Kompromiss bei Porsche und VW

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Im Streit zwischen VW und Porsche, scheint sich VW durchzusetzen.

Stuttgart/Wolfsburg - Es sieht so aus, als gebe es eine Einigung im Gerangel um Porsche und VW. Dann hätte VW-Mann Ferdinand Piëch sich durchgesetzt. Abschließend entschieden ist aber noch nichts.

Das Verwirrspiel um die Zukunft von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ist in eine neue Runde gegangen: Im Machtkampf mit VW-Patriarch Ferdinand Piëch steht der 56-jährige nach übereinstimmenden Medienberichten von Freitag vor dem Aus. Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche dagegen wies dies zurück. Es gebe keinen Wechsel an der Spitze des Autobauers, betonte der Vorsitzende des Kontrollgremiums in Stuttgart.

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Gerüchte über eine Inthronisierung des bisherigen Porsche-Produktionsvorstands Michael Macht seien falsch. Wiedeking ist nach Porsche-Angaben weiterhin Chef der Porsche AG und der Porsche Holding. Das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel“ und die “WirtschaftsWoche“ hatten zuvor von einem Beschluss der Eigentümerfamilien berichtet, nach dem der Manager seinen Posten bei dem hoch verschuldeten Sportwagenbauer räumen muss. Macht solle sein Nachfolger werden. Über die Modalitäten des Ausscheidens von Wiedeking werde bereits verhandelt. Porsche hatte sich bei der geplanten Übernahme von VW finanziell verhoben.

Grundsätzliche Einigung zwischen Porsche und VW

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa haben sich die Eigentümerfamilien grundsätzlich auf ein Konzept über die Zukunft eines integrierten Porsche/VW-Konzerns geeinigt und damit den Plan von Piëch angenommen. Demnach soll Volkswagen knapp die Hälfte an der Porsche AG übernehmen und der Sportwagenbauer als zehnte Marke in den Konzern integriert werden. Einigkeit soll auch darüber bestehen, dass das Emirat Katar die VW-Optionen von Porsche übernehmen und neben Niedersachsen dritter Großaktionär bei VW werden soll. Der Sportwagenbauer ist mit rund zehn Milliarden Euro verschuldet.

Wiedeking wollte über eine Kapitalerhöhung mit Hilfe der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch Geld in die Kassen spülen und hoffte auf einen milliardenschweren Einstieg des Emirats Katar. Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Christian Wulff rechnet beim Gerangel um die Zusammenführung von Volkswagen und Porsche mit einer klaren Entscheidung für einen integrierten Autokonzern. “In den Aufsichtsratssitzungen der Porsche SE und der Volkswagen AG sollte am Donnerstag eine Grundsatzvereinbarung für einen integrierten Automobilkonzern eine breite Mehrheit bekommen“, sagte Wulff der “WirtschaftsWoche“. Dritter Großaktionär dieses erweiterten Konzerns würde durch die Übernahme der derzeit von Porsche gehaltenen Optionen auf VW-Aktien das öl-reiche Emirat Katar.

VW und Porsche kommen am Donnerstag zu getrennten Aufsichtsratssitzungen in Stuttgart und Weissach bei Stuttgart zusammen, um über die Zukunft der beiden Autobauer zu entscheiden. Für die Personalentscheidung ist laut Porsche jedoch ein Präsidialbeschluss des Porsche-Aufsichtsrates notwendig. Bislang gebe es noch keinen Termin für eine Sitzung des vierköpfigen Gremiums, erklärte ein Sprecher. Ein Treffen könne jedoch kurzfristig anberaumt werden.

Macht in den Startlöchern

Macht soll den Berichten zufolge Chef der Porsche AG werden, in der das Autogeschäft des Sportwagenbaues gebündelt ist. Ob Wiedeking damit Vorsitzender der Porsche Holding bleibt, ist fraglich. In der Porsche Holding haben die Stuttgarter neben ihrem Autogeschäft auch ihre VW-Anteile gebündelt. Bislang hat Wiedeking beide Vorstandsposten inne. Seine Amtszeit geht bis 2012.

Der 48 Jahre alte Macht gilt laut “Spiegel“ in der Branche als hochqualifizierter Fertigungsexperte, der in der Porsche-Produktion jährlich große Effizienzsteigerungen erreichte. Außer ihm sei im Porsche-Vorstand niemand für die Wiedeking-Nachfolge in Betracht gekommen. Der Manager gehört seit 1998 dem Vorstand der Porsche AG wie die “Süddeutsche Zeitung“ am Freitag berichtete, könnte Wiedeking eine Abfindung von mehr als 100 Millionen Euro erhalten, falls er das Unternehmen verlässt. Dies wäre die höchste Abschiedszahlung, die es in Deutschland jemals gegeben hat. Der 56- jährige selbst hatte am Donnerstagabend gesagt, er wolle im Amt bleiben und seinen Vertrag erfüllen.

dpa

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