Zweiter Streiktag der Piloten

Lufthansa-Chef hofft auf Einigung

Frankfurt/Main - Der Ausstand der Lufthansa-Piloten geht weiter. Während es an den großen Drehkreuzen auch am Donnerstag spürbar leerer ist, hofft der Lufthansa-Chef auf eine schnelle Einigung mit der Gewerkschaft.

Die Piloten der Lufthansa haben am zweiten Streiktag ihren Ausstand unvermindert fortgesetzt. Am Donnerstag fielen erneut Hunderte Flüge aus, die Lufthansa musste nach Aussagen einer Sprecherin aber keine zusätzlichen Verbindungen mehr streichen. Es bleibe bei der Liste von rund 3800 abgesagten Flügen, sagte sie am Donnerstag in Frankfurt.

Trotz einiger Signale von beiden Seiten kam es zunächst nicht zur Wiederaufnahme der Tarifverhandlungen um die Übergangsrenten für die rund 5400 Piloten von Lufthansa, Germanwings und Lufthansa Cargo. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) wartete nach Angaben ihres Sprechers Markus Wahl vergeblich auf einen Anruf der Lufthansa-Verhandler: „Unser Telefon war die ganze Nacht besetzt, auch jetzt ist es besetzt. Bis jetzt hat das Telefon leider gar nicht geklingelt - es gibt kein neues Angebot der Lufthansa“, sagte er dem Sender n-tv.

An den Flughäfen blieb es wie am Vortag ruhig, weil die meisten Passagiere über die Ausfälle informiert waren. „Es ist spürbar ruhiger“, sagte ein Sprecher am Frankfurter Flughafen. An den großen Drehkreuzen hatte man sich auf gestrandete Fluggäste vorbereitet. In Frankfurt mussten dem Sprecher zufolge aber nur etwa zehn Menschen im Transitbereich übernachten. Sie dürfen diesen nicht verlassen, wenn sie kein Visum für den Schengen-Raum haben.

Der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa, Christoph Franz, hofft auf eine schnelle Einigung mit der Gewerkschaft. „Ich hoffe, dass wir schnell wieder zu Gesprächen zusammenkommen und dann für beide Seiten akzeptable Kompromisse finden“, sagte Franz der „Bild-Zeitung“.

„Wir möchten uns im Sinne unserer Passagiere und im Sinne des Unternehmens so schnell wie möglich einigen. Der Ruf der Lufthansa darf unter diesem Tarifkonflikt nicht leiden“, sagte Franz. Der Streik treffe Unternehmen und Passagiere „sehr hart“.

Lufthansa hat nach eigenen Angaben die Call-Center noch einmal verstärkt, nachdem an den Vortagen häufig kein Durchkommen war. Der Andrang habe im Vergleich zu Montag und Dienstag aber abgenommen, sagte eine Unternehmenssprecherin. Bei den Passagieren entschuldige man sich für die Unannehmlichkeiten.

Anlass des Streiks sind die von Lufthansa einseitig gekündigten Übergangsrenten, die den Piloten bislang ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf ermöglichten. Außerdem fordern die Piloten ein Gehaltsplus von zehn Prozent.

Wegen des härtesten Streiks der Unternehmensgeschichte hat Lufthansa bis inklusive Freitag rund 3800 Flüge gestrichen. Betroffen sind insgesamt etwa 425 000 Fluggäste. Der Ausstand ist bis Freitagnacht um 23.59 Uhr befristet. Danach will Lufthansa möglichst schnell wieder den normalen Flugbetrieb aufnehmen.

Am Flughafen München ging man bei drei Streiktagen von Einbußen in Millionenhöhe aus. Auch der Frankfurter Betreiber Fraport beklagte pro Streiktag einen Umsatzverlust im einstelligen Millionenbereich.

dpa

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