtsantritt im Juni stellten sie am Dienstag mit ihrer „Strategie 2015+“ klar: Der Konzern will von einer starken Heimatbasis Deutschland aus weiterhin weltweit als Universalbank mit Privatkunden und Kapitalmarktgeschäft erfolgreich sein. Zugleich jedoch müsse sich die Unternehmenskultur ändern. „Wir sehen keinen Widerspruch zwischen wirtschaftlichem Erfolg und gesellschaftlicher Akzeptanz“, sagte Fitschen in Frankfurt.

Bis 2015 sollen die jährliche Kosten um 4,5 Milliarden Euro sinken. „Um auf lange Sicht wettbewerbsfähig zu bleiben, wird die Bank zur Steigerung ihrer operativen Leistungsfähigkeit in den kommenden Jahren in erheblichem Umfang Kosten, Redundanzen und Komplexität verringern“, erklärte die Bank.

Erreicht werden sollen die Einsparungen unter anderem durch den Verkauf von etwa 40 Gebäuden. Knapp 40 Prozent oder 1,7 Milliarden Euro der geplanten Einsparungen entfallen auf die Infrastruktur einschließlich Investitionen in neue IT-Plattformen, eine Neuordnung der Geschäftsabwicklung (Backoffice) und die Zentralisierung des Einkaufs. Die Kosten für die Straffung bezifferte die Bank auf rund vier Milliarden Euro für die kommenden drei Jahre.

Von weiteren Stellenstreichungen war zunächst nicht die Rede. Erwartet worden war, dass zum Beispiel in der Vermögensverwaltung der Rotstift angesetzt wird. Im Juli hatte das Institut angekündigt, noch in diesem Jahr 1900 Arbeitsplätze zu streichen, 1500 davon im Investmentbanking. Die Deutsche Bank beschäftigte Ende Juni 100 654 Vollzeitkräfte weltweit.

Auch bei den - gerade in Krisenzeiten umstrittenen - Bonuszahlungen für Manager tritt die Deutsche Bank nun auf die Bremse. Boni für das Topmanagement sollen länger gestreckt werden: „Vorgesehen ist eine Einmalzahlung nach fünf Jahren anstelle gestaffelter Auszahlungen über drei Jahre hinweg.“ Darüber hinaus setzt die Bank ein unabhängiges Expertengremium mit Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft ein, das Struktur und Ausgestaltung der Vergütungspraxis überprüfen soll. „Die Empfehlungen des Panels werden schon die Jahresvergütung für 2012 beeinflussen“, erklärte die Bank.

Schon für das vergangene Jahr hatte die Deutsche Bank die variablen Vergütungen um 17 Prozent gekürzt. Die Sofort-Boni, die in bar ausgezahlt werden, wurden auf 100 000 Euro begrenzt und die langfristigen Komponenten erhöht.

Jain/Fitschen nannten zudem erstmals ein klares Renditeziel: Bis 2015 will die Deutsche Bank eine durchschnittliche Eigenkapitalrendite von mindestens zwölf Prozent nach Steuern erreichen. Vorgänger Josef Ackermann hatte vor Steuern eine Rendite von 25 Prozent angestrebt.

dpa

Rubriklistenbild: © dapd

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