Deutsche Wirtschaft: Halali zur Aufholjagd

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Gute Aussichten: Die Deutsche Wirtschaft bläst für das Jahr 2010 zur Aufholjagd.

Frankfurt/Main - Die deutsche Wirtschaft bläst zur Aufholjagd. Die Zeit der Schreckensmeldungen soll jetzt vorbei sein. Für 2010 stehen die Zeichen auf Wachstumskurs, dafür gebe es gute Gründe, sagen Experten.

Das Schreckensjahr 2009 ist abgehakt. Selbst die vom Statistischen Bundesamt für viele überraschend errechnete Stagnation zum Jahresende 2009 kann die Auguren nicht von ihrer Zuversicht abbringen: “Nach unserer Einschätzung wird sich die deutsche Wirtschaft 2010 relativ kraftvoll erholen“, sagt der Chefvolkswirt der Allianz, Michael Heise. Er prognostiziert ein sattes Plus von 2,4 Prozent.

Andere Vertreter seiner Zunft sind zwar vorsichtiger, erwarten aber wie etwa Andreas Rees von UniCredit immerhin noch 1,7 Prozent Wachstum. In einem sind sich die Experten einig: Das Wachstum trägt sich noch nicht selbst. Die Impulse gehen vor allem von staatlichen Konjunkturprogrammen und den historisch niedrigenden Zinsen aus.

Die Wirtschaftskrise in 17 Bildern

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Daher erstaunt die Forderung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) wenig: “Künftiges Wachstum muss durch eine kluge und zukunftsweisende Politik hart erarbeitet werden.“

Immerhin: Während Griechenland und Spanien weiter tief im Tal der Rezession stecken, wird die weltweite Erholung die exportlastige deutschen Industrie nach dem Horrorjahr 2009 wieder kräftig anschieben. Nach einem Ausfuhrminus von 15 Prozent dürften die Exporte in diesem Jahr wieder um knapp 9 Prozent anziehen, sagt Heise. Davon werde nicht nur der knüppelhart von der globalen Krise betroffene Maschinenbau, sondern auch die Automobilindustrie oder die Chemie profitieren, betontDeutsche Bank-Volkswirt Stefan Bielmeier.

Dabei dürfte auch der Euro-Kurs helfen, der zuletzt wegen ausufernder Budgetdefizite unter Druck geriet. “Wir können froh sein, dass der Euro zurzeit nur 1,37 Dollar kostet und nicht mehr 1,50 Dollar, denn dass würde den Export schwächen“, betont Heise.

Nach dem dramatischen Einbruch des Vorjahres, als das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um satte 5 Prozent abstürzte und damit stärker Federn ließ als je zuvor seit Bestehen der Bundesrepublik, ist Deutschland vom Vorkrisen-Niveau jedenfalls erstmal weit entfernt. Frühestens Ende 2011, vielleicht erst 2012 oder gar 2013 wird die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung der Konjunkturexperten wieder zu alter Stärke zurückfinden.

Zusätzlich gebremst wird der zarte Aufschwung derzeit zudem von Väterchen Frost. Der kalte und schneereiche Winter wird die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2010 rund 0,3 Prozentpunkte Wachstum kosten, schätzt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Dennoch erwartet er ein “ordentliches“ Plus von 0,5 Prozent. Das geringere Wachstum wird aus Sicht der UniCredit aber in den folgenden Wochen “leicht wieder kompensiert“. Auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) macht Mut: “Ich rechne damit, dass die witterungsbedingten Ausfälle schnell wieder aufgeholt werden.“

Pessimistischer äußerte sich am Freitag die WestLB, die einen leichten BIP-Rückgang zu Jahresbeginn nicht ausschließt. Die Landesbank begründet dies mit der anhaltenden Talfahrt bei den Auto- Verkäufen und dem kalten Winter. Selbst bei einer Wetteränderung dürfte die Belastung demnach erheblich sein.

Während der private Konsum die Konjunktur im vergangenen Jahr nicht zuletzt dank der Abwrackprämie gestützt hat, sind 2010 kaum positive Effekte von dieser Seite zu erwarten. Noch immer geht in deutschen Haushalten die Angst vor Arbeitslosigkeit um. Deshalb sitzen Verbraucher auf ihrem Geld und halten sich mit Einkäufen zurück.

Hingegen ruhen die Hoffnungen für die deutsche Industrie auch auf der Erwartung, dass wieder mehr in Ausrüstungsgüter investiert wird. Zumindest im Inland könnte eine zögerliche Kreditvergabe diese Hoffnung aber im Keim ersticken. Das würde der gesamten Volkswirtschaft schaden, betont Norbert Irsch, Chefvolkswirt der staatlichen KfW: “Die zentrale Herausforderung für dieses Jahr ist die Sicherstellung der Unternehmensfinanzierung, denn eine unzureichende Kreditversorgung wäre eine erhebliche Belastung für den Fortgang der im Jahr 2010 ohnehin fragilen wirtschaftlichen Erholung.“

dpa

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