Athen will Finanzhilfe - Merkel beschwört Stabilität

Athen - Griechenland sieht keinen Ausweg mehr: Die Regierung hat am Freitag um Finanzhilfen der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds gebeten. Bundeskanzlerin Merkel beschwört die Stabilität des Euro.

Ministerpräsident Giorgos Papandreou sagte auf der Ägäis-Insel Kastelorizo, er habe Finanzminister Giorgos Papaconstantinou gebeten, offiziell die Aktivierung des entsprechenden Rettungsplans anzufordern. Die Märkte hätten bislang nicht positiv auf die Sparmaßnahmen der griechischen Regierung reagiert, sagte er. Es sei nun eine “nationale und dringende Notwendigkeit“, die Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Stabilität des Euros bei Umsetzung des Rettungsplans für Griechenland als das “Allerwichtigste“ bezeichnet. Entscheidungen über Art und Umfang der Hilfen für das Land würden nicht sofort getroffen, sagte sie am Freitag zu dem Antrag Griechenlands auf ausländische Hilfen.

Zuvor müssten Europäische Union und Internationaler Währungsfonds die Anfrage prüfen, sagte die Kanzlerin in Berlin. Es müsse ein “glaubwürdiges Sparprogramm“ mit Griechenland verhandelt werden, erklärte Merkel. Sie habe mit dem griechischen Ministerpräsidenten telefoniert. Giorgos Papandreou habe ihr erklärt, dass es noch einige Tage dauert. “Es geht nicht um direkte Hilfen der Bundesregierung, sondern um Garantien“, sagte die Kanzlerin.

Erst am Donnerstag war offenbar geworden, dass die griechische Schuldenkrise noch dramatischer ist als bisher bekannt. Die europäische Statistikbehörde Eurostat korrigierte das griechische Haushaltsdefizit für das Jahr 2009 am Donnerstag auf 13,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach oben. Experten erklärten danach, es werde nun immer wahrscheinlicher, dass Griechenland das Rettungspaket der übrigen Euro-Staaten und des IWF in Anspruch nehmen werde.

Kreditwürdigkeit des Landes herabgestuft

Angesichts der neuen Zahlen stufte die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit Griechenlands am Donnerstag von A2 auf A3 herab. Erst im Dezember war eine Herabstufung von A1 auf A2 erfolgt. Als Folge der Herabstufung verteuern sich neue Darlehen für die Regierung. Die übrigen Euro-Staaten und der IWF haben Griechenland zur Überwindung der Schuldenkrise Beistandskredite im Umfang von insgesamt 45 Milliarden Euro in Aussicht gestellt, die allerdings mit weiteren Sparauflagen verbunden werden könnten.

IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn nannte die Schuldenkrise in Griechenland ein ernstes Problem. Es gebe keine “Silberkugel“, um die Angelegenheit “auf die einfache Weise“ zu erledigen, sagte er am Donnerstag zu Reportern in Washington. Die Verhandlungen zwischen Athen und dem IWF hätten gerade erst begonnen und würden noch einige Zeit brauchen, sagte er weiter. Zugleich wies er Berichte zurück, der IWF plane eine Umstrukturierung der griechischen Schulden, bei der Gläubiger Abschläge hinnehmen müssten. Diese Sorge hat in den vergangenen Tagen die Finanzmärkte beunruhigt.

Griechenland erwartet erstes Geld in einigen Tagen

Der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou erwartet, dass sein hochverschuldetes Land bereits in den nächsten Tagen erste Hilfsgelder von den Eurostaaten und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) erhalten wird. Es würden “mehrere Tage verstreichen“, bis Kredite abgerufen werden könnten, sagte Papakonstantinou.

Die griechische Regierung habe die Entscheidung, den Rettungsplan in Gang zu setzen, “nach den Ereignissen der letzten Tage“ getroffen, vor allem nachdem der Schuldenstand des Landes am Donnerstag erneut nach oben korrigiert worden sei.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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