"Ihr solltet alle gefeuert werden!"

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"Danke für die Herabstufung. Ihr solltet alle gefeuert werden!" lautet die übersetzte Botschaft auf einem Flugzeugbanner.

St. Louis - Manche ärgern sich im stillen Kämmerlein, andere gehen in die Luft: Nach der Herabstufung der US-Bonität bedankte sich die Amerikanerin Lucy Nobbe auf ihre Weise beim Kongress.

Die geschiedene Mutter von zwei Kindern ließ ein Flugzeug mit deutlicher Botschaft über die Wall Street kreisen: “Danke für die Herabstufung. Ihr solltet alle gefeuert werden!“, stand auf einem Banner in roten Großbuchstaben. Für diese Aktion bekam sie viel Zuspruch von ihren Landsleuten. “Ich bin einfach so überwältigt“, sagte die 51-jährige Brokerin am Mittwoch, von einigen bereits als neue Volksheldin gefeiert. “Ich hätte nie gedacht, dass das so eine große Wirkung haben würde.“ Der Verlust der Top-Bonität brachte für Nobbe das Fass zum Überlaufen. Seit der Herabstufung am Freitag fuhren die Kurse an der Wall Street Achterbahn, und die Befürchtungen nahmen zu, dass die USA in eine zweite Rezession abgleiten könnte.

Kurzerhand durchsuchte Nobbe das Internet nach einem Piloten und beauftragte ihn, am Dienstagmittag mit dem Transparent über die Wall Street zu kreisen.

“Nachdem wir von der Herabstufung erfahren haben, kamen meine Freunde und ich aus dem Schimpfen nicht mehr heraus“, sagte Nobbe in einem Telefoninterview von ihrem Zuhause in St. Louis im Mittleren Westen aus. “Ich habe beruflich mit Kommunalobligationen zu tun, daher weiß ich um die Folgen, und das hat mich noch wütender gemacht.“

Mit dieser Wut über die schlechte Wirtschaftslage, den Beinahe-Zahlungsausfall der USA, die Schuldenkrise und die Finanzmarktturbulenzen stand sie offensichtlich nicht alleine da: Nobbes Transparent war sofort Thema in diversen Internetforen und an der Wall Street.

Zunächst löste es jedoch Verwirrung aus: Einige Passanten, Blogger und Journalisten dachten, Nobbes Botschaft richte sich an S&P. Doch sie galt einzig und allein dem Kongress, Republikanern und Demokraten gleichermaßen. Eigentlich wollte Nobbe das Flugzeug über Washington kreisen lassen, was aber angesichts des eingeschränkten Luftraums über der Hauptstadt nicht möglich war.

“Ich bin sehr unpolitisch“, sagte Nobbe. “Dass sie sich nicht einigen konnten, ärgerte mich jedoch. Sie benehmen sich wie kleine Kinder. Sie hinterlassen einen Schlachtfeld und fahren in den Urlaub.“ Sie wisse schon, dass es Meinungsverschiedenheiten gebe, aber die müsse man eben lösen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Weniger als fünf Minuten nach der Aktion bekam sie einen Anruf vom US-Magazin “Fortune“, das fragte, ob sie hinter dem Protest stecke. Danach stand das Telefon nicht mehr still: Journalisten riefen an, aber auch Mitbürger, die ihr zu der Aktion gratulierten.

Trotz des Lobs will Nobbe nicht in die Politik gehen. Doch einer weiteren Aktion dieser Art ist sie nicht abgeneigt: Sollte der US-Kongress die Konjunktur mit entsprechenden Maßnahmen wieder in Schwung bringen, würde sie ihm gratulieren, sagte Nobbe.

dapd

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