Eon-Vize Teyssen wird Konzernchef

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Johannes Teyssen

Düsseldorf - Johannes Teyssen rückt im kommenden Jahr zum Eon-Chef auf. Er folgt auf Wulf Bernotat, der seit 2003 den größten deutschen Energiekonzern lenkt.

Der Aufsichtsrat bestimmte die bisherige Nummer zwei des Unternehmens am Montag zum Nachfolger von Bernotat, dessen Vertrag am 30. April 2010 endet, wie E.ON am Abend mitteilte.

Der 49-Jährige promovierte Jurist ist bislang stellvertretender Konzernchef und verantwortet das Tagesgeschäft. Branchenkenner trauen dem bekennenden Fußballfan und Vater von vier Kindern zu, der neue “Frontkämpfer“ der gesamten deutschen Energiewirtschaft zu werden.

In der Branche hat der gebürtige Niedersachse einen ausgezeichneten Ruf. Eon-Manager loben seine klaren Ansagen und sein rhetorisches Geschick. Sein gesamtes, seit 20 Jahre andauerndes Berufsleben hat Teyssen bei Eon und dessen Vorgänger-Unternehmen verbracht. 1999 war er maßgeblich an der Zusammenführung von fünf kleinen niedersächsischen Stadtwerken zum Regionalversorger Avacon beteiligt. Mit Tempo integrierte er die einzelnen Konzernteile. Später gestaltete er die Fusion von Viag und Veba zu Eon mit. Dem ehrgeizigen Eon-Manager wurden seit Jahren Ambitionen auf den Chefposten nachgesagt.

Im Jahr 2007, als sich Bernotat in der Übernahmeschlacht um den spanischen Versorger Edesa zu verheddern drohte, wurde Teyssen bereits als Nachfolger gehandelt. Und auch die Konkurrenz buhlte schon mehr oder weniger laut um ihn. Als Erzrivale RWE vor zwei Jahren einen Nachfolger für den Vorstandsvorsitzenden Harry Roels suchte, wurde Teyssen als ein “heißer“ Kandidat gehandelt. Doch Teyssen blieb Eon treu und übte sich in Geduld. Mit Erfolg: Bernotat selbst kürte ihn 2007 kurz vor Weihnachten zu seinem Stellvertreter und machte ihn damit zu seinem Kronprinzen.

Die Aufgabenverteilung war klar: Bernotat war für die Strategiefragen zu energiepolitischen Debatten rund um Klimaschutz, Atomenergie, Preiserhöhungen und Kartellvorwürfen zuständig, während Teyssen ihm beim täglichen Kleinkram den Rücken freihielt. In der Öffentlichkeit hielt sich der Kronprinz, der zuvor gern ins Fernsehen ging und die Auseinandersetzung mit Kritikern der Branche suchte, seitdem zurück. Im Vergleich mit Bernotat wird Teyssen mehr Fingerspitzengefühl im Umgang mit der Politik nachgesagt.

Kommunalpolitiker haben über ihre Stadtwerke eine Menge in der Energiebranche mitzureden. Teyssen kennt sich damit bestens aus seit seiner Zeit beim Regionalversorger Avacon. Bernotat war vor seiner Eon-Zeit jahrelang Manager beim Ölmulti Shell mit Stationen in London, Lissabon und Paris. Er galt deshalb eher als ein Mann für das Big Business, das globale Geschäft. Teyssen musste in den vergangenen Wochen sein Verhandlungsgeschick unter Beweis stellen: Über 5000 Beschäftigte hatte die Gewerkschaft ver.di im Juni vor der Düsseldorfer Zentrale zusammengetrommelt, um gegen massive Einschnitte protestieren.

Die Großdemonstration von Mitarbeitern war die erste vor der Konzernzentrale - ein Kulturbruch in dem für seinen sozialen Frieden bekannten Konzern. Schließlich war es Teyssen, der Streit mit den Arbeitnehmervertretern löste. Der Manager nehme die Sorgen der Beschäftigten ernst, bescheinigt ihm Sven Bergelin, der für die Gewerkschaft ver.di im Aufsichtsrat sitzt.

dpa/ap

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