EZB-Präsident Draghi: Die Lage der Sparer ist uns bewusst

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Draghi ist unzufrieden mit dem Reformtempo in der Eurozone. Foto: Etienne Laurent

Europas oberster Währungshüter muss viel Kritik für die Null-Zinspolitik der EZB einstecken - vor allem aus Deutschland. Jetzt geht Notenbankchef Draghi in einem Interview in die Offensive.

Frankfurt/Main (dpa) - EZB-Präsident Mario Draghi hat nach eigenen Angaben Verständnis für die Sorgen deutscher Sparer angesichts der Niedrigzinsen. "Die Lage der Sparer ist uns sehr wohl bewusst. Und nicht nur in Deutschland müssen Sparer mit niedrigen Zinsen leben", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Sie hätten es mit ihren Anlage-Entscheidungen aber auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfielen. "Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten", sagte Draghi.

Vor allem aus Deutschland hagelte es zuletzt Kritik an der Europäischen Zentralbank (EZB), die im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche den Leitzins im März auf Null gesenkt hatte. Insbesondere Unions-Politiker warfen der Notenbank vor, sie enteigne damit die deutschen Sparer.

Draghi wies erneut daraufhin, dass die niedrige Inflation die negativen Effekte der niedrigen Zinsen für Sparer ausgleiche. "Was wirklich zählt, ist, was Sie an realen Erträgen für ihre Ersparnisse bekommen". Derzeit liege die Verzinsung minus Inflation höher als im Durchschnitt der 90er-Jahre. "Zu der Zeit hatten Sie höhere Zinsen auf dem Sparbuch, aber zugleich meist Inflation, die weit darüber lag und alles auffraß", sagte Draghi.

Er sei sich bewusst, dass es nicht einfach sei, den Sparern Realzinsen zu erklären, hatte Draghi vergangene Woche vor Journalisten gesagt und hinzugefügt: "Das ist Ihr Job." Auf die Frage, wann die Zinsen wieder steigen würden, antwortete der EZB-Chef im "Bild"-Interview: "Ganz einfach: Wenn die Wirtschaft wieder stärker wächst und die Inflation wieder näher an unserem Ziel liegt."

Dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise gelten als Risiko für die Konjunktur. Unternehmen und Verbraucher könnten Anschaffungen aufschieben, weil sie erwarten, dass es bald noch billiger wird. Die EZB strebt daher mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an - weit genug entfernt von der Nullmarke. Die Inflation im Euro-Raum dümpelt seit Monaten um die Null Prozent. Im März war die Teuerungsrate gegenüber dem Vorjahr unverändert.

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