Deutscher Autoexport schon fast wieder auf Rekordniveau

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Starke Exportzahlen trugen dazu bei, dass die deutsche Automobilindustrie in ersten Halbjahr 2010 fast ein Rekordergebnis verzeichnete.

Berlin - Die deutsche Automobilindustrie fährt ein Jahr nach der schlimmsten Branchenkrise der Geschichte schon fast wieder auf Rekordniveau. Beflügelt wird der Markt vor allem durch starke Nachfrage aus dem Ausland.

Die deutsche Automobilindustrie hat nach der Krise einiges an Boden gutgemacht. Inlandsproduktion und Export legten im ersten Halbjahr kräftig zu, Kurzarbeit ist passé. Die Ausfuhren profitierten von starker Nachfrage aus Asien. Auch der Zulieferer Continental legte am Freitag gute Bilanzzahlen vor. Der Automarkt in den USA verlor im Juni etwas an Schwung. Die Pkw-Inlandsproduktion stieg im ersten Halbjahr um 23 Prozent auf 2,85 Millionen Fahrzeuge, bilanzierte der Verband der Automobilindustrie (VDA) in Berlin. Er erwartet eine nachlassende Dynamik in der zweiten Hälfte und deshalb fürs gesamte Jahr lediglich ein Plus von mindestens 10 Prozent. Die damit erreichten 5,45 Millionen produzierten Pkw wären 100 000 weniger als im Jahr 2008. Die Pkw-Exporte erhöhten sich im Vergleich zur Vorjahresperiode um 44 Prozent auf 2,16 Millionen Autos.

VDA-Präsident Matthias Wissmann: “Damit liegen wir nur noch fünf Prozent unter dem Niveau des Jahres 2008. Für das Gesamtjahr erwartet der VDA eine Steigerung der Pkw- Ausfuhren um mindestens 20 Prozent auf mehr als 4,15 Millionen Fahrzeuge. “Damit werden wir auch über dem Exportniveau des Jahres 2008 liegen und vom bisherigen Ausfuhrrekord 2007 nur noch wenig entfernt sein“, sagte Wissmann. Vor allem in China ziehe die Nachfrage nach Oberklassemodellen deutscher Marken kräftig an. Das bestätigte Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche auf einer Tagung in München. Die ersten Monate des Jahres seien gerade für die deutschen Premiumhersteller besonders erfolgreich gewesen.

Topp! Mercedes, BMW und Citroen

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Die beste Zeit des Autos komme erst noch - “nicht trotz, sondern wegen des Umbruchs in unserer Branche“. Es gelte, die Chancen zu nutzen, die die neuen Absatzmärkte und die Umweltaspekte böten. Schwach entwickelt hat sich zuletzt der Absatz in Deutschland. Im ersten Halbjahr seien 1,47 Millionen Pkw in Deutschland neu zugelassen worden, das sind 29 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2009. Der Pkw-Inlandsmarkt sei “natürlich überzeichnet durch das hohe Neuzulassungsvolumen des Vorjahres“ als Folge der Abwrackprämie und der neu geordneten Kfz-Steuer, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann. Fürs gesamte Jahr 2010 rechnet der VDA jetzt mit 2,8 bis 2,9 Millionen neu zugelassenen Pkw in Deutschland. Das entspräche einem Rückgang von 24 bis 27 Prozent im Vergleich zu 2009.

Keine Kurzarbeit mehr

Die Erholung der Autoindustrie hat dazu geführt, dass es in der Branche inzwischen keine Kurzarbeit mehr gibt. Noch im März seien 70 000 Kurzarbeiter gezählt worden, auf dem Höhepunkt der Krise im Februar 2009 waren es 273 000. Allerdings sei mit fünf guten Monaten der vorherige Absturz nicht wettzumachen, sagte Wissmann: “Diese Krise hat enorm Substanz gekostet.“ Das gelte vor allem für die mittelständischen Unternehmen, etwa Zulieferer, deren Eigenkapitaldecke stark geschrumpft sei. Als Risiken auch für die Autobranche nannte Wissmann die prekäre Haushaltslage einzelner EU-Länder, mögliche Preiserhöhungen bei Energie und Rohstoffen und ein schwankender Euro-Dollar-Wechselkurs. In den USA drückten Sorgen über die wirtschaftliche Zukunft auf die Stimmung. Die Hersteller schlugen zwar mehr Autos los als im Krisenjahr 2009.

Doch von den glänzenden Geschäften der Vormonate blieben sie weit entfernt. 983 000 Neuwagen fuhren nach Berechnungen des Branchenblattes “Automotive News“ im Juni von den Höfen der amerikanischen Händler. Das sind 14 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im Mai, dem bisher stärksten Monat des Jahres, hatte die Branche allerdings noch rund 1,1 Millionen Autos unters Volk gebracht. Continental steigerte den Konzernumsatz in den ersten sechs Monaten um 38 Prozent auf rund 12,5 Milliarden Euro. Das um Abschreibungen und Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) werde bei wenigstens 1,2 Milliarden Euro liegen, nach 248,8 Millionen Euro im Vorjahr, teilte Conti bei Bekanntgabe vorläufiger Zahlen in Hannover mit. Für das Gesamtjahr sei es nun realistisch, dass der Umsatz gegenüber den gut 20 Milliarden Euro des Vorjahres um rund 15 Prozent gesteigert werden könne, sagte Conti- Chef Elmar Degenhart.

dpa

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