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Vor der EZB-Sitzung: Notenbank vor ungewöhnlich großem Zinsschritt

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EZB-Zentrale In Frankfurt: Die Europäische Zentralbank berät Donnerstag über Maßnahmen gegen die hohe Inflation
Die Europäische Zentralbank berät Donnerstag über Maßnahmen gegen die hohe Inflation © Andreas Arnold/dpa

Dass die Zinsen weiter steigen, gilt als sicher. Die EZB berät am Donnerstag in Frankfurt über Maßnahmen angesichts der hohen Inflation und der Schwäche des Euro.

Frankfurt am Main - Nachdem der EZB-Rat im Juli erstmals seit elf Jahren die Leitzinsen erhöht hatte, steht nun wohl eine weitere bedeutende Anhebung bevor.

Carsten Brzeski, Volkswirt bei der ING Bank, geht von einer Anhebung der Leitzinssätze von 0,5 oder 0,75 Prozentpunkten aus. Angesichts der Rekord-Inflation in der Eurozone von 9,1 Prozent im August gehen viele Beobachter von einer starken Anhebung aus - also eher um 0,75 Prozentpunkte.

Euro fällt auf 20-Jahres-Tief

Auch der Euro-Kurs ist ein Faktor: Im Vergleich zum Dollar war die Gemeinschaftswährung am Montag auf den niedrigsten Wert seit 20 Jahren gefallen. Ein Euro war zeitweise weniger als 0,99 Dollar wert. Die Stabilisierung der Gemeinschaftswährung sei zwar nicht vorrangig das Ziel der EZB, sagt Frederik Ducrozet, Experte für Makroökonomie bei der Vermögensverwaltung Pictet. Die Schwäche des Euro könne sich aber „durchaus auf die Entscheidung auswirken“.

Die Zentralbank mit Sitz in Frankfurt hatte im Juli der Ära des billigen Geldes ein Ende gesetzt und die drei Zinssätze um jeweils 0,5 Prozentpunkte angehoben - doppelt so hoch wie erwartet. Der EZB-Rat stellte außerdem weitere Zinsschritte in Aussicht: In Zukunft würden Zinsbeschlüsse „von Sitzung zu Sitzung gefasst“, hieß es.

EZB: Schnabel fordert „Entschlossenheit“ im Kampf gegen Inflation

EZB-Vorstandsmitglied Isabel Schnabel forderte zuletzt „Entschlossenheit“ im Vorgehen gegen die Inflation - „auch auf die Gefahr eines geringeren Wachstums und einer höheren Arbeitslosigkeit hin“. Aus Furcht vor einer Rezession hatten die europäischen Zentralbanker bisher starke Zinserhöhungen gemieden, während andere führende Zentralbanken hier rasch vorgeprescht waren. In den USA liegen die Leitzinssätze bereits bei zwischen 2,25 und 2,5 Prozent.

Am Donnerstag werden Schnabel und ihren Kollegen in Frankfurt neue Wirtschaftsprognosen vorliegen, die den reduzierten Gasliefermengen von Russland nach Europa Rechnung tragen. Die meisten Beobachter gehen mittlerweile davon aus, dass die Eurozone im Winter ohnehin in die Rezession rutschen wird. Bislang war die EZB noch von einem Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent im kommenden Jahr ausgegangen.

EZB-Vorständin gibt sich selbstkritisch: Haben Inflation unterschätzt

„Wenn eine Zentralbank die anhaltende Inflation unterschätzt - wie die meisten von uns in den vergangenen anderthalb Jahren - und ihre Politik nur langsam entsprechend anpasst, können die Kosten beträchtlich sein“, räumte Schnabel ein. Die EZB habe zu lange daran geglaubt, dass die hohe Inflation nicht andauern würde. (dpa/lf)

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