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Nach der EZB-Entscheidung: Was die Zinserhöhung für Sparer bedeutet

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Von: Lisa Mayerhofer

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Im Kampf gegen die hohe Inflation in der Euro-Zone hat die EZB am Donnerstag die Zinsen unerwartet kräftig angehoben. Welchen Folgen die Entscheidung für Verbraucher hat.

Frankfurt/Main – Die Rekordinflation im Euroraum zwingt Europas Währungshüter zum Handeln. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag (21. Juli) erstmals seit elf Jahren wieder die Zinsen erhöht und zugleich weitere Zinsschritte in Aussicht gestellt. Woher die Rekordinflation in der Eurozone kommt, welche Folgen höhere Leitzinsen für Sparer und Kreditnehmer haben. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Wieso herrscht im Euroraum eine Rekordinflation?

Seit Monaten treiben stark gestiegene Energiepreise die Inflation an. Dieser Trend verschärfte sich noch durch den russischen Angriff auf die Ukraine. Zudem hat die Industrie seit der Corona-Pandemie damit zu kämpfen, dass Lieferketten nicht reibungslos funktionieren, auch weil es in China teilweise immer wieder zu Lockdowns kommt. Im Juni erreichte die Inflation im Euroraum mit 8,6 Prozent den höchsten Stand seit Einführung der Gemeinschaftswährung als Buchgeld 1999.

EZB-Entscheidung: Was bringt eine Zinserhöhung?

Gegen steigende Energiepreise sind Europas Währungshüter weitgehend machtlos. Die Notenbank kann aber dazu beitragen, dass sich die Teuerungsrate nicht dauerhaft auf hohem Niveau festsetzt. „Je zögerlicher die Geldpolitik jetzt handelt, desto mehr läuft sie Gefahr, in eine Situation zu geraten, in der sie später umso abrupter und stärker straffen müsste, um Preisstabilität zu gewährleisten“, warnte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel jüngst. Sorgen bereiten den Notenbankern mögliche Zweitrundeneffekten wie eine Lohn-Preis-Spirale. Steigen die Löhne als Reaktion auf die hohe Inflation zu stark, könnte das die Preise weiter nach oben treiben, weil Unternehmen gestiegene Löhne als Rechtfertigung von weiteren Preiserhöhungen heranziehen. Löhne und Preise schaukeln sich dann gegenseitig hoch.

Können Verbraucher auf sinkende Inflationsraten hoffen?

Die Menschen in Deutschland und im Euroraum können sich angesichts steigender Inflationsraten zunehmend weniger für einen Euro leisten. Auf eine schnelle Entspannung bei den Preisen sollten sie allerdings auch nach einer Zinserhöhung zunächst nicht hoffen. Zwar dämpften Tankrabatt und 9-Euro-Ticket den Preisauftrieb zumindest in Deutschland im Juni etwas.

Spätestens nach dem Ende der auf drei Monate befristeten Maßnahmen sollte die Inflation aber wieder nach oben springen, erwartet Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer: „Das gilt umso mehr, als die deutschen Unternehmen die massiv gestiegenen Materialkosten noch lange nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben haben.“ Jörg Zeuner, Chefvolkswirt des Fondsanbieters Union Investment, erwartet zudem, dass die Preissteigerungen im Energiebereich und bei Lebensmitteln immer stärker auf andere Güter und Dienstleistungen umgelegt werden.

Was bedeuten Zinserhöhungen für Sparer?

Erste Banken haben die Zinsen für Tages- oder Festgeld bereits erhöht. Bis das Gros der Sparer nennenswerte Zinsen bekommt, dürfte es aber noch eine Weile dauern. Immerhin haben die ersten Kreditinstitute Negativzinsen auf dem Tagesgeld- oder Girokonto abgeschafft. „Sobald die Notenbank den Strafzins auf Bankeinlagen streicht, werden auch die Negativzinsen für Sparer auf breiter Front wegfallen“, erwartet Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. Zuletzt mussten Banken 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Viele Institute geben diese Belastung an Privatkunden ab bestimmten Summen auf dem Konto als sogenanntes Verwahrentgelt weiter.

Im Schnitt zahlen die Banken in Deutschland laut dem Vergleichsportal Verivox aktuell bis zu 1,33 Prozent Zinsen für Festgelder mit zwei Jahren Laufzeit – noch zu Beginn des zweiten Quartals betrugen die besten Angebote lediglich 0,41 Prozent. Bei ausländischen Banken liegt der Zinssatz teilweise mit 2,0 Prozent noch höher. Bei Tagesgeldkonten gibt es ebenfalls etwas Bewegung: Bei der PBB Direkt gibt es laut Verivox aktuell immerhin 0,15 Prozent Zinsen, Bestandskunden der Renault Bank erhalten seit Donnerstag 0,3 Prozent Zinsen auf ihr Tagesgeldkonto.

Im Vergleich zur Inflationsrate sind das jedoch noch immer sehr niedrige Zinssätze – Sparerinnen und Sparer sollten deshalb möglichst wenig Geld auf dem Tagesgeld- oder Girokonto parken. Für das Gesamtjahr 2022 rechnet die Bundesbank mit einer Inflationsrate von 7,1 Prozent - 10.000 Euro auf einem unverzinsten Girokonto würden somit in einem Jahr 663 Euro an Wert verlieren.

Welche Folgen hat eine straffere EZB-Geldpolitik für Kreditnehmer?

Für sie wird es absehbar teurer. Steigende Zinsen erhöhen die Kosten für Kredite und bremsen so die Nachfrage. Das hilft dabei, die Inflation im Griff zu behalten. Nach Erfahrung von Verbraucherschützern geben Banken und Sparkassen steigende Zinsen vergleichsweise zügig an Kreditnehmer weiter, das gilt auch für Dispozinsen. Die Bauzinsen, die sich an der Verzinsung von Bundesanleihen orientieren, sind bereits deutlich gestiegen.

„Die Durchschnittszinsen für zehnjährige Baufinanzierungen haben sich ausgehend von 0,8 Prozent zum Jahresstart fast vervierfacht und sind auf über drei Prozent geklettert“, berichtet Ingo Foitzik, Geschäftsführer Baufinanzierung beim Vergleichsportal Check24. Höhere Zinsen treffen diejenigen, die ein neues Darlehen brauchen oder eine Anschlussfinanzierung für einen Immobilienkredit. Ein Beispiel: Wer Anfang 2022 einen zehn Jahre laufenden Immobilienkredit über 400 000 Euro mit einem Zinssatz von 0,8 Prozent und einer Anfangstilgung von 2 Prozent abschloss, muss dafür monatlich 933 Euro zahlen. Bei einem Abschluss eines solchen Darlehens im Juni sind es monatlich 1667 Euro. Bei laufenden Hypothekenkrediten ändert sich nichts.

Welche Chancen bieten sich für Lebensversicherungskunden?

Die Zinsen am Kapitalmarkt sind bereits in Erwartung einer strafferen Geldpolitik gestiegen. Doch bis Kundinnen und Kunden von Lebensversicherungen davon profitieren, dürfte es noch eine Weile dauern. Branchenexperten erwarten, dass Lebensversicherer zunächst sogenannte stille Lasten in der Bilanz abbauen, die durch die Zinswende entstehen, statt die Überschussbeteiligung zu erhöhen. Die Überschussbeteiligung, die Assekuranzen je nach Wirtschaftslage und Erfolg ihrer Anlagestrategie jedes Jahr neu festsetzen, ist ein wichtiger Teil der laufenden Verzinsung des Altersvorsorgeklassikers. (lma/dpa/AFP)

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