Kaum noch Hoffnung für Schlecker

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Für die insolvente Drogeriemarktkette Schlecker bleibt kaum noch Hoffnung.

Ehingen/Ulm - Am Freitag läuft die Frist der Schlecker-Gläubiger ab. Eine Abwicklung der iDrogeriekette wäre verheerend für die Beschäftigten. Verdi fordert indes einen Rettungsbeitrag der Politik - die reagierte prompt.

Eine Rettung der insolventen Drogeriekette Schlecker scheint immer unwahrscheinlicher. Unterschriftsreife Investorenangebote sollen nach dpa-Informationen weiter nicht vorliegen. Nach Informationen der „Südwest Presse“ ist am Freitag bei der entscheidenden Gläubigersitzung ein Beschluss über die Zerschlagung zu erwarten. „Das Urteil ist gefallen. Am kommenden Freitag gibt es nur die Verkündung“, zitierte die Zeitung am Mittwoch Branchenkenner. Das würde vor allem die mehr als 14 300 Mitarbeiter treffen. Betriebsratschefin Christel Hoffmann gibt aber nicht auf: „Ich sehe einen kleinen Ansatz einer möglichen Wende.“ Verdi forderte indes die Politik zum Handeln auf. Prompt reagierte die FDP.

Der größte Gläubiger und Kreditversicherer Euler Hermes will bei einer Entscheidung für das endgültige Schlecker-Aus die Schuld nicht auf sich nehmen. „Sollte diese Entscheidung fallen, dann gab es kein realistisches und tragfähiges Angebot der Investoren“, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur dpa und bestätigte einen Bericht der „Südwest Presse“. Derzeit liefen noch „harte Verhandlungen“ zwischen Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz und den zwei verbliebenen Investoren. „Alle sind an einer konstruktiven Lösung interessiert, aber noch ist alles offen“, sagte der Sprecher.

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Euler Hermes bestätigte dem Bericht zufolge, derzeit die Konzepte des Karstadt-Eigners Nicolas Berggruen und des US-Investors Cerberus Capital Management zu prüfen. Gegenüber der dpa wollte der Sprecher Äußerungen über konkrete Investorennamen nicht bestätigen. Es käme weiter gleichermaßen auf Kaufpreishöhe und Tragfähigkeit der Konzepte der Investoren an. „Für alle ist es das oberste Ziel, das Schlecker erhalten bleibt, die Voraussetzung ist aber ein belastbares Konzept“, sagte der Sprecher von Euler Hermes der dpa.

„Es geht aber auch um Summen“, sagte der Versicherer mit Blick auf seine Forderungen. Euler Hermes hat Warenlieferungen an Schlecker von rund 300 Millionen Euro abgesichert. Die Entscheidung über die Zukunft Schleckers hängt nach Expertenmeinung von Euler Hermes ab.

An eine Abwicklung will Verdi nicht denken. Kurz vor Ablauf der Frist forderte die Gewerkschaft einen Rettungsbeitrag von der Politik. Die Bundesagentur für Arbeit soll zwei Monate lang das Gehalt der Belegschaft zahlen - aus einem Sonderfonds. „Das gibt dem Insolvenzverwalter mehr Raum bei der Investorensuche“, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger der dpa.

Eine prompte Reaktion kam vom FDP-Bundestagsabgeordneten Lars Lindemann: „Auf Sondervorteile besteht weder ein rechtlicher noch ein sonst wie gearteter Anspruch“, sagte Lindemann der dpa. Die in so einem Fall vorgesehenen Leistungen seien in Form des Insolvenzgeldes erbracht worden. „Schlecker ist keine Schlüsselindustrie in Deutschland und hat keine strategische Bedeutung, dass damit ein Industriezweig untergeht.“ Zudem habe die Politik im Fall Schlecker auch nichts gut zu machen. Die Auffanglösung für rund 10 000 Mitarbeiter Ende März war auf Druck der FDP gescheitert - sie wurden gekündigt.

Ein Appell an die Investoren kam von der Betriebsratschefin Christel Hoffmann, die wie der Rest der Belegschaft hofft und bangt: „Die Mitarbeiter haben es verdient, dass sich die Investoren über ihre soziale und moralische Verpflichtung im Klaren sind.“ Am Freitag werde angesichts der ernsten Lage die Betriebsräte-Konferenz mit rund 400 Arbeitnehmervertretern in Berlin zusammenkommen.

Ursprünglich wollte Geiwitz bis Pfingsten einen Investor finden. Doch der Plan scheiterte. Der Insolvenzverwalter senkte zwar die Verluste von Schlecker deutlich, doch das Unternehmen schreibt weiter rote Zahlen. Auch eine Klagewelle von tausenden gekündigten Schlecker-Mitarbeitern und das schwierige Image der Kette belasten die Investorensuche.

Und mit Verdi erreichte er bisher keine Einigung für einen angestrebten Sanierungsbeitrag. Verdi zufolge stimmten indes rund zwei Drittel der befragten Mitarbeiter einem dreijährigen Verzicht etwa auf Sonderzahlungen zu. Geiwitz hatte eine Senkung der Personalkosten um 15 Prozent gefordert; Verdi bietet 10,5 Prozent.

Geiwitz vertritt in erster Linie die Interessen der Gläubiger. „Er hat die Sorgfaltspflicht. Wenn Schlecker zu viele Verluste macht und er keinen Investor findet, muss er die Fortführung des Betriebes einstellen“, sagte Insolvenzrichter Benjamin Webel vom Ulmer Amtsgericht. Am 5. Juni kommt in Ulm die Gläubigerversammlung zusammen, dort wird die Zukunftsentscheidung festgeklopft.

Am vergangenen Freitag hatten die drei größten Schlecker-Gläubiger Geiwitz eine letzte Galgenfrist von einer Woche gegeben, um einen Investor mit belastbarem Angebot zu präsentieren. Gelingt ihm dies bis Freitagvormittag (1. Juni) nicht, wird der Betrieb eingestellt und Vermögenswerte werden veräußert.

dpa

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