Auch Musk übt Kritik

Hedgefonds-Zorn in den USA: Für Spekulanten könnte es ungemütlich werden - Biden in Alarmbereitschaft

Gamestop-Logo prangt auf der Fassade der Filiale am Union Square in New York
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Gamestop-Logo prangt auf der Fassade der Filiale am Union Square in New York.

Die Aufregung um extreme Kurskapriolen der Aktien des Videospielhändlers Gamestop und weiterer Unternehmen am US-Finanzmarkt erreicht die höchste politische Ebene. Kommt es zum Umbruch?

  • In den USA findet ein modernes Märchen statt: Kleinanleger wehren sich erfolgreich gegen Großinvestoren.
  • Die Achterbahnfahrt der Gamestop-Aktie bringt den amerikanischen Finanzmarkt gehörig durcheinander.
  • Die Debatte erreicht eine politische Ebene - die Geschäftspraktiken von Hedgefonds geraten in die Kritik.
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Washington/New York - In den USA rückt die Börse in die Kritik: Der künftige Vorsitzende des Bankenausschusses im US-Senat, Sherrod Brown, kündigte eine Anhörung „zum aktuellen Zustand des Aktienmarkts“ an. Es sei an der Zeit für die Börsenaufsicht SEC und den Kongress dafür zu sorgen, dass die Wirtschaft für alle funktioniere, nicht nur für die Wall Street. „Die Leute an der Wall Street scheren sich nur um die Regeln, wenn sie diejenigen sind, denen es wehtut“, hieß es in Browns Statement.

Gamestop-Aktie: Kampf David gegen Goliath - Hedgefonds-Machenschaften in der Kritik

Hintergrund ist der große Ärger von Anlegern über Restriktionen beim Handel mit Papieren von Gamestop und anderen Firmen, durch die sie sich bei einer Gewinnstrecke ausgebremst sehen. Vor allem der Online-Broker Robinhood geriet dadurch massiv in die Kritik und in den Verdacht, Kleinanleger gegenüber Wall-Street-Großinvestoren zu benachteiligen. Bei Firmen wie Gamestop oder der Kinokette AMC verloren Hedgefonds zuletzt viel Geld mit Wetten auf fallende Kurse, unter anderem weil sich Hobby-Händler in Online-Foren zusammenschlossen und Aktien* diverser Unternehmen erfolgreich in die Höhe trieben:

Dass Robinhood den Handel mit den Papieren so einschränkte, dass sie nur noch verkauft, aber nicht mehr gekauft werden können, wird nun zum Politikum und hat eine Debatte um Regulierung losgetreten. Laut US-Medien plant auch die Vorsitzende des Finanzausschusses im US-Repräsentantenhaus*, Maxine Waters, eine Anhörung. Dabei soll es um jüngste Turbulenzen am Finanzmarkt und um die Rolle von Hedgefonds allgemein gehen. Weitere ranghohe Politiker der Demokraten fordern Aufklärung. Der neue US-Präsident Joe Biden* erklärte, seine Regierung beobachte die Vorgänge in New York genau. Auch Vertreter der republikanischen Partei äußerten Unverständnis für Robinhoods Entscheidung.

Gamestop-Aktie an der Wall Street: Robinhood in Erklärungsnot - Tesla-Boss schaltet sich ein

Nach dem Sturm der Empörung und ersten Klagen von Anlegern, die sich um Kursgewinne gebracht sehen, kündigte Robinhood am Abend an, die Handelsbeschränkungen für die Wertpapiere wieder zu lockern. Die Aktien von Gamestop stiegen daraufhin im nachbörslichen Handel um über 70 Prozent, die von AMC um fast 50 Prozent. Auch die Papiere anderer Unternehmen wie etwa des Smartphone-Pioniers Blackberry, für die ebenfalls Einschränkungen galten, legten kräftig zu. Robinhood-Chef Vlad Tenev erklärte im US-Finanzsender CNBC, die Handelsbeschränkungen seien zum Schutz des eigenen Unternehmens und seiner Kunden beschlossen worden.

Auch Tesla-Mogul Elon Musk* hat sich in dieser Thematik mit einer Twitter-Botschaft zu Wort gemeldet - und stellt sich auf die Seite der Kleinanleger. Der Elektro-Pionier äußerte sich in dem Post kritisch über Shortselling und die Geschäftspraktiken von Hedgefonds-Managern:

Musk formuliert in dem Tweet: „Du kannst keine Häuser verkaufen, die dir nicht gehören. Du kannst keine Autos verkaufen, die dir nicht gehören, aber du kannst Aktien verkaufen, die du nicht besitzt? Das ist Bulls***, Leerverkauf ist ein Betrug.“ (PF/dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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