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Wegen rasant steigender Inflation: US-Notenbank macht großen Zinsschritt

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US-Notenbank: Die Fed steht vor dem stärksten Zinsschritt seit 22 Jahren.
US-Notenbank: Die Fed steht vor dem stärksten Zinsschritt seit 22 Jahren. © Imago/Ting Shen

In den USA steigt die Teuerungsrate noch schneller als in Europa. Die US-Notenbank gab nun eine wegweisende Entscheidung bekannt, auch für die Euro-Zone und Deutschland. 

Update vom 4. Mai, 20 Uhr: Das hat es seit 22 Jahren nicht gegeben. Die US-Notenbank erhöht den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte. Damit liegt er nun in der Spanne von 0,75 bis 1 Prozent, wie die Federal Reserve (Fed) soeben bekannt gab.

Die Anhebung um 0,5 Prozentpunkte (50 Basispunkte) ist die stärkste seit dem Jahr 2000. Im März hatte die Fed die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte erhöht und damit ihre wegen der Corona-Pandemie beschlossene Nullzins-Politik beendet.

Die Notenbank hatte die Leitzinsen zu Beginn der Corona-Krise im März 2020 zur Stützung der Wirtschaft auf Nullniveau abgesenkt. Im Zuge der wirtschaftlichen Erholung von den Auswirkungen der Pandemie stiegen dann aber die Verbraucherpreise stark an. Die Inflation erreichte zuletzt auch wegen der Folgen des Ukraine-Kriegs ein 40-Jahres-Hoch von 8,5 Prozent, was die Fed zu einem entschiedeneren Handeln zwingt.

Zugleich will die Fed nicht mit einer zu starken Leitzinserhöhung die Konjunktur abwürgen. Im ersten Quartal war die größte Volkswirtschaft der Welt überraschend um 0,4 Prozent geschrumpft.

US-Notenbank: Ungewöhnlicher Zinsschritt könnte kommen

Erstmeldung vom 4. Mai, 16 Uhr: Washington – Im Kampf gegen weiter steigende Teuerungsraten steht die US-Notenbank vor einem ungewöhnlich kräftigen Zinsschritt. Zahlreichen Experten zufolge dürfte die Fed auf ihrer Sitzung am Mittwoch (4. Mai) eine Erhöhung des Leitzinses um 0,5 Prozentpunkte auf 0,75 bis 1 Prozent beschließen. Es wäre die höchste Anhebung seit 22 Jahren. Üblicherweise hebt die US-Notenbank, den Leitzins in Schritten von 0,25 Prozentpunkten an.

Im Anschluss an die Sitzung des Zentralbankrats wird Notenbankchef Jerome Powell die Beweggründe der Fed vor Journalisten erläutern und einen Ausblick auf den weiteren Kurs der Geldpolitik geben (20.30 Uhr MESZ).

US-Notenbank unter wachsendem Druck

Der Druck auf die Fed ist derzeit groß, denn die Teuerungsrate in der größten Volkswirtschaft der Welt ist so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das zehrt an der Kaufkraft der Verbraucher. Analysten rechnen in diesem Jahr noch mit mehreren weiteren Zinsschritten. Auch will die Fed ihre infolge der Corona-Notprogramme auf rund neun Billionen US-Dollar angeschwollene Bilanz rasch reduzieren, was den Märkten weitere Liquidität entziehen würde. Analysten erwarten an diesem Mittwoch Details zum geplanten Abbau.

Powell hatte Ende April relativ klar signalisiert, dass bei der Sitzung des Zentralbankrats mit einer Erhöhung von 0,5 Prozentpunkten zu rechnen ist. Es sei angesichts der hohen Inflationsrate und robusten Konjunkturentwicklung „angemessen, ein bisschen schneller vorzugehen“, sagte Powell. Das Ziel sei es, die Werkzeuge der Zentralbank so einzusetzen, dass sich Angebot und Nachfrage wieder anpassten und die Inflation zurückgehe. Die Konjunktur solle sich in einer Weise abkühlen, die nicht einer „Rezession“ entspreche. Der Balanceakt werde nicht einfach sein, sagte er. „Es wird eine große Herausforderung sein. Wir werden unser Allerbestes geben, um das zu erreichen“, versprach Powell.

US-Notenbank vor schwierigem Balanceakt

Erhöhungen des Leitzinses verteuern Kredite und bremsen die Nachfrage. Das hilft dabei, die Inflationsrate zu senken, schwächt aber auch das Wirtschaftswachstum. Für die Notenbank ist es daher ein Balanceakt: Sie will die Zinsen so stark anheben, dass die Inflation ausgebremst wird - ohne dabei gleichzeitig Konjunktur und Arbeitsmarkt abzuwürgen.

Eine weitere Herausforderung für die Zentralbank ist es, dass sie manche Ursachen der Preissteigerungen nur begrenzt beeinflussen kann. Die Unterbrechungen globaler Lieferketten und steigende Energiepreise etwa reagieren nicht direkt auf den Leitzins.

US-Notenbank: Währungshüter mit begrenzten Einflussmöglichkeiten

Auch die Folgen des Kriegs in der Ukraine oder neuer Corona-Lockdowns in China für die Teuerungsrate in den USA kann die Fed kaum kontrollieren. Die Fed hatte den milliardenschweren Ankauf von Wertpapieren im März eingestellt und ihren Leitzins erstmals seit der Corona-Krise um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Eine Erhöhung um 0,5 Prozentpunkte hatte es zuletzt vor 22 Jahren gegeben. Damit stieg der Zinssatz im Mai 2000 auf 6,5 Prozent - kurz vor dem Platzen der Internet-Blase, deren Folgen ab 2001 zu einer Reihe Absenkungen des Leitzinses führten.

Die Fed ist den Zielen der Preisstabilität und Vollbeschäftigung verpflichtet. Inzwischen brummt die US-Wirtschaft wieder, die Arbeitslosenquote war zuletzt auf niedrige 3,6 Prozent gefallen. Viele Firmen klagen bereits über einen Mangel an Arbeitskräften. Die Verbraucherpreise steigen allerdings seit Monaten rasant. Im März stiegen sie gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,5 Prozent. Die Fed strebt mittelfristig eine Inflationsrate von zwei Prozent an.

Dieses Ziel hat auch die Europäische Zentralbank (EZB). Der Leitzins im Währungsraum der 19 Länder liegt seit nunmehr rund sechs Jahren auf dem Rekordtief von null Prozent. Inzwischen wird angesichts der Rekordinflation eine erste Zinserhöhung im Euroraum in diesem Sommer erwartet. Mehrere Mitglieder des EZB-Rats hatten zuletzt eine Erhöhung im Juli nicht ausgeschlossen. Auch führende Ökonomen fordern eine Kursänderung. Es sei „höchste Zeit zu handeln“, schrieb etwa der ehemalige Wirtschaftsweise Prof. Volker Wieland mit Blick auf die EZB im Gastbeitrag. (dpa/utz)

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