ifo-Institut schraubt Wachstumsprognose kräftig nach oben

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Der Präsident des ifo Instituts, Hans-Werner Sinn, am Mittwoch in München:  Der Aufschwung in Deutschland wird sich nach Einschätzung des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung fortsetzen.

München - Der deutsche Boom geht weiter, auch das ifo Institut schraubt seine Wachstumsprognose kräftig nach oben. Doch der Aufschwung werde an Tempo verlieren. Risiken sind die Schuldenkrise in Griechenland oder trübe Aussichten in USA.

Angesichts des anhaltenden Wirtschaftsbooms in Deutschland hat auch das ifo Institut seine Wachstumsprognose kräftig nach oben geschraubt. Für das laufende Jahr rechnet ifo-Chef Hans-Werner Sinn nun mit einem Plus von 3,3 Prozent, nachdem er im Dezember noch von 2,4 Prozent ausgegangen war. “Wir erleben einen fantastischen Wirtschaftsaufschwung“, sagte Sinn am Mittwoch in München.

In den kommenden Monaten werde der Wirtschaftsaufschwung zwar etwas an Fahrt verlieren, gehe aber auch im kommenden Jahr weiter. “Im kommenden Jahr dürfte die Konjunktur in Deutschland in etwa das Tempo beibehalten, mit dem sie das Jahr 2011 beendet“, sagte der Chef des ifo Institut für Wirtschaftsforschung. Sinn erwartet für 2012 ein Wachstumsplus von 2,3 Prozent in Deutschland.

Deutschland profitiere derzeit auch von der Schwäche vieler Partner. So trügen viele deutsche Investoren ihr Geld nicht ins Ausland, weil sie sich etwa wegen der Schuldenkrise in Europa oder der eher tristen Lage in den USA nicht mehr ins Ausland trauten. Vor allem sei das Tempo des Aufschwungs bemerkenswert. In den vergangenen 60 Jahren habe das ifo-Institut keinen vergleichbaren Boom gemessen. “Aber auch keinen so starken Abschwung wie in den zurückliegenden Krisenjahren“, sagte Sinn. Diese Einbrüche seien inzwischen verdaut.

Die hohe Geschwindigkeit des Aufschwungs werde sich aber nicht halten lassen. So dürfte etwa die Produktion im zweiten Quartal nicht mehr im gleichen Ausmaß gewachsen sein wie zuvor. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht davon aus, dass sich das Wachstum im zweiten Jahresviertel bereits verlangsamt hat. Nach Einschätzung des DIW sei nach einem Wachstum von 1,5 Prozent im ersten Quartal von April bis Juni mit einer Rate von 0,4 Prozent zu rechnen, teilte das Institut am Mittwoch in Berlin mit. Im Mai war das Institut noch von einem Zuwachs um 0,6 Prozent ausgegangen.

Im Gegensatz zur sehr guten Unternehmensstimmung deuteten Zahlen aus der Realwirtschaft auf eine spürbare Abschwächung hin, hieß es zur Begründung. Bremsen würde zum einen der Bausektor, wo nach dem starken zweistelligen Wachstum im ersten Quartal mit einer Gegenbewegung zu rechnen sei. Zum anderen dürfte die Aktivität im Groß- und Einzelhandel zurückgehen. Das DIW geht aber davon aus, dass sich das Wachstum nur vorübergehend abschwächt. “Die anziehende Beschäftigung und steigende Löhne werden den Konsum in den nächsten Quartalen voraussichtlich mehr und mehr anschieben“, sagte der Konjunkturchef des Instituts, Ferdinand Fichtner.

Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in Berlin hatte zuletzt seine Prognose für 2011 sogar auf 4 Prozent heraufgesetzt. Maßgeblich dafür sei vor allem das kräftige Wachstum im ersten Quartal. 2012 erwartet das IMK ein Plus von 2,3 Prozent. Das IMK gehört zur Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Zuvor hatte das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) für 2011 ein Wachstum von 3,7 Prozent vorhergesagt. Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) hob seine Prognose auf 3,5 Prozent an, die Kollegen des Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erwarten 3,6 Prozent.

dpa

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