IWF will Strauss-Kahn-Nachfolge klären - Schäuble fordert Lagarde

Washington - Der IWF will bis Ende Juni einen Nachfolger für den wegen einer Sex-Affäre zurückgetretenen Direktor Dominique Strauss-Kahn finden. Finanzminister Wolfgang Schäuble schlägt vor, dass das Amt an eine Französin geht.

Der Auswahlprozess solle bis dahin abgeschlossen sein, teilte die Organisation in der Nacht zum Samstag in Washington mit. Die Nominierungsphase für Bewerber um den Posten werde am 23. Mai beginnen und laufe bis zum 10. Juni.

Zugleich veröffentlichte der Fonds die grundlegenden Bedingungen für eine Kandidatur. Demnach müsse der künftige Direktor aus einem der Mitgliedsländer stammen. Er sollte über große Erfahrung in der Gestaltung von Wirtschaftspolitik sowie über tiefgreifende diplomatische Fähigkeiten verfügen.

Nach Ansicht europäischer Regierungen solle künftig wie üblich ein Europäer an die Spitze der Sonderorganisation der Vereinten Nationen rücken. Allerdings melden auch Schwellenländer wie China und Indien ihren Anspruch an. Die USA als größter Anteilseigner haben sich in der Nachfolge-Diskussion bislang neutral geäußert. Die amerikanische Regierung unterstütze Kandidaten, die in einem offenen Auswahlprozess gefunden würden und eine Mehrheit hinter sich versammeln könnten, teilte das Finanzministerium am Freitag mit.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat an die übrigen europäischen IWF-Mitglieder appelliert, sich auf die Französin Christine Lagarde als Nachfolgerin  zu verständigen. “Mit Christine Lagarde, so sie sich dann entscheidet zu kandidieren, hätte Europa beste Chancen, den Posten wieder zu besetzen. Entscheidend ist jetzt aber vor allem, dass Europa in dieser Frage mit einer Stimme spricht“, sagte Schäuble der Zeitung “Bild am Sonntag“. Schäuble lobte die Qualifikationen seiner französischen Amtskollegin: “Christine Lagarde ist in der Sache und als Person hervorragend geeignet. Sie wird in der gesamten Finanzwelt überaus respektiert und geschätzt.“

Schäuble bekräftigte den Anspruch der Europäer auf den Posten des IWF-Direktors: “Wir brauchen eine starke Persönlichkeit an der Spitze des IWF und zwar einen Europäer oder eine Europäerin. Ein Amerikaner leitet traditionell die Weltbank, ein Europäer den IWF. Die USA und Europa zahlen schließlich mit weitem Abstand den größten Teil der Beiträge. Das ist wie in jeder Aktiengesellschaft: Wer die Mehrheit der Anteile besitzt, stellt den Aufsichtsratsvorsitzenden.“ Schäuble drängte auf eine rasche Lösung, um die Handlungsfähigkeit des IWF nicht zu gefährden.

dpa/dapd

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