Können Sie Ihrem Arzt vertrauen?

Berlin - Die Patienten fühlen sich von ihren Ärzten nicht neutral über angebotene Selbstzahler-Leistungen informiert. Dies ergab eine Umfrage der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).

Kann man seinem Arzt immer vertrauen? Bei den umstrittenen Selbstzahlerleistungen gilt das laut Verbraucherschützern nicht uneingeschränkt - Mediziner verkaufen sie vielfach allzu offensiv.

Patienten werden nach einer Umfrage beim Arzt viel zu spärlich über Selbstzahlerleistungen aufgeklärt. So habe bei jedem vierten Fall vorab eine Kosteninformation gefehlt, berichtete der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) am Montag unter Berufung auf eine bundesweite Online-Umfrage, an der sich von April bis Juni mehr als 1700 Verbraucher beteiligt hätten.

So viel kassieren niedergelassene Ärzte

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Nur jeder Vierte (23 Prozent) erinnerte sich demnach daran, über Risiken aufgeklärt worden zu sein. Über den individuellen Nutzen fühlte sich nur gut jeder Zweite informiert. Ausreichende Bedenkzeit gab es bei 51 Prozent der Fälle.

Mit den fraglichen Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) setzen Arztpraxen in Deutschland nach Angaben des vzbv jährlich mindestens 1,5 Milliarden Euro um. „Viele Ärzte nutzen das Vertrauen der Patienten aus, wenn sie vom Helfer zum Verkäufer werden“, sagte Verbandsvorstand Gerd Billen.

Umstrittene Leistungen

Er forderte die Bundesregierung auf, das derzeit im parlamentarischen Verfahren befindliche Patientenrechtegesetz nachzubessern. Der IGeL-Bereich solle strengeren Regeln unterliegen. „Selbstzahlerleistungen sollen der Gesundheit dienen, nicht die Sebstbedienungsmentalität mancher Ärzte befeuern“, forderte Billen.

Spitzenreiter bei diesen Leistungen sind laut der vzbv-Umfrage Glaukomfrüherkennung (Grüner Star), Ultraschall, PSA-Test (Prostata) und zahnärztliche Behandlungen. Mit 82 Prozent seien die meisten dieser Behandlungen nicht auf Initiative der Patienten zustande gekommen. In fast jedem zweiten Fall sei das Praxispersonal direkt am Verkauf beteiligt gewesen.

Viele dieser Leistungen sind umstritten, sie können aber auch sinnvoll sein. So kritisieren Experten Ultraschalluntersuchungen von Gebärmutter und Eierstöcken zur Krebsfrüherkennung bei beschwerdefreien Frauen als unsicher. Bei vielen Frauen kommt es zum Krebsverdacht, der sich nur selten bestätigt. Verdachtsfälle auf Eierstockkrebs können nur per Operation geklärt werden. Der Nutzen der Glaukomfrüherkennung wird seit langem unterschiedlich bewertet.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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