Werden die Autofahrer bei E10 voreilig abkassiert?

Berlin - Was kostet der Käuferstreik bei E10 die Autofahrer? Von Millionen an Strafzahlungen für zu wenig verkauften Biosprit spricht die Branche.

Für Autofahrer ist kaum etwas so undurchsichtig, wie der Benzinpreis. Das wird beim wenig geliebten Biosprit E10 zunehmend zum Problem. Denn während etwa die Aral-Mutter BP wegen zu wenig verkauftem E10 mit Strafzahlungen von bis zu 400 Millionen Euro in diesem Jahr rechnet, ist das für die Biokraftstoffindustrie noch längst nicht ausgemacht. Und die Regierung betont, dass das Ausmaß möglicher Strafzahlungen erst 2012 feststehen wird. Dennoch werden die Autofahrer laut ADAC für das Debakel längst zur Kasse gebeten, weil Mehrkosten auf den Spritpreis aufgeschlagen würden.

Die wichtigsten Infos zum E10-Benzin

Bio-Sprit E10: Die wichtigsten Infos

“Seit Jahren ist es gängige Praxis, dass die Mineralölwirtschaft den Verkauf von reinem Biodiesel (B100) in großen Mengen auf die Quote anrechnen lässt“, betont Frank Brühning vom Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie. Praktisch der gesamte B100-Absatz 2010 sei verwendet worden, um die gesetzlich vorgeschriebene Quote zu erfüllen. Das ganze funktioniert laut VDB so: Der Biodieselproduzent verkauft Biodiesel zum Beispiel an eine Spedition und erhält dafür eine Gutschrift. Diese verkauft er an ein Mineralölunternehmen, das sich den verkauften Biodiesel auf seine Quote anrechnen lässt.

Auch vor der Einführung von E10 sei so die Ethanolquote von 6,25 am gesamten Absatz erreicht worden, sagt Brühning. Und das ohne das Super Benzin E10, das zehn Prozent Ethanol enthält. Der ADAC betont, die Mineralölwirtschaft habe auch bisher “schon Mittel und Wege finden müssen, die Quote zu erfüllen“.

Karin Retzlaff vom Mineralölwirtschaftsverband (MWV) bestätigt, dass Biodiesel eine Alternative zur Erfüllung der Quote ist. “Aber es gibt immer weniger Fahrzeuge, die mit reinem Biodiesel gefahren werden können.“ Sie betont, die Zahlen für möglichen Strafzahlungen seien nicht vorschnell in die Welt gesetzt worden, sondern beruhten auf ausführlichen Marktanalysen der vergangenen Monate.

Die Verkaufszahlen, Ethanolbeimischungen und anderen Möglichkeiten zur Erfüllung der Quote ließen sich hochrechnen. Daher könne recht genau vorhergesagt werden, in welchem Umfang die Quote verpasst wird. Für jeden zu wenig beigemischten Liter Ethanol würden rund 40 Cent Strafe fällig. Jeder statt E10 verkaufte Liter Super Benzin mit fünf Prozent Ethanol schlage mit zwei Cent Strafe zu Buche. Zuletzt seien statt ursprünglich erwarteten 90 Prozent E10-Absatz beim Super nur 9 bis 10 Prozent des verkauften Benzins E10 gewesen.

Die Biospritbranche kritisiert, mögliche Strafzahlungen seien als eine Art Versicherung im Spritpreis enthalten. Diese würden aber nicht an die Autofahrer zurückgezahlt, wenn letztlich keine oder nur geringe Strafen anfallen, betont Brühning. Das Ganze wandere als Zusatzgewinn in die Kassen der Mineralölunternehmen. “Der Verbraucher sollte also wissen, wer die Preise für den Kraftstoff bestimmt - dies ist nicht die Biokraftstoffindustrie und nicht die Politik, es ist die Mineralölwirtschaft, die sich hier als Opfer stilisieren möchte.“

Als Opfer im E10-Theater sehen sich vor allem die Autofahrer, die für ihre Skepsis auch noch zahlen sollen. Klarheit, wer wieviel durch E10 zu zahlen hat und ob der Autofahrer zu stark belangt wird, gibt es erst 2012, bis dahin sind kaum verlässliche Aussagen möglich.

Die für die Biospritstrategie verantwortliche Bundesregierung hält sich aus dem Hickhack um eine Abwälzung der Folgen auf die Autofahrer bisher heraus. Auch zur Zukunft von E10 gibt es wenig konkretes. Das für die Biospriteinführung zuständige Umweltministerium von Norbert Röttgen (CDU) betont auch am Wochenende zum Thema E10: “Wir möchten das nicht kommentieren.“

dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Maas: Autokäufer dürfen nicht für Diesel-Nachrüstung zahlen
Maas: Autokäufer dürfen nicht für Diesel-Nachrüstung zahlen
Vorsicht, Salmonellengefahr! Lidl und Rewe rufen Produkte zurück
Vorsicht, Salmonellengefahr! Lidl und Rewe rufen Produkte zurück
Immer weniger Neuwagen auf Privatkunden zugelassen
Immer weniger Neuwagen auf Privatkunden zugelassen
Diese zwei Kindersitze sind gefährlich, warnt Stiftung Warentest
Diese zwei Kindersitze sind gefährlich, warnt Stiftung Warentest

Kommentare