Manroland vor Insolvenz

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Druckmaschinenbauer Manroland mit 6500 Jobs vor Insolvenz.

München - Seit Jahren ringt der Druckmaschinenhersteller Manroland um eine Zukunftsperspektive. Kurz vor Weihnachten scheint der Kampf vorerst verloren: Der Konzern ist insolvent. Wie es weitergeht, ist noch unklar.

Der angeschlagene Druckmaschinenhersteller Manroland geht kurz vor Weihnachten in die Insolvenz. Damit müssen rund 6500 Beschäftigte des seit Jahren kriselnden Konzerns um ihre Arbeitsplätze bangen. Das Unternehmen stellte am Freitag beim Amtsgericht in Augsburg einen Insolvenzantrag, bestätigte ein Sprecher des Gerichts auf Anfrage. Manroland wollte nach Betriebsversammlungen an den Standorten Augsburg, Offenbach und Plauen am Nachmittag auch die Öffentlichkeit über die Lage informieren. Der Aufsichtsrat hatte am Donnerstag in einer Sondersitzung die Entscheidung getroffen.

Insolvenzverwalter wird die Wirtschaftsprüfer- und Rechtsanwaltskanzlei Schneider, Geiwitz & Partner. Die zuständigen Teams des würden sich nun schnellstmöglich ein Bild über die Lage im Unternehmen machen, sagte ein Sprecher der dpa. Die Kanzlei hatte bereits die Pleite des Augsburger Bauunternehmers Walter Bau betreut und für einen Weiterbetrieb des Geschäfts gesorgt.

Wie es nach der Insolvenz bei Manroland weiter gehen soll, war jedoch zunächst unklar. Die Eigentümer des Konzerns sind die Allianz Capital Partners (ACP), Investmentarm des Versicherungskonzerns, und die Münchner Volkswagen-Tochter MAN, die seit längerem auf der Suche nach Investoren oder Fusionspartnern waren. Das Augsburger Unternehmen hat eine lange Tradition und kämpft seit Jahren mit Problemen. Neben Augsburg gibt es Werke im hessischen Offenbach und im sächsischen Plauen. Die Insolvenz ist die größte Firmenpleite in diesem Jahr in Deutschland.

Gerüchte über eine Insolvenz hatte es zuletzt mehrfach gegeben. Manroland leidet seit Jahren unter schrumpfenden Geschäften mit Druckmaschinen und schreibt seit 2009 auch operativ Verluste. Die Firma stellt sowohl Bogendruckmaschinen für Werbung und Verpackungsdruck her als auch große Rollenanlagen für den Zeitungsdruck. Unter anderem in diesem Geschäft tut sich die gesamte Branche seit Jahren schwer.

So kämpft auch der Rivale Heidelberger Druck mit Verlusten und kündigte jüngst erneut Stellenstreichungen an. An der Börse stiegen die Heideldruck-Aktien am Freitag allerdings kräftig, da die Insolvenz von Manroland einen Konkurrenten vom Markt nehme, wie ein Händler begründete. Vor zwei Jahren hatten die Heidelberger - bei denen die Allianz größter Einzelaktionär ist - und Manroland Verhandlungen über eine Fusion abgebrochen. MAN hatte die Mehrheit an der damaligen MAN Roland 2006 an ACP verkauft. Hoffnungen auf einen Börsengang oder schnellen Verkauf musste der Finanzinvestor aber bald begraben. Seit dem Einstieg hat sich der Umsatz halbiert.

Die Zahl der Mitarbeiter war seither um mehr als 2200 auf noch 6500 gesunken. Derzeit arbeiten im Durchschnitt wieder 1700 bis 1800 Mitarbeiter kurz. ACP hält 75 Prozent der Anteile und 65 Prozent der Stimmrechte. Ein Viertel der Anteile und 35 Prozent der Stimmrechte liegen noch bei MAN.

dpa

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