Karstadt zwischen Hoffen und Bangen - Köln sagt Verzicht zu

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ARCHIV - Der Immobilien-Investor Nicolas Berggruen in Berlin (Archivfoto vom 30.05.2008).

Essen/Köln - Karstadt zwischen Hoffen und Bangen: Das Überleben der Warenhauskette mit ihren 25 000 Beschäftigten hängt jetzt davon ab, ob Köln wie andere Städte auf seine Forderungen verzichtet.

Stadt-Kämmerer Norbert Walter-Borjans sagte dazu der "Bild"-Zeitung (Dienstagausgabe), es werde am Dienstag ein Schreiben an Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg geben, in dem Köln in der Tat auf 1,7 Millionen Euro Gewerbesteuer verzichtet.

Grundlage für das Schreiben sollte eine Dringlichkeitsentscheidung sein; diese ist wirksam, wenn sie vom Oberbürgermeister und einem Mitglied des Stadtrats unterzeichnet wird. Ohne Kölns Steuerverzicht kann der Insolvenzplan für Karstadt nicht in Kraft treten.

Am Freitagabend war bekanntgeworden, dass neben der Triton-Gruppe nun auch der Berliner Privatinvestor Nicolas Berggruen Kaufinteresse angemeldet hat. Berggruen-Sprecher Wolfgang Weber-Thedy sagte am Freitag, Berggruens Interesse sei groß. Er wolle eine "deutsche Marke mit Kultstatus" und die damit verbundenen Arbeitsplätze retten.

Voraussetzung für einen möglichen Kauf durch Berggruen seien Zugeständnisse der Vermieter und der Kommunen - die Arbeitnehmer sollen demnach verschont bleiben. Zudem ist jetzt davon die Rede, dass das Immobilien-Konsortium Highstreet notgedrungen den Einstieg bei Karstadt erwägt.

Außer Köln haben mittlerweile alle Städte mit Karstadt-Filialen über die Forderungen an die Warenhauskette entschieden. Fast alle diese Kommunen wollen verzichten. Bonn will das Geld zunächst nur stunden, was dem Insolvenzplan nicht weiterhilft. "Eine Entscheidung pro Karstadt steht von Köln noch aus", sagte der Sprecher von Verwalter Görg.

Der Insolvenzverwalter hatte bei allen 94 Städten mit Karstadt-Standorten eindringlich für einen Steuererlass geworben. Dabei geht es um eine Steuerforderung der Gemeinden von theoretisch bis zu 140 Millionen Euro. Hintergrund ist ein außerordentlicher Ertrag in der Karstadt-Bilanz, der durch einen Forderungsverzicht der Gläubiger von bis zu zwei Milliarden Euro entstehen würde. Görg braucht die Zustimmung so vieler Kommunen, dass 98 Prozent der Steuerforderungen vom Tisch sind. Eine Weigerung von Köln mit seinen hohen Karstadt-Umsätzen würde die zwei Prozent Spielraum überschreiten, erläuterte der Sprecher des Insolvenzverwalters.

Am Freitag läuft die Frist für Angebote zur Übernahme des insolventen Essener Konzerns ab. Als dritter möglicher Käufer wird nun auch das Immobilien-Konsortium Highstreet gehandelt, an dem die US-Investmentbank Goldman Sachs die Mehrheit der Anteile hält. Nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" (BamS) will Highstreet die 120 Karstadt-Häuser vollständig übernehmen und als Konzern erhalten. Die Firma besitzt die Immobilien von 86 Karstadt-Filialen.

Dem Sprecher von Görg zufolge gibt es aber bisher keine Offerte von Highstreet: "Uns liegen zurzeit zwei konkrete Angebote vor." Doch Unternehmenskreise bestätigen, dass ein Einstieg von Highstreet bei Karstadt ein denkbares Szenario sei. Wenn die Verhandlungen mit Triton oder Berggruen scheiterten, habe Karstadt-Vermieter Highstreet am meisten zu verlieren, weil dann Dutzende Immobilien leer stünden.

Die Sprecherin von Verdi, Cornelia Haß, wies unterdessen Angaben im "BamS"-Bericht zurück, wonach es schon eine Einigung zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft und Highstreet gebe. Zwar habe man im Zuge des Insolvenzverfahrens immer wieder mit Highstreet gesprochen. Grund sei jedoch, dass das Immobilien-Unternehmen einer der Hauptgläubiger sei. "Es gibt keinen wie immer gearteten Abschluss, der irgendwelche Details vorsieht." Gleichwohl halte die Gewerkschaft ein mögliches Übernahme-Angebot von Highstreet "nicht für die schlechteste Lösung für die Beschäftigten", ergänzte Haß.

dpa

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