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Finanzprofi warnt: „Euro ist zur Weichwährung geworden“

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Von: Lisa Mayerhofer

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Geldscheine
In den Jahren 2020 und 2021 hat der Bund etwa 24 Milliarden Euro an Kurzarbeitergeld gezahlt. © Monika Skolimowska/dpa/Symbolbild

Der Eurokurs erreicht historische Tiefstände. Der Euro ähnele inzwischen eher der italienischen Lira als der deutschen D-Mark, urteilt Finanzprofi Andreas Beck.

München – Der Kurs des Euro hat das Tauschverhältnis von eins zu eins zum US-Dollar erreicht. Am Dienstagmittag (12. Juli) erreichte die Gemeinschaftswährung die Parität zur US-Währung. Letztmalig war ein Euro im Jahr 2002 genau einen Dollar wert – knapp nach der Einführung des Euro als Bargeld. 

Euro-Kurs auf Tiefstand: Energiekrise belastet

Ein wesentlicher Grund für die Euro-Schwäche ist die Furcht vor einer Energiekrise in Europa. Am Montag begann die wartungsbedingte Abschaltung der Gas-Pipeline Nord Stream 1. „Die Gefahr einer Energiekrise in Europa ist das Damoklesschwert, welches über den Euro-Wechselkursen schwebt und diese belastet“, sagte Devisenexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank.

Vor dem Ende der in der Regel zehntägigen Pipeline-Wartungsarbeiten kann es seiner Einschätzung nach kaum Entlastung geben. Und jeder Tag, den die Wartungsarbeiten länger als geplant dauern, könnte den Euro weiter belasten, warnte Leuchtmann.

Experte: Der Euro ähnelt mehr der italienischen Lira als der deutschen D-Mark

Doch wie wird sich der Euro über einen längeren Zeitraum hinweg entwickeln? Im Gespräch mit Focus Online erklärt der Finanzprofi Andreas Beck, warum er nicht an eine Wende beim Werteverlust des Euros glaubt. „Ursprünglich sollte der Euro ja der Nachfolger der D-Mark werden, das hat Deutschland bei der Einführung sich so gewünscht“, sagt Beck dem Nachrichtenportal. Das bedeutet: Der Euro soll eine starke Währung sein.

Doch mit den Corona-Hilfsfonds sei „alles aus dem Ruder gelaufen“. Alle Regeln, die dazu führen sollen, dass der Euro eine starke Währung bleibt, „seien über Bord geworfen und nicht wieder eingeführt worden“. Von der Konstruktion her ähnele der Euro nun mehr der italienischen Lira als der deutschen D-Mark.

Beck meint gegenüber Focus Online: „Die Schweiz hat es aufgegeben, den Franken im Verhältnis zum Euro zu halten. Wir sind eine Weichwährung geworden und werden auch so von der Schweiz behandelt.“ Der Finanzprofi beschwichtigt aber auch: „Davon geht die Welt nicht unter. Die Italiener sind das schon gewohnt; die sind nicht so überrascht wie die Deutschen.“

Euro auf Talfahrt: Nachteile im Kampf um die besten Köpfe

Die Deutschen und die deutsche Wirtschaft müssten sich allerdings auf Änderungen einstellen. „Man kann mit einer starken Währung ganz anders agieren. Die besten Absolventen kriegen deutsche Firmen dann zum Beispiel nicht mehr“, sagte er im Gespräch mit Focus Online. Auch für Anleger ergebe es bei einer Weichwährung keinen Sinn mehr, das Geld einfach nur festverzinslich anzulegen. „Die Italiener kaufen inflationsindexierte Anlagen“, erklärt Beck gegenüber dem Nachrichtenportal. (lma/dpa)

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